Enttäuschung mit Ankündigung: Aston Martin am Boden
Fernando Alonso kann einem Leid tun. Seine zweite McLaren-Ära (2015-2018) war geprägt von Pleiten, Pech und Pannen, vor allem was den Motor betrifft. Den betitelte der Doppel-Weltmeister (2005 & 2006) damals als "GP2 Engine" - nun scheint sich die Geschichte zu wiederholen.
Der britische Rennstall ist mit dieser Saison auf Honda-Motoren umgestiegen. Anstatt an die Erfolge mit Red Bull Racing und Max Verstappen anschließen zu können, scheint sich der japanische Motoren-Hersteller jedoch die falsche Ära als Vorbild genommen zu haben.
Bei Aston Martin brennt es an allen Ecken und Enden. Das ist zuletzt sogar so weit eskaliert, dass man beim Saisonauftakt in Australien möglicherweise sogar nur wenige Runden im Rennen fahren kann (Alle Infos >>>).
Der Anfangs-Optimismus nach dem Engagement von Design-Genie Adrian Newey als Teamchef ist mittlerweile verpufft – anstatt auf seinen dritten WM-Titel loszugehen, scheint Alonso wohl einmal mehr am Ende des Feldes festzustecken.
Die Eckdaten:
Gegründet: 2018 (als Racing Point Force India)
Rennen: 161
Bestes Ergebnis Konstrukteurs-WM: Platz 4 (2020)
Bestes Ergebnis Fahrer-WM: Zweimal Platz 4 (2020, 2023)
Letzter Sieg: Bahrain 2020 (Perez)
Motor: Honda RA626H
Chassis: Aston Martin AMR26
Newey übernimmt einen Trümmerhaufen
Während Aston Martin auf der Fahrerseite unverändert mit Fernando Alonso und Lance Stroll in die neue Saison geht, hat es die größten Veränderungen auf der Teamchef-Position gegeben: Da übernimmt Adrian Newey das Ruder. Der bisherige Teamchef, Andy Cowell, bleibt dem Rennstall als Chief Strategy Officer erhalten. Außerdem haben mehrere Ingenieure das Team verlassen.
Bei den Problemen, die der Aston Martin AMR26 hat, scheint es zweitrangig zu sein, dass noch immer Lance Stroll im zweiten Wagen Platz nehmen darf. Der Kanadier ist einmal mehr von Methusalem Alonso in den Schatten gestellt worden. Nachdem Stroll sogar den besseren Saisonstart hingelegt hatte, fuhr der Spanier ab Barcelona fast konstant in die Punkte und holte am Ende 23 Zähler mehr als sein Teamkollege.
Nachdem Papa Stroll jedoch weiterhin das Sagen hat, bleibt Sohnemann Lance der Formel 1 weiterhin erhalten.
Saison | Punkte | Platzierung |
|---|---|---|
2025 | 89 | 7. |
2024 | 94 | 5. |
2023 | 280 | 5. |
2022 | 55 | 7. |
2021 | 77 | 7. |
Nach dem kurzen Zwischenhoch mit acht Podestplätzen in der Saison 2023 ist man wieder am Boden der Tatsachen angelangt. 2024 verlor man schließlich wieder den Anschluss an die Top-Teams, auch wenn man noch die fünftschnellste Kraft gewesen ist.
Doch das Team entwickelte sich nicht weiter, holte vergangenes Jahr zwar mit 89 Punkten nur um fünf weniger als in der Saison zuvor, fiel damit jedoch auf den siebten Konstrukteurs-Platz hinter Williams und den Racing Bulls zurück.
Hoffnungen liegen auf der Aerodynamik
Der Motor ist die große Schwachstelle beim neuen Boliden. Die Hoffnungen liegen daher einmal mehr auf der Aerodynamik.
Newey hat sich für die neue Wagen-Generation einiges einfallen lassen. Die Gestaltung der Endplatten und Sidepods sieht ungewöhnlich, aber aggressiv aus. Zudem präsentiert sich der AMR26 mit einem stark geneigtem oberen Querlenker bei der Vorderradaufhängung. Williams-Teamchef James Vowles ist beeindruckt, "was er mit den Querlenkern an Stellen gemacht hat, an denen ich sie nicht erwartet hätte."
Doch das Fiasko nahm bereits im vergangenen Jahr Fahrt auf: Wie Newey erst kürzlich berichtet hat, ist man nämlich vier Monate in Verzug. Der neue Windkanal ist erst seit April 2025 insatzbereit – zudem ist der neue Teamchef damals selbst erst einen Monat zuvor zum Team gestoßen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Konkurrenz bereits monatelang am Boliden für 2026 getüftelt.
Super-GAU bei Testfahrten
Den finalen Nackenschlag hat es dann bei den Testfahrten gesetzt. Während das Auto erst auf den letzten Drücker fertig geworden ist, hat man beim Shakedown in Barcelona (mit Ausnahme von Williams) mit 65 Runden die wenigsten aller Teams gedreht.
In Bahrain ist man anschließend vom Honda-Motor ausgebremst worden. Negativer Höhepunkt war der letzte Testtag in Woche zwei, wo Stroll nur sechs Runden absolviert hat. Aufgrund der Motoren-Probleme fehlte es an Teilen, zudem hatten Vibrationen zu einem Schaden an der Batterie geführt.
Generell war es eine Vorbereitung zum Vergessen: Bereits in der ersten Woche hat man mit 1.115 Kilometern mit Abstand am wenigsten Distanz abgespult – viel besser ist die zweite Woche dann ebenfalls nicht verlaufen.
Prognose
Alonso und Honda werden wohl kein Traumpaar mehr werden. Nachdem die erste "Ehe" mit dem japanischen Motorenhersteller bei McLaren bereits unschön zu Ende gegangen ist, scheint auch die zweite unter keinem guten Stern zu stehen.
Während Honda Max Verstappen zu nicht weniger als vier WM-Titeln in Folge verholfen hat, scheint man mit der neuen Regelrevolution einmal mehr Probleme zu haben.
Der Motor ist weder leistungsstark noch standfest - einmal mehr muss Alonso mit einem "GP2 Engine" vorlieb nehmen. Neben dem dritten WM-Titel ist wahrscheinlich auch der 33. Grand-Prix-Sieg außer Reichweite.
Was macht Debütant Cadillac?
Nicht nur die Titelkämpfer erregen in diesem Jahr in der Formel 1 viel Aufmerksamkeit. Auch der Neuling im Feld, das Cadillac F1 Team, wird spannend beäugt.
Das auf Andretti-Infrastruktur aufgebaute Team von General Motors feiert in dieser Saison sein Debüt in der Formel 1. Noch setzt der US-amerikanische Rennstall auf eine Antriebseinheit von Ferrari, möchte aber in schon wenigen Jahren mit eigenem Motor an den Start gehen.
Mit Valtteri Bottas und Sergio Perez hat man sich ein sehr routiniertes Fahrerduo geangelt und geht keine Experimente ein. Beide haben schon etliche Rennen in der Formel 1 absolviert und sollen ihre Erfahrung nutzen, um die Entwicklung des neuen Teams positiv zu beeinflussen.
Die Eckdaten:
Gegründet: 2023 (Einstieg 2026)
Rennen: 0
Bestes Ergebnis Konstrukteurs-WM: keine
Bestes Ergebnis Fahrer-WM: keine
Letzter Sieg: keiner
Motor: Ferrari 067/6
Chassis: Cadillac MAC-26
Erfahrung pur
Über 500 Grand-Prix-Starts bringt die Fahrerpaarung Valtteri Bottas/Sergio Perez mit zu Cadillac. Beide haben etliche Jahre in der Formel 1 absolviert und dadurch so einige Entwicklungsprozesse miterlebt. Viel Input also, der für den Neueinsteiger bestimmt nicht zum Nachteil wird. Mit Zhou Guanyu bekleidet ein Ex-Formel-1-Pilot die Rolle des Ersatzfahrers.
Teamchef Graeme Lowdon kennt sich auf der Führungsebene bereits aus, so war er verantwortlich für die einstigen Rennställe Virgin (2010-2011) sowie Marussia (2012-2015).
Nick Chester, der bereits bei Renault als technischer Direktor fungierte, übernahm diese Rolle nun bei Cadillac. Mit John McQuilliam als Chefdesigner holte man sich einen weiteren erfahrenen Mann ins Boot. So stand der Brite etwa im Dienste von Williams, Arrows, Jordan oder Marussia.
Perez: "Balance fühlt sich gut an"
Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr gibt es ohne Vorgänger natürlich nicht, weshalb wir gleich auf die bisherigen Daten des Cadillac MAC-26 blicken.
Von einem Neuling kann man sich freilich nicht erwarten, dass dieser allen anderen um die Ohren fährt. Basierend auf den reinen Ergebnissen fällt die Bilanz dennoch eher ernüchternd aus: Wenige Kilometer, viele Probleme und langsame Zeiten. Es hätte durchaus besser laufen können.
Davon beunruhigen lässt man sich beim US-amerikanischen Rennstall aber nicht, so fühle sich Checo Perez zufolge die Balance des Boliden gut an. Lediglich am Abtrieb seien Mängel festzustellen - und das ist ein Problem, das man definitiv in den Griff kriegen kann.
Man müsse erst lernen, ein Auto zu entwickeln, heißt es. Sich in der Königsklasse des Motorsports einzufinden, lautet die Devise. Mit baldigen Erfolgserlebnissen ist zumindest bilanziell gesehen nicht zu rechnen.
Prognose:
Cadillac wird sich also - Stand jetzt - wohl oder übel den Kampf um die Rote Laterne mit Aston Martin liefern, was als Neuankömmling nicht verwerflich ist.
Schenkt man den Aussagen der Verantwortlichen Glauben, dann dürfte man im Verlauf der nächsten Wochen und Monate aber am Papier vielleicht kleine, für das Team selbst aber sehr bedeutsame Fortschritte bemerken.