Super League: Was war und wie geht es weiter?

Super League: Was war und wie geht es weiter? Foto: © getty
 

Die Ankündigung von zwölf europäischen Top-Klubs, eine Super League als geschlossene Gesellschaft zu gründen, sorgte am Montag für heftige Reaktionen.

Von anderen Klubs, den Verbänden, Ex-Spielern und auch aus der Politik gab es heftigen Gegenwind, bislang blieb das Dutzend Vereine standhaft und hält weiter an den Plänen fest.

Doch was bedeutet die Ankündigung konkret? Welche Auswirkungen kann die Formation der Super League haben? Und was bringt die Zukunft? LAOLA1 mit einer Einordnung.

Der neue Status Quo

Mit Milan, Juventus, Inter, Atletico Madrid, Barcelona, Real Madrid, Arsenal, Chelsea, Manchester City, Manchester United, Liverpool und Tottenham stehen die ersten zwölf Gründungsmitglieder der Super League fest.

Drei weitere sollen noch dazukommen, spekuliert wird mit dem FC Bayern, Borussia Dortmund und Paris Saint-Germain. Die deutschen Vertreter agieren auf einer Linie, wie BVB-Boss Hans-Joachim Watzke am Montag ankündigte. Ein Einstieg dieser beiden Klubs scheint unwahrscheinlich.

PSG war an den finalen Gesprächen der Super-League-Teams nicht beteiligt, Präsident Nasser Al-Khelaifi ist ebenso wie Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge für die nächsten drei Jahre ECA-Repräsentant im UEFA-Exekutivkomitee. Laut dem "Spiegel" würden den Bayern, dem BVB und PSG Einladungen in die Super League vorliegen.

Wer sind mögliche Kandidaten?

Möglich ist, dass ein oder mehrere der genannten Vereine die Einladungen ablehnen. Dann stünde die Super League vor einem Problem. Die 12 Gründungsmitglieder wollen sich um drei weitere Klubs vergrößern, die restlichen fünf Plätze in der Super League würden an "Qualifikanten" gehen.

So müsste die Super League entweder ihren Modus ändern oder sich nach geeigneten Kandidaten anderwertig umhören.

Vom FC Porto gab es am Montag schon relativ schnell eine öffentliche Absage an die Super-League-Pläne. Auch von Benfica gab es bereits Kritik an der geschlossenen Gesellschaft.

So wäre auch ein Platz für Celtic Glasgow, vor allem mit Blick auf Tradition und Fan-Basis, denkbar. Undenkbar erscheint aus heutiger Sicht aber, die Opferung des "Old Firm"-Derbys mit den Rangers, das Fans in den Jahren nach dem Rangers-Konkurs so schmerzlich vermisst haben. Möglich wäre also wohl nur ein gemeinsamer Sprung von Celtic und Rangers in die Super League.

Dies scheint aber unwahrscheinlich zu sein, der scheidende Celtic-Boss Peter Lawwell war Teil des Sonder-Calls der ECA am Sonntag und ist gegen die Pläne der Super-League-Klubs. Sollten Celtic und die Rangers tatsächlich den Sprung in die Super League wagen, wäre dies das Ende des schottischen Spitzenfußballs.

Ajax wäre ebenfalls ein logischer Kandidat für die Super League. Der Champions-League-Semifinalist der Saison 2018/19 brachte am Montag aber bereits seinen Unmut über die Pläne zum Ausdruck. "Ajax ist von der Ankündigung einer möglichen Super League komplett überrascht und enttäuscht", liest ein Statement von Ajax-CEO Edwin van der Sar vom Montag.

Laut russischen Medienberichten soll Zenit St. Petersburg als weiteres Gründungsmitglied im Gespräch gewesen sein. Doch Russlands Top-Klub gehört Gazprom, einem Sponsor der Champions League, was ein Engagement unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Heftige Ablehnung von Everton

Premier-League-Klub Everton spricht sich in einen Statement ebenfalls gegen die Super League aus und kann die heftigen Reaktionen gegenüber den teilnehmenden Klubs nachvollziehen. "Die heftigen negativen Reaktionen sind verständlich und verdient, sie müssen gehört werden. Diese absurde Arroganz wird, außerhalb der Klubs, die diese Vorschläge ausgearbeitet haben, nirgendwo gewollt", so die Aussendung von Everton, die "Toffees" verlangen die Rücknahme der Pläne. Everton-Besitzer Farhad Moshiri verlangt außerdem Punkteabzüge für die abtrünnigen Premier-League-Vereine.

Nachdem sich unter anderem auch Borussia Mönchengladbach, Hoffenheim, Bremen, Stuttgart und RB Leipzig bereits gegen die Super League positioniert haben, wird es wohl keinen deutschen Teilnehmer geben. Ob auch Schalke 04 in Gespräche um die Super League involviert war, ist nicht überliefert – sportlicher Erfolg scheint ja durch die Inklusion von Arsenal und Tottenham kein Kriterium für eine Teilnahme zu sein.

Ob eine Expansion in andere Erdteile möglich ist, wird die Zukunft zeigen. Abgeneigt können die Klubs, die zum Teil von US-amerikanischen Besitzern kontrolliert werden, im Sinne der Gewinnmaximierung aber nicht sein.

Was machen die Spieler?

Die Super League verspricht auf der eigenen Website "Die besten Klubs. Die besten Spieler. Jede Woche". Die kommenden Wochen und Monate werden dabei interessant sein. Werden Spieler wie Jack Grealish, dem seit Jahren ein Wechsel von Aston Villa zu einem "Top-Sechs-Klub" Englands nachgesagt wird, wegen der Super-League-Pläne ihre Transfers überdenken?

Was macht ÖFB-Legionär David Alaba nun, der bei mehreren nunmehrigen Super-League-Vertreten heiß begehrt ist? Wird er trotzdem den Schritt, beispielsweise zu Real Madrid wagen, obwohl die nähere Zukunft höchst ungewiss ist?

Wie verhält es sich mit Vertragsverlängerungen? Werden Spieler Super-League-Klubs auch im Hinblick auf UEFA- und FIFA-Sanktionen verlassen? Mit den Akteuren auf dem Platz steht und fällt das ganze Projekt.

Einige dieser "besten Spieler" sind nicht sonderlich begeistert vom Vorstoß der Super-League-Klubs. "Träume können nicht gekauft werden", schreibt Manchester-United-Star Bruno Fernandes als Antwort auf einen Instagram-Post von Wolves-Flügelspieler Daniel Podence. Dieser schrieb im Bezug auf die Champions League: "Der Ball. Die Hymne. Der Traum. Zidanes Volley. Kakas Solo. Liverpool in Athen. Ole in Barcelona. Cris und Seedorf. Es gibt einige Sachen, die man nicht kaufen kann".

Kritik und Stille

PSG-Mittelfeldspieler Ander Herrera zeigte sich am Montag auf Twitter ebenfalls kritisch. "Ich liebe den Fußball und kann nicht länger leise bleiben. Ich glaube an eine verbesserte Champions League, aber nicht daran, dass die Reichen stehlen, was die Armen erfunden haben, nichts anderes als das schönste Spiel des Planeten.

Liverpool-Trainer Jürgen Klopp musste sich in einem TV-Interview zum Thema sichtlich zurückhalten. Seine Bosse rechtfertigten sich bis heute nicht für ihr Vorgehen, der Deutsche wurde vom Vorstoß der Klubs überrumpelt. Laut "The Athletic" soll Klopp wütend über die Teilnahme Liverpools sein, auch der Zeitpunkt der Ankündigung vor dem Spiel gegen Leeds ärgere den Deutschen.

Liverpools Vize-Kapitän James Milner wurde nach dem 1:1-Remis gegen Leeds United deutlicher. "Ich persönlich mag es nicht und hoffentlich wird es nicht passieren", sagte Milner am Montag.

Von Weltstars wie Cristiano Ronaldo gab es noch keine Reaktionen, dabei sind gerade Spieler dieser Größenordnung am meisten betroffen. Laut UEFA und FIFA sollen an der Super League teilnehmende Spieler nicht an Großereignissen teilnehmen dürfen. Speziell für Ronaldo und Messi, die bei Weltmeisterschaften als unvollendete Spieler gelten, wäre das eine ziemlich schmerzhafte Konsequenz.

Das Ende der Nationalmannschaften?

Sollten Spieler, die an der Super League teilnehmen, tatsächlich von Großereignissen ausgeschlossen werden, würde das die kommenden Welt- und Europameisterschaften von Grund auf verändern, das Gewicht auf Nationalmannschafts-Ebene würde sich drastisch verschieben.

Während die Besitzer der abtrünnigen Teams nicht sonderlich traurig über den Umstand wären, dass die Nationalspieler nicht mehr abgestellt werden müssten, trifft das den einen oder anderen Spieler möglicherweise härter.

Laut Informationen "The Athletic" sollen einige Premier-League-Spieler bereits mit ihren Agenten bezüglich Nationalmannschaftsteilnahmen in Kontakt gewesen sein. Womöglich setzen sich die Premier-League-Klubs, die an der Super League teilnehmen wollen, damit sogar in ein weiteres Wespennest.

Klausel 6.1.1 eines herkömmlichen Vertrags eines Premier-League-Kickers regelt die Verpflichtungen der Vereine gegenüber den Spielern. Ein Passus besagt, dass Klubs keine Schritte unternehmen dürfen, um ihre Spieler daran zu hindern, für das Nationalteam aufzulaufen. Eine Super-League-Teilnahme mit einhergehenden Sanktionen von FIFA und den Kontinentalverbänden würde dem wohl widersprechen.

Ebenfalls müssen sich die Vereine laut der zitierten Klausel im Regelwerk von FIFA, UEFA, FA und Liga bewegen, was dann nicht mehr der Fall wäre. Theoretisch beginge jeder Premier-League-Verein, der die Super League vorzieht, Vertragsbruch. Wären diese Spieler dann ablösefrei für andere Vereine zu haben?

Wer steckt hinter der Super League?

Federführend hinter der Super League sind Juventus-Boss Andrea Agnelli, Manchester Uniteds Joel Glazer, Liverpool-Besitzer John Henry und Arsenal-Eigner Stan Kroenke, die allesamt Vize-Vorsitzende der geschlossenen Gesellschaft sind.

Der Ober-Capo sitzt in Madrid und heißt Florentino Perez. Der Real-Präsident wurde zum Vorstandsvorsitzenden der Super League ernannt. Laut dem Real-Boss, der die finanzielle Situation der Klubs als "sehr dramatisch" bezeichnet, ist die Super League die Rettung des Fußballs.

"Wenn gesagt wird: Das sind die Reichen - nein. Ich bin nicht der Eigentümer von Real Madrid, Real Madrid ist ein Mitgliederverein. Alles, was ich tue, ist zum Wohl des Fußballs", sagt Perez in einem Fernseh-Interview am Dienstag.

Perez’ Ansicht nach sind die "Reichen" also scheinbar die Besitzer der Vereine. Da hat sich mit Stan Kroenke, Joel Glazer und John Henry das "Who's who" aus dem US-Profi-Sport versammelt.

Hinter Inter Mailand steckt der chinesische Suning-Konzern, der sich selbst in finanziellen Problemen befindet. Diese sind so gravierend, dass der chinesische Verein Jiangsu Suning, der im Besitz des Unternehmens war, als amtierender Meister seine Pforten schließen musste. Stadtrivale AC Milan gehört zu 99,93 Prozent dem Hedgefond "Elliott Management Corporation".

Einer der Financiers des Projekts wird die US-Bank JP Morgan, die eine gewichtige Rolle in der Bankenkrise zum Anfang des aktuellen Jahrtausends spielte.

Nur die Rettung der zum Teil finanziell maroden Vereine, die für ihren eigenen Zustand zum Großteil selbst verantwortlich sind, vorne anzuschieben, erscheint unter diesen Gesichtspunkten als weit hergeholt.

Was plant die Super League noch?

Die Super-League-Vereine lassen sich jedenfalls trotz der breiten öffentlichen Ablehnung nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Neben ihren Spielen im neuformierten Bewerb wollen die Teams auch noch weiterhin an ihren nationalen Ligen teilnehmen, was zum aktuellen Zeitpunkt unmöglich erscheint.

Laut einem unveröffentlichen Dokument, das der "Guardian" im Quellcode der Super-League-Website entdeckt hat, gibt es vier "leitende Prinzipien":

Einerseits möchte man Fan-Erwartungen übertreffen. "Unser Ziel ist es, Fans den besten Fußball wie möglich zu liefern, während Zugang für Qualifikanten geschaffen wird, um dem Bewerb Lebendigkeit zu verpassen und ein starkes Zeichen für sportlichen Verdienst zu setzen", steht im Dokument.

Als weiteres "Leitprinzip" wird Solidarität und Nachhaltigkeit festgehalten. So soll es "leistbare Ticketpreise" und ein Investment in die Fußball-Pyramide mittels Solidaritätszahlungen geben. Diese sollen dreimal höher sein, als die der aktuellen europäischen Bewerbe.

Bruch mit IFAB?

Bindung an die nationalen Ligen wird ebenfalls beschwört. "Die neue Super League wurde rund um das Prinzip von starken und lebendigen lokalen Ligen gegründet, und wir werden weiterhin jedes Wochenende an unseren nationalen Bewerben teilnehmen, wie wir es immer getan haben", so das Dokument. Unter der Woche haben die Super-League-Vereine wohl Besseres zu tun.

Bereitschaft für Wandel soll ebenfalls ein "leitendes Prinzip" sein. So sollen die Besitzer und die Organisationsstrukturen darauf ausgelegt sein, neue Ideen schnell für die Bewerbe umzusetzen. Eine dieser Ideen soll Technologie-unterstützte Implementierung von Regeln sein. Die Super League möchte nicht mehr von "externen Organisationen abhängig sein, um Fortschritt in diesen Bereichen zu erzielen", so das Dokument. Damit wird auch ein Bruch mit den Regelhütern vom Internatioal Football Association Board suggeriert.

Die Super League hat die Echtheit des Schriftstücks gegenüber dem "Guardian" zwar nicht bestätigt, nach Veröffentlichung wurde der entsprechende Teil des Quellcodes der Webseite aber versteckt.

Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. In Österreich ist dieser Spruch zwar auch als Pointe schon abgedroschen, im Bezug auf die Super League ist er aber uneingeschränkt gültig.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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