Die Enttäuschung des Aleksandar Dragovic

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

67 Länderspiele hat Aleksandar Dragovic bislang absolviert, in der ÖFB-Geschichte verzeichnen nur 14 Spieler mehr Einsätze. Kommt der Innenverteidiger wie erwartet in Dänemark zum Einsatz, zieht er mit Heribert Weber und Martin Harnik gleich.

Dass die Ansprüche eines jahrelangen Stammspielers und Leistungsträgers andere sind als jene eines vermeintlichen Ergänzungsspielers, liegt auf der Hand.

Ebenso, dass ihn die aktuelle Situation nicht gerade zufriedenstellt. "Natürlich will ich spielen, das ist mein Anspruch. Der Trainer hat so entschieden, das muss ich akzeptieren und respektieren. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht enttäuscht war. Ich glaube, das hat auch jeder gesehen", gesteht der 27-Jährige.

Mit Beginn des Pfichtspiel-Herbsts nur noch zweite Wahl

War Dragovic unter Ex-Teamchef Marcel Koller noch gesetzt, schien er unter dessen Nachfolger Franco Foda von Beginn an einen schwereren Stand zu haben, auch wenn er nur gegen Slowenien die Bank drücken musste - anfangs wohl auch durch Probleme auf Vereinsebene bedingt, in der Vorsaison wurde er von Leverkusen nach Leicester ausgeliehen.

In der Zwischenzeit schien sich der Wind jedoch gedreht zu haben. Bei den drei Sommer-Länderspielen gegen Russland, Deutschland und Brasilien stand der Wiener jeweils in der Startelf.

Mit Beginn des Pflichtspiel-Herbsts war Dragovic jedoch nur noch zweite Wahl. Erst wurde ihm in der Dreierkette Stefan Ilsanker vorgezogen, bei der Rückkehr zur Viererkette gegen Nordirland hieß es sich hinter Sebastian Prödl und Martin Hinteregger anzustellen.

Kein Rhythmus? "Ich bin voll im Saft"

Dragovic betont, dass ihm nichts anderes übrig bliebe, als sich im Training aufzudrängen. Lediglich mit der öffentlichen Darstellung, dass außer Hinteregger kein ÖFB-Innnenverteidiger voll im Rhythmus sei, kann er wenig anfangen:

"Natürlich hätte ich gerne gespielt - wer will das nicht im Nationalteam? War ich enttäuscht? Ja! Das ist auch ganz klar. Wäre ich das nicht, wäre ich fehl am Platz und müsste sofort die Schuhe an den Nagel hängen."

Aleksandar Dragovic

"Ich kann nur von mir reden, aber ich bin im Rhythmus, bin voll im Saft, und ich finde, ich habe auch gute Leistungen bei Leverkusen gebracht. Der Trainer hat gegen Nordirland so entschieden. Er hat alles richtig gemacht, denn wir haben gewonnen, das ist das Wichtigste. Das zählt am Ende des Tages. Aber ich kann mich nur wiederholen: Natürlich hätte ich gerne gespielt - wer will das nicht im Nationalteam? War ich enttäuscht? Ja! Das ist auch ganz klar. Wäre ich das nicht, wäre ich fehl am Platz und müsste sofort die Schuhe an den Nagel hängen."

Während Prödl beim FC Watford derzeit keine Spielpraxis sammelt und im Saisonverlauf nur ein Pflichtspiel absolvieren durfte, stand Dragovic in Leverkusen in sieben von zehn Partien auf dem Platz - in seinen sechs Einsätzen von Anfang an spielte er auch durch.

Mittelfeld-Rolle kann auch fürs Nationalteam wichtig werden

Zuletzt rückte er gegen den SC Freiburg ins defensive Mittelfeld, was auch im Hinblick auf das Nationalteam durchaus von Relevanz ist. Schließlich war es eine der Begründungen, warum Ilsanker statt ihm in der Dreierkette zum Zug kommt, dass man den Leipzig-Legionär jederzeit ins Mittelfeld-Zentrum schieben und somit auf Viererkette umstellen könne.

Der in der öffentlichen Wahrnehmung auf die Innenverteidiger-Rolle reduzierte Dragovic bieb außen vor. "Ganz klar war das ein Nachteil. Der Trainer hat mir das auch so kommuniziert. Aber ich glaube, jetzt hat jeder gesehen, dass ich auch im Mittelfeld einsetzbar bin. Es ist gut, dass ich variabel einsetzbar bin, das ist sicher auch für das Nationalteam wichtig. Der Teamchef mag das und fordert, dass man variabel einsetzbar ist und wir von der Formation her dadurch im Spiel flexibel auf den Gegner reagieren können. Ich habe mich gegen Freiburg im Mittelfeld auch sehr wohl gefühlt, die Kritiken waren auch gut. Leider haben wir nicht gewonnen, aber ich habe meine Leistung gebracht."

Bei aller Erleichterung, die der 27-Jährige verspürt, dass er in Leverkusen auch auf einer anderen Position aufzeigen konnte, ist festzuhalten, dass die defensive Mittelfeldrolle für Dragovic kein Neuland ist.

Als Schiemer-Ersatz zum Innenverteidiger umgeschult

Im Nationalteam schob ihn Koller im Herbst 2013 gegen Schweden und die Färöer auf diese Position, und auch sein Bundesliga-Debüt bei der Austria feierte er als Sechser, ehe er aus personeller Not heraus in die Abwehr-Zentrale beordert wurde und dort durchstartete.

"Ich bin eigentlich gelernter Mittelfeldspieler, habe bis zu meinem 18. Lebensjahr dort gespielt. Dann hat es sich so ergeben, dass bei der Austria damals Franz Schiemer verletzt war, also bin ich als Innenverteidiger zum Einsatz gekommen."

Aleksandar Dragovic

"Ich bin eigentlich gelernter Mittelfeldspieler, habe bis zu meinem 18. Lebensjahr dort gespielt", erinnert sich Dragovic, "dann hat es sich so ergeben, dass bei der Austria damals Franz Schiemer verletzt war, also bin ich als Innenverteidiger zum Einsatz gekommen. Mit 18 Jahren war ich natürlich froh, dass ich überhaupt gespielt habe. Auch wenn ich im Tor gestanden wäre, wäre ich froh gewesen, denn bei Austria Wien zu spielen, war mein Kindheitstraum."

Der weiteren Karriere hat die Umschulung zum Innenverteidiger bestimmt nicht geschadet. Noch in derselben Saison wurde "Drago" damals im Frühjahr 2009 von Didi Constantini erstmals ins Nationalteam berufen, in dem er sich bald als Stammspieler etablierte.

Foda wisse, wie er mit Spielern umgehen muss

Zwar fand er sich auch in jüngeren Jahren bisweilen auf der ÖFB-Bank wieder, letztlich weist er im durchaus harten Konkurrenzkampf auf dieser Position über die Jahre jedoch keine schlechte Bilanz auf.

Rückmeldungen von Foda würde er bezüglich Einsatzzeit "zurzeit nicht viel" bekommen. Marc Janko hatte zuletzt gemeint, dass der Deutsche mehr Distanz zu den Spielern wahren würde als Koller.

Dragovic meint diesbezüglich: "Jeder Mensch ist anders. Der Teamchef ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, wie man mit Spielern umgehen muss. Die Erfolge geben ihm Recht. Er geht sehr ins Detail. Das ist wichtig, denn in der heutigen Zeit entscheiden solche kleinen Details über Sieg oder Niederlage. Das macht er sehr gut."

Kein persönlicher Vorwurf in Leverkusen

Auf Vereinsebene war der Saisonstart für den Tabellen-14. Leverkusen nicht zufriedenstellend, Dragovic selbst ist nach zwei persönlich schwierigeren Jahren mit seiner bisherigen Performance jedoch zufrieden:

"Natürlich weiß ich, dass wir nicht da stehen, wo wir als Verein stehen sollten. Aber auf mich bezogen kann ich mir nichts vorwerfen. Ich denke, ich habe in jedem Spiel meine Leistung gebracht."

Von einer offenen Rechnung im zweiten Anlauf bei Bayer möchte er jedoch nicht sprechen: "Auch in meiner ersten Saison in Leverkusen war nicht alles so schlecht. Natürlich hatte ich gegen Atletico das schlechteste Spiel meiner Karriere, aber ich traue mich zu sagen, dass es medial zu schlecht dargestellt worden ist."

Vorfreude auf Baumgartlinger-Rückkehr

Sowohl im ÖFB-Team als auch in Leverkusen wird derzeit Julian Baumgartlinger schmerzlich vermisst. Der Nationalteam-Kapitän befindet sich nach seiner Knieverletzung jedoch auf dem Weg zurück.

Dragovic: "Er fehlt als Charakter und Spieler sehr, aber er ist auf einem guten Weg und schon fast wieder bei 100 Prozent. Ich hoffe, dass er schnell wieder zurückkommt. Ich glaube, jeder Spieler, sowohl im Nationalteam als auch bei Leverusen, freut sich, dass er wieder zurück ist, denn er kann uns in beiden Mannschaften weiterhelfen."

Textquelle: © LAOLA1.at

Statt Dänemark: Xaver Schlager wollte der ÖFB-U21 helfen

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare