Ebenbauer und Windtner gegen Super-League-Pläne

Ebenbauer und Windtner gegen Super-League-Pläne Foto: © GEPA
 

Die Pläne von 12 Top-Klubs aus Italien, England und Spanien, eine Super League zu gründen, stoßen auch in Österreich auf Ablehnung.

Rapids Geschäftsführer Wirtschaft Christoph Peschek schreibt von einer "Money League" (Alle Infos >>>), bei Red Bull Salzburg beklagt man die "Gier" der teilnehmenden Vereine (Alle Infos >>>).

Nun melden sich mit Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer und ÖFB-Präsident Leo Windtner auch die beiden wichtigsten Fußball-Funktionäre Österreichs zu Wort, die ebenfalls kein gutes Haar an den Plänen lassen.

"Die Masken wurden fallengelassen", sagt Ebenbauer der APA über die zur Schau gestellte Gier der Super-League-Gründungsmitglieder. Windtner sieht in erster Linie die UEFA am Zug. "Jetzt geht es wirklich ans Eingemachte, jetzt muss die UEFA ganz klar Flagge zeigen. Es droht der Super-GAU", so der ÖFB-Präsident, ebenfalls gegenüber der APA.

Zeitpunkt für Ebenbauer überraschend

Überraschend war für den Liga-Chef vor allem der Zeitpunkt, an dem das Super-League-Vorhaben veröffentlicht wurde - nämlich wenige Stunden vor der Absegnung einer ohnehin schon schwer umstrittenen Champions-League-Reform, an der einige jener Personen mitwirkten, die plötzlich auf die Super-League-Seite umschwenkten.

"Schon diese Reform hat einiges an Zündstoff. Aber die Super League geht noch um einiges weiter, sie widerspricht sämtlichen im europäischen Sport gültigen Grundsätzen", meinte Ebenbauer mit Hinweis auf die Super League als gleichsam "geschlossene Gesellschaft" ohne wirklichen Auf- und Abstieg.

Ebenbauer hat aber große Zweifel daran, ob die neue europäische Eliteklasse auch wirklich kommen wird. Was den sportlichen Wert betrifft, fühlt sich der Liga-Vorstand nach eigenen Angaben an die "Harlem Globetrotters" oder einen Showbewerb erinnert.

Zudem sinken die Imagewerte der betreffenden Vereine in den Keller. "Der Schaden, den sich diese weltweit bekannten Marken innerhalb eines Tages zugefügt haben, ist enorm. Ich weiß nicht, ob sie das durchhalten."

Auch Ebenbauer setzt auf FIFA und UEFA

Viel werde nun von der weiteren Vorgehensweise von UEFA und FIFA abhängen. "Jetzt müssen alle Flagge zeigen. Entweder gibt es eine sofortige Rücknahme der Super-League-Ankündigung, oder die Dachverbände und hoffentlich auch die Ligen werden rechtliche Schritte ergreifen", sagte Ebenbauer.

Ein heimischer Club wird wohl nie in die Gefahr geraten, der Millionen-Versuchung der Super League zu erliegen. "Es ist nicht davon auszugehen, dass ein österreichischer Club eingeladen wird. Aktuell schütteln unsere Vereine aber darüber sowieso nur den Kopf", betonte Ebenbauer.

Keine Chance mehr für ÖFB-Klubs

ÖFB-Präsident Leo Windtner, der sich derzeit wegen des UEFA-Kongresses in Montreux binfindet, meint: "Es besteht die Gefahr, dass Fußball-Europa auseinanderbrechen könnte und die vielgerühmte Solidarität geopfert wird. Das würde gerade für kleinere Nationen wie Österreich einen historischen Rückschlag bedeuten. Unsere Klubs hätten nie wieder die Chance, die obersten Sphären zu erklimmen."

Doch nicht nur die heimischen Vereine, auch das heimische Nationalteam könnte Verlierer der Super League sein.

Zum einen, weil bei den betreffenden Topclubs engagierte Spieler möglicherweise nicht in ihren Landesauswahlen eingesetzt werden dürfen, zum anderen, weil es generell einen Bedeutungsverlust für Nationalmannschaften geben würde, sollten die weltbesten Kicker nicht mehr im Team spielen.

Einen ersten Vorgeschmack könnte es schon bei der EM ab Juni geben. Setzt die UEFA ihre Drohung um, würde etwa Cristiano Ronaldo (Juventus) fehlen. "Aber man muss alles tun, um eine EM ohne Stars zu vermeiden. Die UEFA hat sicher Mittel, um einen entsprechenden Gegendruck aufzubauen", sagte Windtner.

Lazaro nicht bei EURO?

Nach derzeitigem Stand wäre nur ein Österreicher ab Sommer bei einem Super-League-Klub engagiert - Valentino Lazaro ist bis Saisonende von Inter Mailand an Borussia Mönchengladbach verliehen.

Während viele andere EM-Teilnehmer also im Extremfall ihre Schlüsselspieler verlieren, würde sich der Aderlass im ÖFB-Team in engen Grenzen halten. "Es ist richtig, dass es ein Vorteil für uns sein könnte. Aber wenn jetzt alle mit egozentrischen Szenarien starten, bricht dieses homogene Gefüge endgültig total auseinander", betonte Windtner.

Der Verbandschef hofft inständig auf eine Rücknahme der Pläne. Sollte dies nicht passieren, drohe eine düstere Zukunft.

"Wenn der Schritt zur Super League getan wird, wird in den nächsten Jahren ein Heer von Top-Advokaten eine Beschäftigung finden und der endgültige Schritt in den Turbo-Kapitalismus im europäischen Fußball gesetzt", erklärte Windtner und ergänzte: "Es ist klar erkennbar, wer sich bei der Super League in die Reihe stellt - finanziell angeschlagene Klubs oder Klubs mit internationalen Eigentümern."

Textquelle: © LAOLA1/APA Zum Seitenanfang »

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