Alpine F1 Team: Neustart ohne Renault?
Fast 50 Jahre war der eigene Motor Teil der DNA von Renault. Damit ist nun Schluss. 1977 ging der französische Rennstall erstmals mit einem selbst entwickelten Turbo-Antrieb an den Start - 2026 beginnt eine neue Ära.
Alpine verabschiedet sich vom Werksmotor und setzt künftig auf Power von außen. Mit der Antriebseinheit von Mercedes soll es endlich wieder nach vorne gehen.
Ein radikaler Schritt. Und einer, der keine Ausreden mehr zulässt.
Die Eckdaten
Gründung: 1977
Rennen: 473
Konstrukteurstitel: 2 (zuletzt 2006)
Fahrertitel: 2 (zuletzt 2006)
Letzter Sieg: Ungarn 2021 (Esteban Ocon)
Motor 2026: Mercedes-AMG F1 M17 E Performance
Chassis: Alpine A526
Konstanz im Cockpit – Gerüchte um Horner
Wie im Vorjahr setzt Alpine auf Kontinuität: Pierre Gasly und Franco Colapinto bilden erneut das Fahrerduo.
Gasly bringt mittlerweile die Erfahrung eines klaren Teamleaders mit. Was ihm bislang fehlt, ist die Konstanz, um dauerhaft an der Spitze des Mittelfelds – oder gar darüber hinaus – zu operieren. Zu oft wechselten starke Wochenenden mit unerklärlichen Leistungsschwankungen.
Colapinto geht in seine erste komplette Saison als Stammpilot. Talent und Rohspeed ließ der Argentinier bereits aufblitzen, Zählbares sprang in einem unterlegenen Auto jedoch noch nicht heraus. 2026 wird zum echten Gradmesser.
An der Teamspitze führt Steve Nielsen die operativen Geschäfte, während Flavio Briatore als Berater wieder maßgeblichen Einfluss ausübt. Im technischen Bereich verantworten David Sanchez und Simon Virrill den strukturellen Neuaufbau.
Für zusätzliche Unruhe sorgen Gerüchte, wonach sich Christian Horner mittelfristig einkaufen könnte.
Saison | Punkte | Platzierung |
|---|---|---|
2025 | 22 | 10. |
2024 | 65 | 6. |
2023 | 120 | 6. |
2022 | 173 | 4. |
2021 | 155 | 5. |
2022 noch Vierter in der Konstrukteurs-WM, rutschte Alpine in der Folge immer weiter ab. 2025 folgte mit nur 22 Punkten und Rang zehn der sportliche Tiefpunkt. Der Trend ist eindeutig und alarmierend.
Neues Glück mit Mercedes?
Mit dem Wechsel zum Mercedes-Antrieb beginnt nun eine neue Ära. Sportlich ist der Schritt nachvollziehbar, emotional bedeutet er einen Bruch mit der eigenen Geschichte.
Mit dem neuen Motor kommen klare Erwartungen. Wenn man künftig über fehlende Performance klagt, kann man nicht mehr auf die Power Unit verweisen. Die Benchmark sitzt im selben Stall wie bei Mercedes-Kundenteams – Vergleichbarkeit ist garantiert.
Zusätzlich verändert das Reglement 2026 die Aerodynamik grundlegend. Das klassische DRS verschwindet, aktive Front- und Heckflügel übernehmen.
Während die meisten Teams optisch am bekannten Öffnungsprinzip festhalten, geht Alpine einen anderen Weg: Statt eines sich öffnenden Spalts klappt der Heckflügel im Geradeaus-Modus zusammen. Ein komplexes, auffälliges Konzept, das im Fahrerlager für Gesprächsstoff sorgte. Auch Audi soll ein ähnliches System verfolgen – jedoch weniger aufwendig.
Ein innovativer Ansatz. Ob er den entscheidenden Performance-Sprung bringt, bleibt abzuwarten.
So liefen die Testfahrten
Alpine hinterließ einen soliden Eindruck. Vor allem in Bahrain wirkte das Gesamtpaket stimmig – besonders im Longrun zeigte sich das Auto konstant und berechenbar. Mit dem Mercedes-Antrieb scheint die Performance-Basis stabiler als im Vorjahr.
Im eng gestaffelten Mittelfeld deutete vieles darauf hin, dass Alpine eher vorne als hinten anzusiedeln ist. Explosiv wirkte das Auto nicht – aber deutlich kontrollierter als noch 2025.
Prognose
Mit dem Mercedes-Motor, einem radikalen Aero-Ansatz und einer erfahrenen Führungsstruktur gibt es 2026 keine Schonfrist mehr. Alpine muss liefern.
Die Tests machen Hoffnung, dass man das Mittelfeld anführen kann. Realistisch erscheint ein Kampf um Rang fünf oder sechs in der Konstrukteurswertung.
Scheitert das Aero-Konzept oder fehlt erneut die Konstanz, droht jedoch ein weiteres Jahr im Niemandsland. Der Neustart ist vollzogen. Jetzt zählt nicht mehr die Geschichte – sondern die Gegenwart.
Der schlafende Riese ist erwacht – geht der Aufwärtstrend weiter?
Die Saison 2025 sollte eine der erfolgreichsten für Williams seit einer gefühlten Ewigkeit sein.
Erstmals seit 2017 ist man wieder über eine volle Renndistanz aufs Podium gefahren (Russell wurde beim nach einer Runde abgebrochenen Rennen in Spa 2021 Zweiter). Platz fünf in der Konstrukteurs-Wertung ist der Beweis für die kontinuierliche Steigerung seit James Vowles das Ruder als Teamchef übernommen hat.
Unter dem britischen Teamchef ist der schlafende Riese wieder erwacht. Setzt sich nun der Aufwärtstrend beim Traditionsrennstall fort?
Die Eckdaten
Gründung: 1977
Rennen: 850
Konstrukteurstitel: 9 (zuletzt 1997)
Fahrertitel: 7 (zuletzt 1997)
Letzter Sieg: Spanien 2012 (Maldonado)
Motor: Mercedes-AMG F1 M17 E Performance
Chassis: Williams FW48
Solide Fahrerpaarung als Basis
Die Fahrer bereiten dem Team am wenigsten Sorgen. Wie schon im Vorjahr sitzen auch heuer wieder Alexander Albon und Carlos Sainz in den Boliden.
Da hat man sich zum wiedererstarkten Thai-Briten den arrivierten Ex-Ferrari-Fahrer geholt. Sainz dankte es der Führungsriege mit drei Podestplätzen (Baku und Katar sowie Austin-Sprint) – zudem auch ein kleiner Fingerzeig Richtung Scuderia, wo sein Ersatz Hamilton kein Podium eingefahren hat.
Mit dem Duo hat man zwei solide und vor allem konstante Fahrer in seinen Reihen. Etwas, das man zuvor jahrelang nicht gehabt hat.
Teamchef James Vowles führt das Team an, für die technischen Angelegenheiten ist Pat Fry zuständig.
Saison | Punkte | Platzierung |
|---|---|---|
2025 | 137 | 5. |
2024 | 17 | 9. |
2023 | 28 | 7. |
2022 | 8 | 10. |
2021 | 23 | 8. |
Nachdem Williams Ende der 2010er-Jahre in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist, hat Vowles dem Team neues Leben eingehaucht.
In den Jahren 2023 und 2024 ist nicht alles nach Wunsch gelaufen, spätestens seit vergangener Saison hat man aber endlich den Sprung ins vordere Mittelfeld geschafft.
Williams hat mit Übergewicht zu kämpfen
Man sollte meinen, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison sollten bei Williams gegeben sein: Nach dem vergangenen Jahr mit Platz fünf hat man für das neue Regelwerk den mutmaßlich besten Motor – und dennoch sieht es nicht allzu rosig vor Saisonstart aus.
Nachdem man sich bei den Testfahrten bereits nicht mit Ruhm bekleckert hat, deutet wohl alles darauf hin, dass das Team einen Rückschritt hinnehmen muss.
Zu allem Überfluss ist das Team auch noch durch den Crashtest (Nase) gerasselt - weshalb man anschließend sogar den Shakedown in Barcelona auslassen musste.
Williams hat aber noch mit ganz anderen Dingen zu kämpfen: Der FW48 soll mit Übergewicht zu kämpfen haben – im Fahrerlager kursieren Angaben von 20 bis 30 Kilogramm. Zwar haben auch die meisten anderen Teams damit zu kämpfen, gerade zu Saisonstart scheint das Problem aber besonders Williams zu treffen.
So liefen die Testfahrten
Die Testfahrten verliefen für Williams alles andere als nach Plan. Der Traditionsrennstall hat den Shakedown in Barcelona als einziges Team komplett auslassen müssen – selbst Aston Martin hat es noch irgendwie nach Montmelo geschafft. Die Teile für den FW48 sind nicht rechtzeitig fertig geworden.
Zu den offiziellen Tests in Bahrain war das Auto schlussendlich fahrbereit. Brillieren konnte man da jedoch ebenfalls nicht.
Anstatt seinen Status als "Best of the Rest" zu festigen, scheint Williams einmal mehr einen Rückschritt gemacht zu haben.
Von den Rundenzeiten her dürften nur Neuling Cadillac und Aston Martin hinter dem ehemaligen Weltmeister-Team liegen. Und das trotz des wohl dominierenden Mercedes-Motors im Heck.
Immerhin sind bei Williams als einziges Team keine Defekte aufgetreten – mit 4.275 km Laufleistung positioniert man sich wie bei den Rundenzeiten eher am Ende des Klassements.
Prognose
Die Hoffnungen nach Platz fünf im Vorjahr endlich wieder ein Spitzenteam in der Formel 1 zu werden, sind wohl bereits verflogen. Das Nicht-Antreten in Barcelona, die insgesamt wenigen Test-Runden und das Übergewicht machen Williams zu schaffen.
Statt einen Angriff auf die vorderen Ränge zu unternehmen, wird man beim ehemaligen Weltmeister-Team wohl doch wieder kleiner Brötchen backen müssen.
Ob das über die Saison hinaus der Fall ist, steht in den Sternen. Dass Williams gerade jetzt zu Saisonstart aber eher weiter hinten als vorne zu finden sein wird, scheint wohl Gewissheit zu sein.