Znojmo? Zagreb? VEU? So geht es in der EBEL weiter

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Für unbeteiligte Eishockey-Fans war es eine Überraschung, die vorletzten Freitag vermeldet wurde: Die EBEL könnte 2019/20 nur aus zehn Klubs bestehen.

Nach Verstreichen der Meldefrist am 15. Februar, um 12:00 Uhr, hatten der HC Znojmo und Medvescak Zagreb keine Nennung für die kommende Saison abgegeben.

Im Falle der finanzmaroden Kroaten die Bestätigung einer Befürchtung, bei den Tschechen die Wahrmachung einer Drohung. Die Südmähren sind schon länger mit manchen Umständen ihres Daseins in der Erste Bank Eishockey Liga unzufrieden, längeren Unmutsbekundungen hinter den Kulissen folgte nun eine konkrete und sichtbare Maßnahme.

Mit der Nennung der VEU Feldkirch als möglicher Neueinsteiger gab es auch eine gute Nachricht, die neben der Znojmo-Akte aber eine zweites Fragezeichen aufwarf, welches die Entwicklungsrichtung der Liga in den kommenden Monaten vorerst im Ungewissen lässt.

LAOLA1 hat bei EBEL-Geschäftsführer Christian Feichtinger nachgefragt, wie sich die derzeitigen "Baustellen" aus Sicht der Liga beschreiben lassen.

HC Znojmo: Gefühlte Ungleichbehandlung auf mehreren Ebenen

Stand jetzt, Ende Februar, ist der HC Znojmo - Vize-Champion 2015/16 - im kommenden Jahr nach acht Spielzeiten kein Mitglied der EBEL mehr. Das heißt aber nicht, dass sich an diesem Status bis zur Liga-Generalversammlung im Mai nichts mehr ändern könnte.

"Wenn Znojmo doch noch andere Ideen entwickelt, ist die Liga gesprächsbereit", beteuert Feichtinger. Die Tür ist nicht endgültig zu. "Wir haben uns vor dem Nennschluss auf Präsidiumsebene maximal bemüht, leider hat Znojmo die Gespräche - die aus unserer Sicht sehr positiv gelaufen sind - abgebrochen."

Er hat das Gefühl, dass Znojmo auf mehreren Ebenen grundsätzlich ungerecht behandelt wird. Er ist etwa mit den Schiedsrichter-Entscheidungen unglücklich.

Feichtinger über den Znojmo-Präsidenten

Wo liegt das Problem? Offiziell ist ein Grund klar kommuniziert: Die Unzufriedenheit mit der Aufteilung der Fernseh-Lizenzen bzw. des daraus resultierenden monetären Outputs. "Die Teams bekommen jedoch auch deswegen unterschiedlich viel Geld, weil die österreichischen Vereine ihre Rechte exklusiv abgegeben haben (an 'Sky', Anm.) und die internationalen Teilnehmer ihre Bewegtbild-Rechte selbst vermarkten können."

Die EBEL-Klubs aus den weiteren Teilnehmer-Ländern haben jeweils einen nationalen TV-Partner, der die Heimspiele überträgt: Der HC Bozen ist auf "Video33.it", Fehervar AV19 auf dem Bezahlsender "DIGI Sport" und der HC Znojmo auf "Sport5" zu sehen.

Nicht der einzige Grund

Feichtinger vermutet aber, dass sich der drohende Ausstieg mit diesem Grund alleine nicht erklären ließe: "Das wird auch mit dem Präsidenten (Pavel Ohera, Anm.) begründet sein. Er hat das Gefühl, dass Znojmo auf mehreren Ebenen grundsätzlich ungerecht behandelt wird. Er ist etwa mit den Schiedsrichter-Entscheidungen unglücklich, obwohl die Arbeit des Departement of Player Safety (DOPS) als Positivbeispiel gilt."

Auch zwischen dem Verein und der Stadt Znojmo vermutet Feichtinger Unstimmigkeiten hinsichtlich der sportlichen Ausrichtung ("weil dort unterschiedliche Interessen vorhanden sind, ob sie nicht doch wieder in Tschechien spielen sollten") und der Halle, der Investitionen nicht schaden würden.

Weil Znojmo als wertvolles Liga-Mitglied aber sehr geschätzt werde, sei der Liga-Vorstand auch ohne Nennung für weitere Gespräche offen, "Krieg" zwischen den Vorständen herrsche nicht. "Znojmo ist eine coole Eishockey-Mannschaft, hat eine gute Organisation, viele Erfolge in der Liga gefeiert und ist in der Qualifikationsrunde zur Zeit top platziert. Es gibt keinen sachlichen Grund, warum Znojmo nicht in unserer Liga spielen sollte."

Ganz ohne Konsequenz bliebe die verpasste Nennfrist im Falle einer Besinnung aber nicht: "Die Frist hat schon ihre Aussagekraft. Bei einer Nennung hätte man einfach zu den gegebenen Bedingungen weitergespielt, die für alle gleich gelten. Jetzt müssten die Liga bzw. die Vereine beraten, ob eine Wiederaufnahme in Ordnung wäre und zu welchen Bedingungen das passieren würde."

Eine "Lex Znojmo", allzu umfangreiche Bekenntnisse gegenüber dem HC Orli, schließt Feichtinger aber indirekt gleich aus: "Wir haben unsere Bedingungen und Regeln, die Eckpunkte für die Bewerbung - die für alle gleich gelten - klar definiert, die waren von jeher festgelegt. Alles andere ist Sache zwischen Znojmo und dem Liga-Präsidium."

Medvescak Zagreb: Eine fatale Kettenreaktion

Während die Unzufriedenheit des HC Znojmo nur EBEL-Insidern schon länger bekannt war, offenbarte sich das Trauerspiel rund um Medvescak Zagreb in den letzten Monaten nur zu gut für jedermann sichtbar. Die Kroaten ereilte im zweiten Jahr ihrer EBEL-Rückkehr der befürchtete finanzielle Super-GAU: Die Spieler konnten nicht mehr bezahlt werden, sämtliche Legionäre suchten fluchtartig - teilweise zur Liga-Konkurrenz - das Weite, spätestens ab Dezember war die mit Nachwuchs- und Leihspielern zusammengeflickte Truppe nur mehr unwürdiges Kanonenfutter.

Die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs wurde während des Grunddurchgangs von der Liga mit einer Ausnahmegenehmigung hinsichtlich der Tauschvorgänge noch unterstützt, nach den 44 Runden folgte die logische Konsequenz und es war Schicht im Schacht. An der Qualifikationsrunde nimmt Medvescak Zagreb nicht mehr teil.

Die Zagreb-Funktionäre waren es gewohnt zu 'jonglieren' - und diesmal ist etwas zusammengekommen, womit sie nicht mehr umgehen konnten.

Über das Aus von Medvescak Zagreb

Ein Schritt, der jedoch gravierendere Folgen hatte: Entgegen der ersten Annahme bedeutete die Einstellung des Spielbetriebs in der laufenden Saison 2018/19 den Komplett-Ausstieg aus der Liga, wie Feichtinger erinnert: "Wenn ein Spiel nicht bestritten wird, weil keine Mannschaft zustande kommt, oder die Meisterschaft nicht zu Ende bestritten wird, ist das nach unserem Regulativ automatisch mit dem Rückzug aus der Liga verbunden - auch für die nächsten Saisonen."

Im Gegensatz zum HC Znojmo gibt es keine weiteren Gespräche mehr, Medvescak Zagreb wird 2019/20 kein Teilnehmer der Erste Bank Eishockey Liga sein.

Ausweich-Halle als erstes Problem

Dabei waren die Zweifel an der finanziellen Stabilität des Klubs, der mit Altlasten aus dem Mammutprojekt Kontinental Hockey League (KHL) zurückkehrte, von Minute eins des Comebacks gegeben. Feichtinger verteidigt die Wiederaufnahme trotz des Kollaps: "Die erste Comeback-Saison mit Zagreb hat tadellos funktioniert."

2018 sei aber eine "Kette von Umständen" akut geworden, die zum großen Knall führte. Vom ersten Spieltag weg war die Lage prekär, weil Medvescak die ersten Wochen in einer Ausweichhalle im rund 50 Kilometer entfernten Sisak bestreiten musste - der eigene "Dom Sportova" stand kurzfristig nicht zur Verfügung.

"Zagreb war aber immer unser 'Ticket-Seller' in der Liga. Wenn deine Ticket-Einnahmen zu Beginn wegbrechen und dann die Fans nicht kommen, dazu ein bis zwei Sponsoren ihre Zusagen nicht einhalten, geht es blitzschnell", erklärt Feichtinger. Eben diese Sponsoren ließen Ende November aus, das Fiasko nahm seinen Lauf.

Feichtinger muss aber zugeben, dass die Entwicklungen nicht völlig "out of the blue" passiert seien: "Die Zagreb-Funktionäre, die ich grundsätzlich sehr schätze, waren es gewohnt zu 'jonglieren' - und diesmal ist etwas zusammengekommen, womit sie nicht mehr umgehen konnten."

VEU Feldkirch: Der Hoffnungsträger aus dem Ländle

Nicht nur Schatten, auch Licht brachte die Nennfrist: Die offizielle Bewerbung der VEU Feldkirch auf eine Wiederkehr in die höchste Spielklasse, die sich bereits einen Monat zuvor abgezeichnet hatte.

Die bloße Nennung ist kein Garant für die tatsächliche Aufnahme 2019/20, aber beim derzeitigen AlpsHL-Verein - die Mannschaft in dieser Liga soll auch bei einem "Aufstieg" weitergeführt werden - wird das Vorhaben sehr ernst genommen.

Wenn man es will, können die notwendigen Adaptionen bis zum Liga-Beginn 2019/20 geschafft werden

über die Infrastruktur in Feldkirch

Dreh- und Angelpunkt: Ein großzügiger Geldgeber, der die notwendigen Finanzen stemmen soll. Offiziell bekannt ist der Großsponsor nicht, häufig gehandelt wird der Baumaschinen- und Haushaltsgeräte-Hersteller "Liebherr".

Mit diesem Geldgeber, oder konkreter mit der Vorlage der finanziellen Sicherheiten, könnte die Teilnahme in den nächsten Wochen stehen oder fallen. "Die VEU Feldkirch wird in den nächsten Wochen einer Wirtschaftsprüfung unterzogen. Das machen unabhängige Wirtschaftstreuhänder. Es gibt eine Vorgabenliste, der Bericht wird am Ende an das EBEL-Präsidium übergeben und dieses entscheidet, ob und wie es weitergeht", erklärt Feichtinger.

Infrastruktur ist bewältigbar

Schon vor Abgabe der Nennung wurde die Infrastruktur in der Feldkircher Vorarlberghalle, die 6.500 Zuschauer fasst, inspiziert. Und diesbezüglich ist der EBEL-Geschäftsführer optimistisch: "Wenn man es will, können die notwendigen Adaptionen bis zum Liga-Beginn 2019/20 geschafft werden."

Dabei gehe es vor allem um HD-taugliches Licht für TV-Übertragungen, Plattformen und Kamerapositionen sowie Infrastruktur für Gäste-Teams und die Schiedsrichter.

Natürlich würde die EBEL einen Einstieg nicht nur aufgrund der potenziell schwindenden Teilnehmerzahl sehr begrüßen. Auf Nachfrage antwortet Feichtinger mit einem Wort: "Derbies!". Feldkirch und Dornbirn liegen nur eine halbe Autostunde voneinander entfernt.

Wird die EBEL wieder regionaler?

Ein österreichisches Team dazu, dafür zwei internationale Teilnehmer weg: Sollten die Änderungen in Kraft treten, würde die EBEL einen großen Schritt weg von ihrem herausragenden Merkmal als länderübergreifendes Produkt machen.

Für Feichtinger wäre dies aber nur eine "Momentaufnahme": "Die Liga ist ein attraktives Produkt, aber internationale Eishockey-Klubs, die auch mit den Freigaben ihrer jeweiligen Verbände ausgestattet sind, gibt es nicht so viele. Darum sind wir ja auch in Richtung Znojmo auf jeden Fall gesprächsbereit."

EBEL-Geschäftsführer Christian Feichtinger
Foto: © GEPA

Die Frage, ob es mittelfristig weitere Einstiegsinteressenten aus anderen Nationen gäbe, wird von Feichtinger nicht mit konkreten und realistischen Namen bedacht, wohl aber mit einer Anekdote: So hätte es in der Vergangenheit bereits eine Anfrage von den Tilburg Trappers aus den Niederlanden, die aktuell am Spielbetrieb in Deutschland teilnehmen, gegeben.

Hier wurde aber das Kriterium schlagend, dass mögliche Teilnehmer keine logistisch unbewältigbaren Herausforderungen in die EBEL bringen dürften.

Für 2019/20 gilt: Notfalls käme die Liga auch mit zehn Klubs aus, gegebenenfalls ohne Qualifikationsrunde.

Ein Österreicher-Problem

Sollte mit der VEU Feldkirch ein neuntes österreichisches Team mitwirken, bliebe den Teams ein anderes Problem: Die Verfügbarkeit von heimischen Spielern auf EBEL-Niveau, um die es schon jetzt ein "G'riss" gibt. Zumal diese Problematik mit der Anpassung der Punkteregelung weiter verschärft wird.

"Wir haben kein Legionärs-, sondern ein Österreicher-Problem", ist sich auch der EBEL-Geschäftsführer bewusst. Und das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage könnte zu höheren Kosten führen.

"Dass das eine große Herausforderung, vor allem für unsere kleineren Klubs ist, ist keine Diskussion. Darum drehen sich sehr viele Gespräche. Ich denke, dass allen bewusst ist, wie wichtig es ist, dass alle Klubs weiterhin in der EBEL spielen", so Feichtinger.

Damit der Liga in weiterer Zukunft keine weiteren Härtefälle drohen.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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