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Österreich und Australian Open: Nicht immer eine Liebesbeziehung

Österreichs Tennis-Asse konnten in Down Under bereits große Erfolge feiern. Zuletzt sah das jedoch anders aus.

Österreich und Australian Open: Nicht immer eine Liebesbeziehung Foto: © GETTY/GEPA

Das Tennisjahr 2026 beginnt für die Elite des Sports traditionell mit dem ersten Großereignis - den Australian Open.

Bei den Frauen halten in diesem Jahr Julia Grabher und Neo-Österreicherin Anastasia Potapova (Mega-Aufholjagd zum Melbourne-Auftakt>>>) im Hauptbewerb die rot-weiß-roten Fahnen hoch.

Bei den Männern ist Filip Misolic der einzige österreichische Vertreter.

Das sind die Auftaktgegner der Österreicher >>>

Es ist klar: Die ganz großen Ausrufezeichen dürfen wir uns von den ÖTV-Assen in diesem Jahr wohl nicht erwarten. Ein Blick zurück auf Österreichs Australian-Open-Bilanz zeigt allerdings, dass "Down Under" durchaus auch ein guter Boden für rot-weiß-rote Erfolge sein kann.

Während die späten Neunziger und frühen Nullerjahre im österreichischen Frauen-Tennis äußerst erfolgreich verliefen, wurde das Geschehen bei den Männern vor allem von Thomas Muster und Dominic Thiem dominiert.

1 = 1. Runde, 2 = 2. Runde, 3 = 3. Runde, 4 = Achtelfinale, 5 = Viertelfinale, 6 = Halbfinale, 7 = Finale, 8 = Sieg


Für die ersten großen Erfolge in Melbourne sorgte Thomas Muster. Bereits im Jahr 1989 zog der damals 21-jährige Steirer sensationell ins Halbfinale ein. Dort scheiterte er erst an Ivan Lendl in knappen vier Sätzen.

Kurz danach zog sich Österreichs Tennis-Legende seine schwere Knieverletzung zu. Danach lief es für den Leibnitzer in Australien nicht immer nach Wunsch. Erst im Jahr 1997 konnte er seinen Halbfinal-Einzug wieder egalisieren.

Insgesamt gewann Muster in seiner Karriere 44 ATP-Titel und stand sechs Wochen lang an der Spitze der Weltrangliste – eine Zeit, die bis heute als goldene Ära des österreichischen Tennissports gilt.

Auch Alexander Antonitsch erreichte 1993 und 1994 die dritte Runde in Melbourne. Horst Skoff schied zwischen 1989 und 1995 fünf Mal in der ersten Runde aus.

Auf Muster folgt Melzer

Auf Muster folgten mehrere Spieler, denen in Down Under das eine oder andere Ausrufezeichen gelangen. Stefan Koubek erreichte im Jahr 2000 die dritte Runde und schaffte 2002 sogar den Sprung ins Viertelfinale – der Höhepunkt seiner Grand-Slam-Karriere. Auch Julian Knowle stand zu dieser Zeit in der zweiten Runde.

Jürgen Melzer erreichte 2003 mit 21 Jahren erstmals den Hauptbewerb der Australian Open, die seit 1905 ausgetragen werden. Nachdem der heutige Davis-Cup-Kapitän 2005 die dritte Runde erreicht hatte, erzielte er 2011 sein bestes Abschneiden im Einzel: Im Achtelfinale musste er sich erst Andy Murray in drei Sätzen geschlagen geben.

Die Ära Thiem

Allmählich kam es rund um 2015 zur Wachablöse Melzers durch Dominic Thiem, der in den folgenden Jahren die österreichischen Tennisfans einige Male jubeln lassen wird.

Thiem trat 2014 erstmals im Hauptfeld der Australian Open an und überstand dabei gleich die Auftaktrunde.

Sein größter Erfolg gelang ihm 2020: Der damals 26-Jährige schaffte es als erster Österreicher überhaupt bis ins Finale, wo er sich Novak Djokovic erst in fünf Sätzen geschlagen geben musste (4:6, 6:4, 6:2, 3:6, 4:6).

Auf dem Weg dorthin besiegte er unter anderem Rafael Nadal, Alexander Zverev und Taylor Fritz – ein Lauf, der das österreichische Tennisherz höher schlagen ließ.

Mit dem Karriereende des Niederösterreichers 2024 gingen auch allmählich die ganz großen Erfolge des österreichischen Männertennis verloren. Nach seinem Rücktritt auf der Weltbühne des Tennis schaffte es im Jahr darauf kein Spieler in die Hauptrunde des Turniers.

Doppel-Grand-Slam-Champion 2018

Das Doppel kam erst etwas später ins Rollen. In den frühen 2000er‑Jahren etablierte sich eine Reihe starker Doppelspieler, die in Melbourne für erfreuliche Resultate sorgten.

2005 erreichte Jürgen Melzer gemeinsam mit seinem deutschen Partner Alexander Waske das Halbfinale der Australian Open. Oliver Marach zog 2009 an der Seite des Polen Łukasz Kubot ebenfalls ins Doppel-Halbfinale ein.

Der bislang größte österreichische Triumph im Melbourne-Doppel folgte jedoch 2018. Oliver Marach gewann gemeinsam mit dem Kroaten Mate Pavić den Grand-Slam-Titel der Australian Open. Der Steirer war somit der erste österreichische Doppelsieger in Melbourne.

Im Mixed-Doppel erreichte Jürgen Melzer 2009 mit der Slowakin Dominika Cibulková das Viertelfinale. Ein Jahr später gelang Oliver Marach mit der Tschechin Barbora Záhlavová-Strýcová ebenfalls der Einzug in die Runde der letzten acht Paare.

1 = 1. Runde, 2 = 2. Runde, 3 = 3. Runde, 4 = Achtelfinale, 5 = Viertelfinale, 6 = Halbfinale, 7 = Finale, 8 = Sieg


Im Frauenbewerb lief es bei den Australian Open in den letzten zwei Jahrzehnten durchwachsen.

Zwar erlebte das österreichische Frauentennis vor der Jahrtausendwende und auch noch unmittelbar danach eine starke Phase, doch ab 2005 ging die Leistungskurve stetig nach unten. In den vergangenen Jahren fiel es beinahe vollständig in einen Dornröschenschlaf.

Die Goldenen Zeiten der ÖTV-Spielerinnen

In den Neunzigern und frühen Nullerjahren sorgten mehrere Spielerinnen regelmäßig für Ausrufezeichen auf der großen Bühne.

Judith Polz erreichte im Jahr 1987 die dritte Runde. Judith Wieser schaffte als bestes Ergebnis sogar den Einzug ins Achtelfinale, ein Erfolg, der auch Barbara Paulus in den Jahren 1990 und 1995 gelang.

Wenn du möchtest, kann ich es auch sportjournalistischer, neutraler oder lebendiger formulieren.

Barbara Schett war dabei die konstante Fixgröße. Die ehemalige Nummer sieben der Weltrangliste stand vier Mal im Achtelfinale (1996, 1998, 1999, 2000). Noch weiter als in die Runde der letzten 16 kam die Tirolerin jedoch nie. Zwischen 2001 und 2003 schied sie jeweils in der dritten Runde aus, in den beiden darauffolgenden Jahren in Runde zwei.

Doch Schett war nicht die einzige Österreicherin, die in dieser Zeit überzeugte. Barbara Paulus erreichte 1995 ebenfalls das Achtelfinale, ebenso Barbara Schwartz im Jahr 2003.

Es geht bergab

Nach dieser starken Phase folgte ein drastischer Einbruch. Zwischen 2005 und 2013 gelang keiner österreichischen Spielerin der Sprung über die zweite Runde hinaus. Tamira Paszek schaffte 2007 und 2013 jeweils die zweite Runde, blieb sonst jedoch in der ersten Runde hängen.

Erst 2014 sorgte Yvonne Meusburger noch einmal für ein kleines Highlight: Der Einzug in die dritte Runde war angesichts der allgemeinen Entwicklung im österreichischen Damentennis bereits ein respektables Ergebnis.

Ab 2017 wurde die Situation noch schwieriger. Sechs Jahre lang schaffte keine einzige österreichische Spielerin den Sprung in den Hauptbewerb der Australian Open. Erst Julia Grabher durchbrach 2023 und erneut 2025 diese Durststrecke, musste sich jedoch beide Male bereits in der ersten Runde geschlagen geben.

Mixed-Finale und Hochzeit

Barbara Schett sorgte 2001 für das beste österreichische Mixed-Ergebnis bei den Australian Open.

Gemeinsam mit dem Australier Joshua Eagle stand sie im Finale des Mixed-Doppelbewerbs. Zwei Jahre später erreichten die beiden erneut das Achtelfinale. Die sportliche Partnerschaft wurde später auch privat besonders, denn Schett und Eagle heirateten und sind bis heute ein Paar mit Hauptwohnsitz in "Down Under".

Erfolgreich war Schett auch im Damendoppel. Gemeinsam mit der Russin Anna Kurnikowa erreichte sie 2000 das Halbfinale und 2001 das Viertelfinale. Ein weiteres starkes Ergebnis lieferte Patricia Wartusch 2004, als sie an der Seite der Ungarin Petra Mandula das Achtelfinale erreichte.

Nach 2005 flaute die Erfolgsserie jedoch deutlich ab. Über viele Jahre hinweg gelang keiner österreichischen Spielerin im Damen- oder Mixed-Doppel der Sprung über die erste Runde hinaus.

Nur ein einziges Mal erreichte Tamira Paszek 2012 mit der Deutschen Julia Wöhr die zweite Runde im Damendoppel. In den Jahren davor und danach scheiterte Paszek im Mixed früh, etwa 2008 mit dem Brasilianer Marcelo Melo und 2013 mit Alexander Peya jeweils in der ersten Runde.

Wende 2026?

Wie sich Österreichs Spielerinnen und Spieler heuer bei den Australian Open schlagen werden, bleibt abzuwarten. Nach vielen Jahren voller Schwankungen wäre ein neuer Aufschwung im heimischen Tennis jedenfalls sehr willkommen. Potapova hat am Sonntag immerhin schon die zweite Runde erreicht, wo sie auf die ehemalige US-Open-Gewinnerin Emma Raducanu trifft.

Hoffnungsvolle Akteure wie Joel Schwärzler und Lukas Neumayer bei den Männern oder Sinja Kraus und der 17-Jährigen Lilli Tagger, die es bei ihrer Premiere immerhin bis in die dritte Quali-Runde schaffte, sind heuer (noch) nicht im Hauptbewerb vertreten.

Eine rot-weiß-rote Trendwende ist bei den Australian Open 2026 also wohl eher noch nicht zu erwarten. Für die Zukunft sind wir aber zuversichtlich.

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