Freimüllers ICE-Check: Villacher SV

Freimüllers ICE-Check: Villacher SV Foto: © GEPA
 

Am Freitag, den 17. September, startet die ICE Hockey League in eine neue Ära.

Nach der Liga-Aufstockung gehen nun 14 Teams in der überregionalen Liga auf Puck- und Punkte-Jagd. LAOLA1-Scout Bernd Freimüller nimmt alle Teams unter die Lupe. Heute im Check: Der VSV.

Was hat sich beim Traditionsverein aus Villach im Sommer getan? Wo liegen die Stärken und Schwächen? Und was darf man von den Adlern erwarten? Die Antworten:

Das war im Sommer los

Rob Daum blieb diesmal über den Sommer hinaus Coach, beim gewohnt volatilen VSV-Vorstand ist das schon eine Meldung wert. Zum ersten Mal in seiner zweiteiligen Karriere in Villach musste er kein vorgegebenes Team übernehmen.

Sieben neue Legionäre waren die Konsequenz, wobei: "Neu" ist nicht gerade das Mot Juste – alle sieben kennen die Liga schon, Anton Karlsson sogar den VSV. Dazu kamen mit Philipp Lindner, Kevin Moderer, Marco Richter und Yannic Pilloni vier ligaerfahrene Österreicher, mit Maximilian Rebernig aus Salzburg noch ein jüngeres Kaliber.

Das Resultat dieser Rochaden: Der Kader ist so breit aufgestellt wie noch nie. Zustände wie in der letzten Saison, als Daum in den Playoffs gerade drei Linien aufbieten konnte, sollten Vergangenheit sein.

Stärken und Schwächen des Kaders

Die Kaderdichte sollte gegeben sein, die Qualität auch? Daum liebt Routiniers, mit Jamie Fraser (35, Rücktritt vom Rücktritt), Derek Joslin (34) und Rick Schofield (34) finden sich gleich drei Legionäre im gehobenen Alter. Sie blieben über die Jahre fast verletzungsfrei, doch bei Fraser und Schofield schlichen sich zuletzt doch ungewohnte Weh-Wehchen ein. Dazu kommt noch John Hughes (33), ebenfalls so gut wie nie verletzt. Erwischt es dieser älteren Semester heuer vermehrt, stehen die Adler relativ blank dar, gehören sie alle doch zum Schlüsselpersonal.

Daum sollte zwei starke Scorerlinien (in welcher Zusammensetzung auch immer) aufbieten können und das inkludiert Leute wie Richter, Joel Broda oder Benjamin Lanzinger noch gar nicht. Dazu kommen mit Rebernig, Moderer, Pilloni und Felix Maxa noch explizite Experten für Defensiv- und PK-Aufgaben, die Daum gerne vom Scoring-Personal getrennt hält.

John Hughes lässt seine Linemates normalerweise immer besser aussehen, sie müssen aber für seine unmöglichen Pässe vorbereitet sein. Einen Punktegaranten wie ihn – zugegeben mit oft nervigem Schussverzicht – hatten die Draustädter schon seit Jahren nicht.

Wenn Brett Flemming – zuletzt lange mit einer Gehirnerschütterung out – gesund bleibt, stehen mit den drei Legionären, Philipp Lindner (muss sein Spiel einfach halten) und Nico Brunner (soll hinten bleiben) fünf brauchbare Defender zur Verfügung, die auch viel Eiszeit nehmen können. Auch hier wäre die Dichte ohne große Verletzungen größer als gewohnt.

Interessante Personalien

Ich halte Andreas Bernard für einen überdurchschnittlichen (vielleicht nicht herausragenden) Goalie, der sein Können zuletzt aber immer nur über kurze Phasen (A-WM, Überbrückung in Bozen) zeigen durfte und konnte. Sonst war er seit seinem Abgang aus Finnland meist nur Aushilfe. Kann er als deklarierte Nr. 1 (mit Ali Schmidt als stets brauchbarem Backup) endlich die meist windige Goalieposition in Villach stabilisieren?

Scott Kosmachuk kann ebenso faszinieren wie frustrieren, wie ich zuletzt auch wieder beim Testspiel in Nitra gesehen habe. Seine offensiven Fähigkeiten stehen nicht zur Debatte, seine Hingabe vor allem im Spiel ohne Scheibe schon. Sein Backcheck kann auch darin bestehen, einen Mitspieler mit der Stockschaufel anzuschieben. Sowas ist bei einer 20+Tore-Saison verzeihbar und dafür sollte er auch gut sein. Wenn nicht, beantwortet er selbst die Fragen, warum er im Sommer keine interessanten Angebote bekam.

Maxi Rebernig ist ein untypischer österreichischer Eishockeyspieler – nämlich, indem er Größe (1,91 Meter) mitbringt. Etwas mehr Feuer und Drive gehen mir bei ihm immer ab, aber er könnte zu einer festen Größe mit PK-Fähigkeiten und etwas Produktion werden.

Joel Broda ist der einzige Legionär, dessen Verpflichtung ich eher beeinsprucht hätte. Er kam zuletzt sehr schwerfällig daher, konnte seine Größe und Schusskraft daher nur intermittierend einsetzen. Zum Glüher wird er sicher nicht mehr, aber ein kleiner Aufschwung in puncto Speed wird darüber entscheiden, wie sehr seine Schusskraft noch zur Geltung kommt.

Ausblick

Wer in den letzten Saisonen auf ein gutes VSV-Abschneiden gewettet hat, hat sicher jetzt ein Loch im Börserl. Zuletzt quetschten sich die Adler am letzten Drücker auf den achten Rang, der eine oder andere Platz höher könnte aber drinnen sein.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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