Freimüllers ICE-Check: Vienna Capitals

Freimüllers ICE-Check: Vienna Capitals Foto: © GEPA
 

Am Freitag, den 17. September, startet die ICE Hockey League in eine neue Ära.

Nach der Liga-Aufstockung gehen nun 14 Teams in der überregionalen Liga auf Puck- und Punkte-Jagd. LAOLA1-Scout Bernd Freimüller nimmt alle Teams unter die Lupe. Heute im Check: Vienna Capitals.

Was hat sich bei den Capitals getan? Wo liegen die Stärken und Schwächen? Und was darf man von den Wienern erwarten? Die Antworten:

Das war im Sommer los

In chronologischer Reihenfolge und unkommentiert: Auch wenn die Verpflichtungen natürlich schon länger zurücklagen, wurden die Abgänge von Ty Loney, Ali Wukovits und Benjamin Nissner nach Salzburg innerhalb weniger Tage im Mai bekannt. Marco Richter folgte dann nach kurzer Zeit nach Villach, wohin sich auch der stärkste Defender Jerome Leduc (zunächst) orientierte.

Die Rücktritte von Kapitän Mario Fischer, Julian Großlercher und Patrick Peter kamen zizerlweise im Juni an die Öffentlichkeit, bald war auch klar, dass Legionäre wie Colin Campbell und Taylor Vause (nach fünf Jahren) keine Zukunft mehr hatten. Publikumsliebling Raffi Rotter verabschiedete sich im Juli nach Linz, nachdem er mit dem Verein keine Übereinkunft erzielte.

Zwei Wochen vor Trainingsstart sagte noch Coach Dave Cameron "Ich bin dann mal weg". Immerhin nahm als Konsequenz Fischer seinen Rücktritt umgehend zurück und den Cameron-Nachfolger fand GM Franz Kalla mit Dave Barr relativ zeitnah.

Gegen Ende der Vorbereitung verabschiedete sich auch noch Neuverpflichtung Jordan Caron in den Ruhestand, Nachfolger Nicolai Meyer kam aber umgehend.

Stärken und Schwächen des Kaders

Genug der Abgänge, hin zu den Leuten, die da sind:

Bernhard Starkbaum und David Kickert bilden das österreichische Goalie-Duo, wobei Kickert zuletzt stärker agierte, Starkbaum kann aber eine gute zweite Hälfe der letzten Saison für sich reklamieren. Kann dieses Duo den Caps knappe Spiele stehlen? Für Kickert (27) könnte es die letzte Chance sein, sich als Nr. 1 in der Liga zu etablieren.

In der Defensive sah es zunächst so aus, als ob Puckträger Alex Wall alleine die Offensive schultern müsse, da Matt Prapavessis (nicht sehr beweglich) seine Zahlen aus Dänemark und Norwegen eher nicht duplizieren wird können. Shawn Lalonde als ausgewiesener Powerplayspezialist und Königstransfer kam dann etwas später. Der Rest der Defender-Crew verspricht keine großen offensiven Ausreißer.

Im Angriff siehts qualitativ und quantitativ weniger dicht aus: Seit Monaten wird ein Top-Center gesucht, der den Druck von Matt Neal (zuletzt in der DEL2 Durchschnitt) und Brody Sutter wegnehmen kann. Cliff Pu ist ein U24-Legionär mit starken Beinen und guter Physis – kann er in der ICE eine Scorer-Rolle übernehmen und muss er in die Mitte rücken? Dazu kommen eben noch Nicolai Meyer und Corey Tropp, ein Flügel, der mit Kraft und Energie zu seinen Punkten kommt. Beide sind derzeit wohl die größten Scorerhoffnungen. Ein Ty Loney, der einige Spiele alleine entschied, ist derzeit nicht auszumachen.

Ich habe mit Absicht nur die Legionäre erwähnt, denn an diesen hängt so viel wie noch nie in Wien. Hier die jeweils drei besten Österreicher: Defensive: Hackl, Fischer, Piff (Lakos soll keine Stammrolle einnehmen, was es allerdings schon seit Jahren heißt).

Offensive: Hartl, Antal, Kromp oder Bauer. Selbst wenn Hartl seine letzte Saison wiederholen kann und Antal einen weiteren Sprung macht, ist das vor allem in der Offensive sehr dünn und mit nur sehr wenigen Österreicher-Teams positiv vergleichbar.

Interessante Personalien

Shawn Lalonde war in der DEL immer eine auffällige Erscheinung. Er scheut sich nicht die Scheibe zu tragen und ist im Powerplay durch seinen Schuss normalerweise eine Macht. Hat er sich das auch in der KHL erhalten? Umgekehrt müssen die Capitals erstmal seine und Charlie Doderos Strafen killen.

Brody Sutters Rolle kann für das Abschneiden der Caps richtungsweisend sein. Ein großer Körper um das Tor herum, aber mit steinernen Händen und langsamer Fußarbeit. In einem guten Team sollte er in der Depth Chart als Nummer 3 stehen, vor allem im PK auflaufen. Alles darüber hinaus erfolgt auf eigene Gefahr. Der noch zu holende Pivot muss ihn und Neal nach hinten drängen, die derzeitige Centerachse kann nicht genug sein.

Nicolai Meyer ist ein durchaus auffälliger Flügel – guter Speed, viel Energie und auch Abschlussvermögen. Mehr ein Instinkt- als ein Systemspieler, er stößt bei größeren Aufgaben (A-WM, SHL) von der Spielauffassung öfters an seine Grenzen, war aber in der Allsvenskan und der Liiga zuletzt immer ein Faktor. Offensiv sollte er den Caps jedenfalls mehr weiterhelfen als Jordan Caron, der schon in Villach Chance um Chance vergab.

Ausblick

Ein derartiger Massenexodus wie heuer ist normalerweise nur Tabellennachzüglern vorbehalten, der österreichische Kern bei den Caps ist ziemlich ausgedörrt, es muss so gut wie jeder Legionär einschlagen. Größte Frage: Wo soll die Offensive herkommen? Ich erwarte noch einige Personalrochaden während der Saison. Die Caps müssen aufpassen, dass sie nicht von Beginn an in eine Abwärtsspirale kommen, die nach der Vorbereitung mit einigen Debakeln keine Überraschung wäre. Es gibt zu viele gute Teams in der Liga, um die Top-6 zu einem Selbstläufer werden zu lassen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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