Kapitäns-Debatte? Baumgartlinger verwundert

 

Der Kapitän ist wieder da - rechtzeitig für die beiden entscheidenden Nations-League-Duelle mit Bosnien-Herzegowina und Nordirland!

Julian Baumgartlinger wurde im Nationalteam in den bisherigen Herbst-Länderspielen schmerzlich vermisst - nicht nur als Mittelfeld-Motor auf dem Platz, sondern auch als Führungsspieler außerhalb, wie die ebenso übertriebene wie leidige Kapitäns-Debatte beim letzten Lehrgang zeigte.

"Übertrieben finde ich optimal ausgedrückt. Ich habe gar nicht glauben können, dass das Thema so groß werden kann", zeigt sich der Leverkusen-Legionär verwundert und betont:

"Es gibt einen Mannschaftsrat mit Sebastian Prödl, David Alaba, Marko Arnautovic und mir. Eigentlich ist es im Fußball so üblich, dass der Kapitän aus diesem Kreis gewählt wird. Für mich war klar: Die Drei machen das, wobei natürlich jeder anders ist. Dass ich es anders mache als Basti, Marko oder David ist ganz normal. Aber ich denke, dass die Aufregung nicht so wild hätte sein müssen. Marko hat mit seinem Siegtor gegen Nordirland dann die richtige Antwort gegeben."

Baumgartlingers Weitsicht und Ruhe fehlten

Wer auf dem Platz die Schleife trägt, mag tatsächlich überbewertet sein, wie sämtliche Beteiligte immer wieder gerne versichern.

Arnautovic hat auch recht, wenn er festhält, dass "auch der letzte Kapitän nicht so schlecht war" und dabei sich selbst meint. Doch auch der West-Ham-Legionär zeigte sich sehr glücklich, dass "Jules" nach seiner Knieverletzung wieder mit von der ÖFB-Partie ist.

Denn außerhalb des Platzes tun die Weitsicht und Ruhe von Baumgartlinger der rot-weiß-roten Auswahl fraglos gut. "Ich bin eher ein Mensch, der in der Kabine nicht so viel über das Fußballerische redet, weil ich mich auf mein Spiel konzentriere. Jules macht das schon sehr gut", attestiert Arnautovic dem ÖFB-Spielführer.

Auch Teamchef Franco Foda ist froh, seinen verlängerten Arm wieder an Bord zu haben: "Wir haben insgesamt eine ausgeglichene Mannschaft, aber Julian ist einfach der Kapitän, er ist Führungsspieler und wird von jedem einzelnen Spieler akzeptiert. Julian in Verbindung mit Marko, David und auch Sebastian Prödl, der leider im Moment aufgrund einer Verletzung nicht bei uns ist, sind die Spieler, die auf dem Platz die Verantwortung übernehmen müssen, und da ist Julian ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft."

Bereits wieder der Alte

Dass Baumgartlinger hochmotiviert ist, seine Qualitäten ins ÖFB-Spiel einzubringen, liegt auf der Hand. Für den 30-Jährigen startet in diesen Tagen und Wochen quasi die Saison neu. Im August zog er sich im DFB-Pokal gegen Pforzheim in der ersten Hälfte des ersten Pflichtspiels einen Innenbandriss zu.

"Ich fühle mich sehr gut, habe jetzt auch in Leverkusen wieder zwei Einsätze gehabt und habe mich eigentlich wie immer gefühlt."

Julian Baumgartlinger

"Das hat mich nach der Vorbereitung geärgert. Es war suboptimal für zwei Monate und zwei ÖFB-Lehrgänge auszufallen", meint Baumgartlinger, "aber in der Nations League sind trotzdem noch 50 Prozent des Wettbewerbs übrig. Wir haben noch die Möglichkeit, es aus eigener Kraft für uns zu entscheiden. Insofern bin ich froh, mithelfen zu können."

In der Europa League stand er gegen den FC Zürich erstmals 90 Minuten für Leverkusen auf dem Platz, zuvor spielte er in der deutschen Bundesliga gegen Hoffenheim eine Halbzeit lang. Seiner eigenen Einschätzung nach ist er bereits wieder der Alte:

"Ich fühle mich sehr gut, habe jetzt auch in Leverkusen wieder zwei Einsätze gehabt und habe mich eigentlich wie immer gefühlt. Natürlich merkt man, wenn man zehn Wochen raus war, dass man den einen oder anderen Tag braucht, um wieder die Sicherheit zu haben. Aber ich fühle mich gut, bin jetzt auch wieder im Rhythmus, was ganz wichtig ist."

Baumgartlinger fordert konzentrierten Auftritt

Auch im ÖFB-Kreis fühle er sich bereits wieder sehr wohl: "Die Abläufe haben sich nicht geändert. Wir haben wirklich etwas entwickelt im letzten Jahr. Insofern fällt es mir leichter, mit 100 Prozent ins Spiel zu gehen."

Für den Showdown gegen Bosnien fordert Baumgartlinger einen konzentrierten Auftritt: "Wir müssen den eigenen Ballbesitz kreativ gestalten, aber immer mit einer gewissen Verantwortung, weil eine der Stärken der Bosnier im schnellen Umschalten nach Ballgewinn liegt. Mit Edin Dzeko haben sie vorne einen, der die Bälle nach Balleroberung super abdeckt und auf die schnellen Außen beziehungsweise Miralem Pjanic weiterleitet. Wir wissen, was auf uns zukommen kann, wenn wir leichtfertige Ballverluste haben."

Alles in allem beginnt die neu eingeführte Nations League nach Einschätzung des gebürtigen Salzburgers "jetzt für uns alle realer" zu werden: "Wir können die Nations League jetzt besser einschätzen. Es fühlt sich tatsächlich als Pflichtspiel an, anders als die Freundschaftsspiele. Der Sinn und Zweck, warum das eingeführt wurde, ist auch, um das aufzuwerten."

Jetzt wird es ernst

Auch wenn man bezüglich Gewichtung für die Zukunft noch abwarten müsse, habe die Mannschaft diesen Wetbewerb sehr gut angenommen und nach dem missglückten Auftakt in Bosnien das schwierige Heimspiel gegen Nordirland für sich entschieden.

"Wie mit Überzeugung und Entschlossenheit der knappe Sieg eingefahren und die Möglichkeit des Aufstiegs erhalten wurde, hat mir sehr gut gefallen. Jetzt steht die Entscheidung kurz bevor. Jetzt haben wir jenen Lehrgang, der wirklich den weiteren Weg für die Nations League weist - und Gott sei Dank kann ich wieder mitmachen."

Textquelle: © LAOLA1.at

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