Matthäus kritisiert Talentförderung: "Definitiv der falsche Weg!"
Nach der schwachen Leistung bei der WM steht beim DFB alles auf dem Prüfstand. Lothar Matthäus sieht auch in puncto Talentförderung Aufholbedarf.
Nach der dritten enttäuschenden WM-Endrunde in Folge steht der DFB vor einem großen Umbruch. Auf der Trainerposition soll Jürgen Klopp für den positiven Turnaround sorgen.
Doch wenn es nach Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus geht, soll es nicht nur auf höchster Ebene zu Änderungen kommen.
"Ein entscheidender Punkt ist die Ausbildung von Talenten. Ich habe den Eindruck, dass da auch in den Vereinen einiges im Argen liegt. Damit meine ich nicht nur Profiklubs, sondern genauso die kleinen Amateurvereine mit ihren Nachwuchsabteilungen", moniert der 65-Jährige im Gespräch mit der "Bild".
Matthäus vermisst Typen wie Klose oder Lahm
Vor allem der Kurswechsel weg von Wettbewerbsorientierung hin zu Spaß am Spiel ohne Sieger und Verlierer ist Matthäus ein Dorn im Auge.
"Leistung muss sich wieder lohnen, Kinder wollen sich miteinander vergleichen. Nur so können sie Ehrgeiz entwickeln und besser werden. Nachwuchs-Wettbewerbe ohne Sieger, ohne Punkte – das ist definitiv der falsche Weg! Das muss man auch beim DFB endlich erkennen“, erklärt der deutsche Welt- und Europameister.
"Wo sind denn die Mittelstürmer wie Miro Klose? Die Außenverteidiger wie ganz früher Manfred Kaltz oder unser letzter WM-Kapitän Philipp Lahm?", fragt Matthäus, der sofort auch eine mögliche Erklärung parat hat:
"Alle Kinder wollen heute dribbeln, Tore schießen. Aber keiner will mehr Verteidiger sein. Das geht nicht! Wir müssen auch wieder mehr Zweikämpfe trainieren, vor allem in den Jugendmannschaften - aber auch bei den Männern."
Matthäus: "Keine Chance auf Weltklasse-Niveau"
Das Problem mit physisch starken Mannschaften wurde bei der WM gegen Gegner wie die Elfenbeinküste, Ecuador oder Paraguay offenkundig. In diesem Bereich müsse man laut Matthäus bereits in der Nachwuchsförderung ansetzen.
"Denn nur mit technischer und spielerischer Qualität, aber ohne Robustheit hat man auf Weltklasse-Niveau keine Chance. So abgedroschen es klingen mag: Wir müssen zurück zu unseren Tugenden, die deutsche Nationalmannschaften immer stark gemacht haben", fordert der Ballon-d'Or-Sieger von 1990.
Auch wenn die Probleme beim DFB tiefer liegen, traut er Jürgen Klopp den Turnaround zu.