Kein "neuer" Hinteregger, wieder der "alte" Drago?

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Das vorletzte Länderspiel des Jahres gegen Bosnien-Herzegowina (20:45 Uhr im LIVE-Ticker) bringt eine Premiere mit sich: Erstmals 2018 wird Sebastian Prödl nicht in der ÖFB-Startelf stehen.

Der verletzungsbedingte Ausfall des Watford-Legionärs sollte eine neue Chance für Aleksandar Dragovic mit sich bringen, sofern es bei einem 68-fachen Teamspieler überhaupt zulässig ist, von einer "Chance" zu sprechen.

Auch wenn im Vorfeld dieser Partie hauptsächlich die Stürmer-Problematik im Fokus stand, lohnt sich ein Blick auf die ÖFB-Defensive. Schließlich wäre es im Hinblick auf die Chance auf den Nations-League-Gruppensieg ratsam, dass gegen Bosnien die Null steht und somit auch Superstar Edin Dzeko kaltgestellt wird.

Rolle als Abwehrchef Prödl auf den Leib geschneidert

Teamchef Franco Foda ließ offen, ob er auf eine Viererkette, in der wohl Dragovic und Martin Hinteregger die Innenverteidigung bilden würden, oder eine Dreierkette setzen wird.

Im Falle einer Dreierkette bräuchte es einen neuen Abwehrchef, schließlich fungierte bei dieser Variante stets Prödl als zentraler Spieler und somit Organisator. Fest steht für Hinteregger, wer diese Rolle nicht einnehmen wird: Er selbst.

"Also damit habe ich mich noch gar nicht beschäftigt, dass es dieses Szenario geben könnte", erwischt ihn dieser Gedanke spürbar am falschen Fuß, "für mich wäre das komplett neu. Diese Position habe ich wirklich noch nie ausgefüllt."

Hinteregger wurde in den letzten Monaten nicht müde zu betonen, wie ideal die Rolle des Abwehrchefs einer Dreierkette Prödl auf den Leib geschneidert sei. "Basti ist der perfekte Mann dafür. Wenn er in der Dreierkette in der Mitte spielt, übernimmt er extrem das Kommando. So laut wie der Basti werde ich es nie schaffen", grinst der Augsburg-Legionär und nimmt sich für die "neue" Rolle mehr oder weniger aus dem Spiel.

Einen anderer Blickwinkel für Hinteregger

Der Kärntner, der normal das linke Glied der Dreierkette bildet, versucht jedoch auch ernsthaft zu verdeutlichen, dass es für ihn eine "sehr große Umstellung" wäre: "Ich weiß genau, was ich auf der Position, die ich in letzter Zeit gespielt habe und auf der ich auch in Augsburg spiele, zu tun habe. Wenn ich in die Mitte rücken würde, ändert sich der Blickwinkel total."

"Links kann man sich ein bisschen offensiver orientieren und ist auch viel auf der Außenlinie, man spielt quasi eine Mischung aus Innenverteidiger und Außenverteidiger. Der Innenverteidiger in der Mitte denkt ja quasi wie ein Libero, wie es ihn früher gegeben hat. Natürlich habe ich früher auch mal Libero gespielt, aber da war ich 13 Jahre alt."

Martin Hinteregger

"Links kann man sich ein bisschen offensiver orientieren und ist auch viel auf der Außenlinie, man spielt quasi eine Mischung aus Innenverteidiger und Außenverteidiger. Wenn es die Situation erfordert, kann man auch mal Außenverteidiger sein oder zumindest ein bisschen wie ein solcher denken. Der Innenverteidiger in der Mitte denkt ja quasi wie ein Libero, wie es ihn früher gegeben hat. Natürlich habe ich früher auch mal Libero gespielt, aber da war ich 13 Jahre alt. Das ist natürlich nicht mit der Position, wie sie jetzt gespielt wird, zu vergleichen", so Hinteregger weiter, der das Thema bei seinem Medientermin in seiner staubtrockenen Art beendet:

"Aber ganz ehrlich: Bis vor einer Minute habe ich mich mit dem Thema noch gar nicht beschäftigt. So genau weiß ich gar nicht, was ich dann tun müsste."

Seine Vorschläge als Prödl-Ersatz im Falle einer Dreierkette: "Drago ist jetzt wieder richtig gut in Form, er hat das auch schon gespielt. Auch Stefan Ilsanker kann diese Rolle ausfüllen. Wenn einer verletzt ausfällt, muss das einfach ein anderer kompensieren."

Wieder der "alte Drago"?

Sofern Foda überhaupt auf eine Dreierkette setzt. Dragovic halbrechts und Hinteregger halblinks haben schon oft genug das Innenverteidiger-Duo in einer Viererkette gebildet, fehlende Harmonie wäre so gesehen keine zu befürchten.

Und wie Hintergger, der in Augsburg bislang jede Pflichtspiel-Minute in dieser Saison bestritt, bereits betont hat, zeigt der Pfeil bei Dragovic nach oben. Für seine starke Vorstellung in der Europa League gegen den FC Zürich holte sich der Leverkusen-Legionär vereinsintern ein Sonderlob von Rudi Völler ab.

"Ich weiß, dass ich gegen Zürich ein sehr gutes Spiel abgeliefert habe. In den letzten Wochen ging die Tendenz wieder aufwärts. Ich habe immer meine Leistung gebracht. Das war für mich persönlich sehr gut, aber als Mannschaft haben wir leider nicht die Punkte geholt, die wir machen wollten - das ist ein Wermutstropfen. Aber persönlich kann ich darauf aufbauen und als nächsten Schritt die Konstanz reinbringen, die ich früher gehabt habe."

Immer wieder prägte Dragovic in den vergangenen gut zwei Jahren seit seinem Wechsel nach Leverkusen den Begriff, wieder der "alte Drago" werden zu wollen. Wie viel zum "alten Drago" momentan noch fehle, sei schwer zu sagen.

Ärger über Reservistenrolle gegen Leipzig

Leverkusen-Trainer Heiko Herrlich habe im Sommer viel mit ihm gesprochen: "Wenn ich das Vertrauen spüre, ist die Leistung sicherlich besser. Das ist auch Kopfsache."

"Ich bin immer froh, wenn ich spielen darf, denn jeder der mich kennt, weiß, wie wichtig mir das Nationalteam ist. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich mich neu beweisen muss oder noch einmal einen Schub bekommen möchte beim Trainer."

Aleksandar Dragovic

Aus diesem Blickwinkel ärgerte es Dragovic durchaus ein wenig, dass ihn Herrlich am vergangenen Wochenende bei der 0:3-Niederlage in Leipzig zurück auf die Ersatzbank rotierte - trotz der starken Peformance gegen Zürich.

"In diesem Fall hat er nicht viel mit mir geredet. Aber das muss man manchmal auch akzeptieren. Er ist der Trainer. Ich weiß nicht, was der Grund war, daher habe ich es so hinnehmen müssen. Wobei Tin Jedvaj gegen Zürich ebenfalls ein überragendes Spiel gemacht und auch das Siegtor erzielt hat. Wahrscheinlich hat sein Bauchgefühl entschieden."

Pluspunkte bei Foda sammeln

Tendenziell kommt es dem "alten Drago" schon näher, dass er das Selbstvertrauen hat, wieder offensiver seinen Anspruch zu formulieren - so wie er beim letzten ÖFB-Lehrgang seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck brachte, dass er in den ersten beiden Nations-League-Spielen in Bosnien und gegen Nordirland nicht in der Startelf stand.

Endgültig der "alte Drago" ist der 27-Jährige wohl dann, wenn er wieder Woche für Woche im Verein gesetzt ist - und auch im Nationalteam nicht um seine Startelf-Nominierung zittern muss. Insofern sind die beiden Partien in diesem Lehrgang wichtig, um bei Foda Pluspunkte zu sammeln.

Auch wenn Dragovic dies herunterspielt: "Ich bin immer froh, wenn ich spielen darf, denn jeder der mich kennt, weiß, wie wichtig mir das Nationalteam ist. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich mich neu beweisen muss oder noch einmal einen Schub bekommen möchte beim Trainer. Ich versuche immer mein Bestes zu geben. Am Ende des Tages muss der Trainer entscheiden, wen er aufstellen möchte. Ich habe immer gesagt: Das Wappen vorne ist wichtiger als der Name hinten, und genau so ist es auch. Ein Spieler kann vielleicht einmal ein Spiel gewinnen, aber über längere Zeit ist die Mannschaft der Star."

Textquelle: © LAOLA1.at

Martin Hinteregger: "Bank für Kevin Danso nicht gut"

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