Trainerjob als Schleudersitz
Seit der Übernahme im Jahr 2017 wechselte Nottingham Forest zahlreiche Trainer – insgesamt 14 an der Zahl.
Allein in der vergangenen Saison trennten sich die Engländer unter anderem von Nuno Espírito Santo, Ange Postecoglou, Sean Dyche und nun Vitor Pereria. Letzterer war seit Februar im Amt und muss nun für Glasner Platz machen.
Marinakis bestürmt eigenen Trainer
Ein Beispiel für Marinakis' kurze Zündschnur zeigte sich im Mai 2025.
Nach dem enttäuschenden 2:2 gegen den schon feststehenden Absteiger Leicester City stürmte der Grieche auf den Rasen und stellte Trainer Nuno Espírito Santo vor laufenden Kameras zur Rede. Rund 20 Sekunden sprach er auf ihn ein, bevor er sichtlich wütend in Richtung Kabine ging.
Das Verhältnis zwischen den beiden eskalierte in den folgenden Wochen, vier Monate später war der bei den Fans beliebte Portugiese weg – obwohl er den Klub zuvor in den Europacup und damit erstmals seit 30 Jahren wieder ins internationale Geschäft geführt hatte.
39 Tage für Postecoglou
Als Nachfolger wurde Ange Postecoglou präsentiert – der exakt 39 Tage bleiben würde. Damit reiht sich der Australier auf Platz zwei der kürzesten Amtszeiten eines Trainers in der Premier-League-Geschichte ein.
Marinakis hatte das Stadion bei Nottinghams Niederlage gegen den FC Chelsea bereits rund eine halbe Stunde vor Abpfiff beim Stand von 0:2 verlassen und seinem Technischen Direktor George Syrianos mitgeteilt, dass er Trainer Postecoglou entlassen wolle. Nur zehn Minuten nach Spielende wurde Postecoglou im Spielertunnel über die Entscheidung informiert.
Sperre nach Spuck-Aktion gegen Schiedsrichter
Doch Marinakis gerät nicht nur mit seinen Trainern aneinander, sondern auch mit der Premier League selbst. Im Oktober 2024 wurde er vom englischen Fußballverband für fünf Spiele gesperrt.
Nach einer 0:1-Niederlage gegen den FC Fulham soll er Schiedsrichter Josh Smith angespuckt haben. Der Grieche erklärte, der Vorfall sei unbeabsichtigt gewesen und lediglich eine Folge eines Hustenanfalls durch das Rauchen einer Zigarre.
Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten jedoch eine andere Darstellung: Demnach wirkte die Szene nicht zufällig, sondern absichtlich.
"Als ich nach dem Spiel durch den Tunnel ging, spuckte Herr Marinakis auf den Boden, direkt neben meinem linken Fuß", schilderte Smith die Aktion.
"Geht und erstickt"
Noch vor seiner Zeit in Nottingham sorgte er schon bei seinem ersten Klub Olympiakos Piräus für negative Schlagzeilen.
einer 0:3-Pleite soll er sich im Mai 2018 mit folgenden Worten an seine Spieler gewandt haben: "Ihr seid nicht einmal das Toilettenpapier in unserem Trainingszentrum wert. Statt euch einen schönen Urlaub zu wünschen, sage ich: geht und erstickt."
Schon im vergangenen Monat hatte Marinakis der Mannschaft für ihre Leistungen eine Strafe von 400.000 Euro aufgebrummt.
Protest auf dem Spielfeld
Im April 2023 kam es beim griechischen Liga-Schlager zwischen Olympiakos Piräus und AEK Athen (1:3) zu schweren Ausschreitungen. Nach dem dritten Treffer von AEK in der 91. Minute protestierte Marinakis auf dem Spielfeld gegen die Schiedsrichterentscheidung.
Nach dem Schlusspfiff eskalierte die Situation weiter: Dutzende aufgebrachte Olympiakos-Ultras stürmten den Platz und sorgten für chaotische Szenen.
Im Visier der Justiz
Die lange Skandalakte geht aber noch weiter. Marinakis stand wiederholt im Visier der Justiz.
Die Vorwürfe waren teils schwerwiegend, verurteilt wurde er jedoch nie - nach Angaben der Verfahren reichte die Beweislage jeweils nicht aus. Immer wieder wurden in diesem Zusammenhang auch Zweifel an der Unabhängigkeit der griechischen Justiz laut.
Erstmals geriet er bereits 2011 im bis dahin größten griechischen Fußballskandal ins Zentrum der Ermittlungen. Damals ging es um Korruption, Spielmanipulationen und die Gründung einer kriminellen Vereinigung. Marinakis wurde dabei neben 68 weiteren Verdächtigen vernommen.
Auch 2015 tauchten im Zuge eines weiteren Manipulationsskandals neue Vorwürfe auf. Darüber hinaus wurde ihm vorgeworfen, einen Bombenanschlag auf die Bäckerei eines Schiedsrichters in Auftrag gegeben zu haben, nachdem dieser sich geweigert haben soll, ein gewünschtes Ergebnis zu beeinflussen. Zudem gab es auch Verfahren im Zusammenhang mit mutmaßlichem Heroinschmuggel.
Marinakis vor Gericht schwer belastet
Im Frühjahr 2025 wurde Marinakis zudem in Griechenland angeklagt. Dem 58-Jährigen und 141 weiteren Personen werden unter anderem die Bildung einer kriminellen Organisation sowie das Herbeiführen lebensbedrohlicher Explosionen bei Sportveranstaltungen vorgeworfen. Die Angeklagten wiesen sämtliche Anschuldigungen zurück.
Die Ermittlungen waren ins Rollen gekommen, nachdem es im Dezember 2023 bei Ausschreitungen im Anschluss an ein Volleyball-Frauen-Spiel zwischen Olympiakos und Panathinaikos Athen zu schweren Krawallen gekommen war. Dabei wurde ein Polizist von einer Leuchtkugel am Bein getroffen. Er erlag später seinen Verletzungen.
Am längsten blieb Steve Cooper in Nottingham
Wie die Zusammenarbeit zwischen Marinakis und Glasner verlaufen wird, bleibt abzuwarten. Ebenso offen ist, wie lange der Österreicher tatsächlich im Amt bleiben kann. Dass selbst Erfolg nicht vor einer Entlassung schützt, zeigte spätestens das Aus von Nuno Espírito Santo.
Die bislang längste Trainerzeit in der Marinakis-Ära absolvierte Steve Cooper mit 819 Tagen – ein Ausreißer in einem sonst von schnellen Wechseln geprägten und hochexplosiven Umfeld.
Vorgeschichte mit Crystal Palace
Mit Oliver Glasner verbindet Marinakis übrigens schon vor der gemeinsamen Zusammenarbeit eine brisante Geschichte.
Denn ausgerechnet Marinakis war einer der treibenden Kräfte hinter dem Ausschluss von Crystal Palace aus der Europa League im vergangenen Jahr. Er schrieb der UEFA wegen eines Verstoßes der "Eagles" gegen die Multi-Club-Ownership-Regel.
Nottingham Forest profitierte direkt von der Entscheidung und rückte anstelle des FA-Cup-Siegers in den Wettbewerb nach.
Während Oliver Glasner mit Crystal Palace durch den Gewinn der Conference League den Sprung in die Europa League schaffte, erlebte Nottingham Forest eine enttäuschende Liga-Saison.
Trotz millionenschwerer Investitionen belegten die "Tricky Trees" nur Rang 16 und verpassten das internationale Geschäft deutlich.