Freimüllers ICE-Check: Red Bull Salzburg

Freimüllers ICE-Check: Red Bull Salzburg Foto: © GEPA
 

Am Freitag (17. September) startet die ICE Hockey League in eine neue Ära.

Nach der Liga-Aufstockung gehen in der neuen Saison 14 Teams in der überregionalen Liga auf Puck-Jagd. LAOLA1-Scout Bernd Freimüller nimmt alle Vereine unter die Lupe. Heute im Check: EC Red Bull Salzburg.

Was hat sich beim Vize-Meister, der vorzeitig in der K.o-Phase der Champions League steht, im Sommer getan? Wo liegen die Stärken und Schwächen? Und was darf man von den Salzburgern erwarten? Die Antworten:

Das war im Sommer los

Wer sich gefragt hat, welche der beiden divergenten Philosophien der letzten Saison (Förderung der Akademiespieler/Siegen mit Maximum an Legionären) heuer Bestand haben würde, wusste bald Bescheid: Die ligainternen Verpflichtungen von Ali Wukovits, Benjamin Nissner und Ty Loney waren ebenso früh festgezurrt wie die Österreich-Rückkehr von Peter Schneider. Danach folgten mit TJ Brennan, Vincent LoVerde und Jan-Mikael Järvinen noch Legionäre mit Potential zu absoluten Ligagrößen.

Die Marschroute für Coach Matt McIlvane kann nur Meistertitel heißen, so aggressiv traten die Roten Bullen zuletzt zu Zeiten von Pierre Page am Transfermarkt auf.

Stärken und Schwächen des Kaders

An der Offensive sollte das Team jedenfalls nicht scheitern, Loney und Schneider sind absolute Torgaranten, Järvinen ein brillanter Passgeberr. Thomas Raffl sollte noch zumindest eine gute Saison in sich haben, dazu noch Wukovits, Nissner, vielleicht auch Flo Baltram bei einem weiteren Leistungsaufschwung – die Bullen-Offensive könnte über wenigstens drei Linien gestreut sein. Dazu kommen noch Brennan, LoVerde und Heinrich von der blauen Linie.

McIlvane wird gefordert sein, die Eiszeit gut zu verteilen, hat aber schon in der Vorbereitung einen ganz starken PP-Block gefunden. Schneider, Loney und Raffl sind alles Abschlussspieler mit Stärken um das Tor herum, auch hier ist der Coach gefordert, dass sie sich nicht ins Gehege kommen.

Bei aller offensiven Brillanz, die für eine Domination des Grunddurchgangs reichen sollte: Stehen in den Playoffs genug Indianer im Kader, die etwa einer erstickenden Mannschaft wie dem KAC entgegen halten können? Brennan, Heinrich, Järvinen, Loney, Schneider oder Raffl – sie alle sind nicht gerade für ihre Beiträge im eigenen Drittel bekannt.

J-P Lamoureux war vor zwei Jahren oftmals der Retter für ein Team mit begrenzter Offensive. In der Vorsaison schwächelte er aber gewaltig, seine Körpersprache – stets eine Stärke – wirkte oft sogar verzagt. Mit 37 Jahren und zu Saisonbeginn auch noch verletzt – kann er noch ein letztes Hurra abliefern?

Bei aller Offensive wird es auch den einen oder anderen Key-Save brauchen, sei es von ihm oder seinem (möglichen) Ersatz. Kommt ein solcher nur kurzfristig oder für die ganze Saison? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man auf Nicolas Wieser über längere Zeit voll vertraut, nachdem man ihn vor einer Saison völlig kaltgestellt hat.

Interessante Personalien

TJ Brennan war über Jahre in der AHL ein Offensivgarant, seine Reputation war eher die eines vierten Stürmers. Für eine NHL-Karriere reichten seine Playstation-Zahlen aufgrund seiner Defensivschwächen nicht. Seine Spezialität: Das Driften in den Slot, wenn der Puck von der Seiten- oder Hintertor-Bande kommt sowie ein starker Wrist Shot. Erwarte eine Unmenge an Punkten und einen dominanten PP-Crack. Vincent LoVerde ist ebenfalls ein geachteter AHL-Veteran, von dem man sich einen Impakt auf beiden Seiten des Eises wie einst Brent Regner erwartet

Als „unechte“ Legionäre (jeweils zwei Punkte) sind die beiden Deutschen Danjo Leonhardt und Jakub Borzecki Akademie-Produkte, die wie Filip Varejcka im Vorjahr Stammplätze einnehmen sollten. Leonhardt ist ein cleverer Center mit Scoring Potential, Borzecki dagegen verfügt nur über beschränkte Offensive, dafür eine ligataugliche Physis. Kann sich von den übrigen Akademie- bzw. Farmteam-Spielern wie Philipp Wimmer, Paul Stapelfeldt, Oskar Maier, Lucas Thaler oder Aljaz Predan jemand über die ganze Saison festkrallen wie Kilian Zündel, Paul Huber oder Tim Harnisch in der letzten Saison?

Wie lachhaft die Doppelstaatsbürger-Regelung der ICE ist, wird gerade in Salzburg offensichtlich. Peter Hochkofler gilt trotz österreichischem Pass als Legionär, Aljaz Predan ohne einen solchen dagegen nicht (Eishockey-Österreicher). Kein Wunder, dass Hochkofler (derzeit mit vier Punkten belegt) diese Regelung vor Gericht bekämpfen wird…

Keegan Kanzig (ein jahrelanger ECHL-Stammspieler) war der letzte Legionärsneuzugang, der Zwei-Meter-Mann soll das grobe Gegenstück zu den vielen Offensivkünstlern sein. Reicht seine Physis schon als Abschreckung? Die Erfahrung in der ICE zeigt: Körperlich starke Spieler werden schon oft für Checks bestraft, die in anderen Ligen ohne Konsequenzen bleiben. Spieler wie er reißen dann entweder viele Strafen auf oder kastrieren sich selbst, haben aber dann kein Skillset, auf das sie zurückgreifen können. Kann Kanzig diese Tradition brechen?

Ausblick

Alles andere als ein dauernder Top-2-Platz wäre mit diesem Kader nicht akzeptabel…

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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