Das Spielsystem
Auf den ersten Blick scheint Glasner mit seinem bevorzugten Spielsystem nicht unbedingt zu Nottingham zu passen. Die "Tricky Trees" spielten in den vergangenen Jahren meist mit einem 4-2-3-1, vereinzelt spielte Nottingham in der letzten Saison aber auch mit einer Dreierkette.
Glasner bevorzugt eine Dreier- bzw. Fünferkette. Einzig in seiner Zeit beim VfL Wolfsburg ließ er hauptsächlich mit einer Viererkette spielen.
Vor Glasners Ankunft bei Crystal Palace spielten auch die Südlondoner mit einer Viererkette, doch der gebürtige Salzburger etablierte schnell sein System.
Dadurch, dass der Österreicher in den englischen East Midlands die gesamte Vorbereitung leiten wird, lässt sich auch bei Nottingham eine Anpassung auf Glasners bevorzugtes 3-4-2-1 bzw. 3-4-3 erwarten. Der aktuelle Kader könnte auch sehr gut zu Glasners System passen.
Der Kader
Tor:
Vergangene Saison gab es einen Zweikampf um den Platz im Kasten von Forest. Nachdem Matz Sels nach einer starken Vorsaison als Nummer eins gestartet war, wurde der Belgier Mitte der Saison von John Victor verdrängt.
Kurz darauf zog sich der Brasilianer jedoch eine Knieverletzung zu, woraufhin Sels wieder ins Tor zurückkehrte. Mittlerweile ist Victor wieder fit, daher bleibt abzuwarten, für wen sich Glasner entscheiden wird.
Innenverteidigung:
In der Innenverteidigung hat Nottingham mit dem Brasilianer Murillo und dem Serben Nikola Milenkovic zwei absolute Leistungsträger, die wahrscheinlich auch unter Glasner gesetzt sein werden.
Um die andere offene Position in der potenziellen Dreierkette werden sich die beiden Brasilianer Jair Cunha und Morato streiten. Die beiden Talente Zach Abbott und Tyler Bindon gehen als Ergänzungsspieler in die Saisonvorbereitung.
Linke Außenbahn:
Neco Williams dürfte auf der linken Außenbahn absolut gesetzt sein, doch der walisische Rechtsfuß kann bei Ausfällen auch auf der rechten Seite spielen. Der deutsche Luca Netz wäre dann der erste Ersatz auf links.
Ex-Bayern-Spieler Omar Richards dürfte auch unter Glasner keine Rolle spielen.
Rechte Außenbahn:
Auf der rechten Seite liefern sich Ola Aina und Nicolo Savona ein Duell, vergangene Saison hatten beide immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Wenn beide fit sind, dürfte Aina etwas die Nase vorne haben, auch weil er noch besser als Flügelverteidiger geeignet ist.
Savona könnte hingegen auch in die Innenverteidigung rücken. Das deutsche Talent Eric da Silva Moreira dürfte nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Zentrales Mittelfeld:
Das zentrale Mittelfeld ist eine der spannendsten Positionen bei Forest. Elliot Anderson hat durch seinen Abgang eine riesige Lücke hinterlassen. Vorerst dürften Ibrahim Sangare und Nicolas Dominguez gesetzt sein.
Vor allem Sangare spielte bereits vergangene Saison neben Anderson eine wichtige Rolle. Als Ersatz steht nur der etatmäßige Kapitän Ryan Yates im Kader, dieser war zuletzt jedoch nur noch Joker.
Offensives Mittelfeld:
Die beiden offensiven Mittelfeldpositionen dürften wohl die spannendsten Positionen im Konkurrenzkampf sein, auch weil Glasner sowohl klassische Zehner als auch Flügelspieler zur Auswahl hat.
Einzig Morgan Gibbs-White dürfte gesetzt sein. Der Engländer ist nach dem Abgang von Anderson der absolute Star der Mannschaft. Auf der anderen Position könnten Callum Hudson-Odoi und Omari Hutchinson die besten Karten haben, auch der Schweizer Dan Ndoye könnte gut unter Glasner funktionieren.
James McAtee und Dilane Bakwa haben eher nur Außenseiterchancen, jedoch kann man ihnen aufgrund ihres jungen Alters durchaus einen Leistungssprung zutrauen. Der Leihrückkehrer Jota Silva könnte den Verein endgültig verlassen.
Sturm:
Der Sturm ist vermutlich die größte Baustelle im Kader. Mit mittlerweile 34 Jahren konnte Chris Wood bereits vergangene Saison nicht mehr an die vorangegangenen Spielzeiten anschließen.
Zumeist war Igor Jesus gesetzt, aber auch der Brasilianer konnte nicht ganz die Erwartungen erfüllen. Taiwo Awoniyi spielte zuletzt nur noch eine untergeordnete Rolle und Leihrückkehrer Arnaud Kalimuendo könnte fix zu Frankfurt wechseln.
Die Transfers
Der Abgang von Elliot Anderson ist aus sportlicher Sicht ein schwerer Schlag für Glasner und Nottingham. Rein finanziell eröffnet es dem zweifachen Europapokal-der-Landesmeister-Sieger aber einiges an Spielraum.
Mit 135 Millionen Euro Ablöse ist Anderson der teuerste Engländer aller Zeiten >>>
Somit hat Glasner ein großes Budget für mögliche Neuzugänge. Das wird er auch brauchen, denn bisher konnte Nottingham noch keine Neuzugänge vorweisen. Gerade auf der zentralen Achse von Torhüter, Innenverteidigung, zentralem Mittelfeld und Sturm könnte noch einiges passieren.
Im Tor soll Forest bereits ein millionenschweres Angebot für den Brasilianer Otavio Costa von Cruzeiro abgegeben haben. In der Innenverteidigung sind der südafrikanische WM-Shootingstar Mbekezeli Mbokazi und der Kolumbianer Jhon Lucumi potenzielle Neuzugänge.
Besonders spannend wird, wen Nottingham als potenziellen Anderson-Ersatz verpflichtet. Es kursieren bereits einige spannende Namen auf dem Transfermarkt.
So wurden zuletzt Spieler wie Lucas Bergvall von Tottenham, Davide Frattesi von Inter, Kephren Thuram von Juve und Curtis Jones von Liverpool mit einem Wechsel an den "City Ground" in Verbindung gebracht.
Im Sturm soll Interesse am Japaner Daizen Maeda von Celtic und dem US-Amerikaner Folarin Balogun von Monaco bestehen.
Die Prognose
Der aktuelle Kader von Nottingham ist schwächer einzuschätzen als jener der Vorsaison. Damals spielte das Team allerdings unter seinen Möglichkeiten.
Laut Gesamtmarktwert liegt Nottingham aktuell auf dem zwölften Platz der Premier League, beim Durchschnittsmarktwert sogar auf Rang neun.
Mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Anderson werden die "Tricky Trees" vor dem Saisonstart aber sicherlich noch auf dem Transfermarkt aktiv werden, um den Kader zu verstärken.
Das vorrangige Ziel wird zunächst der Klassenerhalt sein. Greift jedoch das System von Glasner, ist auch ein erneuter Angriff auf die Europacup-Plätze denkbar.