Wir beginnen unseren Rückblick mit einem der skandalösesten Momente der deutschen Bundesliga.
Vor mittlerweile 32 Jahren schreibt Thomas Helmer mit einem Phantomtor deutsche Sportgeschichte. Der Bayern-Akteur setzt den Ball nach einem Eckball neben das Tor. Doch der Unparteiische entscheidet auf Tor! Es ist das erste, aber nicht das letzte, Phantomtor in Deutschland.
Nürnberg legt Protest ein und es kommt zu einem Wiederholungsspiel. Bayern gewinnt mit 5:0 und krönt sich vier Tage danach zum deutschen Meister. Nürnberg muss hingegen den Gang in die Zweitklassigkeit antreten.
Die Hand Gottes
Argentinien - England (22.06.1986, WM-Viertelfinale), 2:1 (0:0)
Es ist die womöglich berühmteste Szene in der Fußball-Geschichte!
Diego Maradona schießt Argentinien mit einem Doppelpack im WM-Viertelfinale 1986 zum 2:1-Sieg gegen England. Beide Treffer sind bis heute sinnbildlich für seine gesamte Karriere.
Zunächst springt Maradona nach 51 Minuten im Strafraum zu einem Kopfball hoch. Der nur 1,65 Meter große Spielmacher bringt den Kopf nicht zum Ball, aber dafür seinen linken Arm. Er überwindet und überlistet England-Keeper Peter Shilton mit der selbsternannten "Hand Gottes" und faustet den Ball ins Tor.
Nur vier Minuten danach setzt er zum wohl spektakulärsten Solo der Fußballgeschichte an, erzielt das "Tor des Jahrhunderts" und bringt Argentinien damit ins Halbfinale.
Eine Woche später streckt Maradona nach dem 3:2-Finalsieg über Deutschland den WM-Pokal in die Luft.
Das "Wembley-Tor"
England - Deutschland (30.07.1966, WM-Finale), 4:2 n.V. (2:2, 2:0)
Das berühmteste Tor, das wohl eigentlich keines war!
England trifft im Finalspiel der WM 1966 auf Deutschland. Ein 2:2 nach regulärer Spielzeit führt zur Verlängerung.
Geoff Hurst schießt in der 101. Minute aus kurzer Distanz aufs Tor und wird mit dem "Wembley-Goal" weltberühmt. Doch war der Ball überhaupt hinter der Linie?
Der Ball prallt von der Unterkante der Latte auf den Boden. Der Schiedsrichter entscheidet sich zunächst gegen den Treffer, aber nach Rücksprache mit dem Linienrichter doch dafür.
Tofik Bachramow aus Aserbaidschan wird in diesem Moment zum bekanntesten Linienrichter der Welt. Viele Jahrzehnte danach gibt er zu, dass er "nicht sah, ob der Ball hinter der Linie landete".
Den "Three Lions" ebnete es den Weg zum ersten und bislang einzigen WM-Titel.
Deutschlands Revanche 2010
Deutschland - England (27.06.2010, WM-Achtelfinale), 4:1 (2:1)
44 Jahre danach kommt es wiederum zum bekanntesten Tor, das eines war, aber nicht zählte.
Wieder heißt das Duell England gegen Deutschland, dieses Mal im WM-Achtelfinale 2010 in Südafrika.
Die DFB-Elf führt nach 38 Minuten mit 2:1. Doch die "Three Lions" drängen auf den Ausgleich und Frank Lampard zieht aus 17 Metern ab. Der Ball prallt an die Unterkante der Latte und landet klar hinter der Linie. Von dort springt der Ball erneut an die Latte und in die Arme von Manuel Neuer.
Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay verweigert aber den klaren Treffer.
Schließlich setzt sich Deutschland mit 4:1 durch und sorgt für eine "kleine" Revanche im ewigen Klassiker.
Der Ball war hinter der Linie, aber...
Manchester United - Tottenham Hotspur (04.01.2005, Premier League, 22. Spieltag), 0:0
Auch in der besten Liga der Welt gibt es skandalöse Aufreger. Einer davon geschieht unmittelbar nach dem Jahreswechsel 2005.
Ein Schuss der "Spurs" von Pedro Mendes aus 45 Metern rutscht in der 89. Minute durch die Hände von United-Keeper Roy Carroll und führt zum vermeintlichen 1:0-Sieg. Der Ball landet rund einen Meter hinter der Linie.
Doch das Schiedsrichtergespann um Mark Clattenburg verwehrt Tottenham den Sieg. Für die britischen Medien ist es "eine der größten Fehlentscheidungen der Fußball-Geschichte".
Dortmunds gelingt illegales CL-Wunder
Borussia Dortmund - FC Malaga (09.04.2013, Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel), 3:2 (1:1)
Es bleibt auf ewige Zeiten einer der denkwürdigsten Momente der BVB-Historie!
Dortmund liegt im Viertelfinal-Rückspiel der UEFA Champions League im Signal-Iduna-Park vor der Nachspielzeit mit 1:2 gegen Malaga zurück. Marco Reus gelingt der 2:2-Treffer, ehe Felipe Santana den BVB mit dem 3:2 noch ins CL-Halbfinale führt.
Einen kräftigen Schönheistfehler hat das Wunder allerdings: Der Verteidiger stochert den Ball aus dem Abseits über die Linie. Allerdings erzielt auch Malaga den 2:1-Treffer aus knapper Abseitsposition.
Heutzutage würden beide Treffer nicht zählen. Damals sprach man noch von ausgleichender Gerechtigkeit.
Fast alle Schalker im Abseits
FC Schalke 04 - FC Basel (11.12.2013, Champions League, Gruppenphase), 2:0 (0:0)
Zum Gruppenabschluss kämpfen Schalke und Basel im direkten Duell um den Einzug ins Champions-League-Achtelfinale.
Schalke führt beim Heimspiel verdient mit 1:0, als es zu einem der fragwürdigsten Treffer in der "Königsklassen"-Geschichte kommt.
Nach einem Freistoß befinden sich vier (!) Spieler von Schalke unübersehbar im Abseits. Joel Matip wartet auf den Pfiff, der aber ausbleibt und schiebt den Ball danach zum 2:0-Sieg ins Tor.
Schalke zieht als Gruppenzweiter ins Achtelfinale, für Basel hingegen endet die Saison in der Champions League.
Der falsche Spieler sieht Rot
FC Chelsea - FC Arsenal (22.03.2014, Premier League, 31. Spieltag), 6:0 (4:0)
Beim großen Jubiläum von Arsene Wenger als Arsenal-Coach (1000. Spiel) kommt es im Londoner Stadtderby neben einer spielerischen Demütigung zu einer handfesten Schiri-Panne!
Chelsea deklassiert die "Gunners" mit 6:0 und fügt Arsenal die (noch immer) zweithöchste Niederlage in der Premier League (seit 1992) zu.
Doch die Partie bleibt eher wegen eines Handspiels in Erinnerung. Chelsea führt schon nach 15 Minuten mit 2:0, als Alex Oxlade-Chamberlain den Ball auf der Linie mit der Hand spielt. Allerdings bekommt nicht er die Rote Karte, sondern Kieran Gibbs.
"It was me!", rief Oxlade-Chamberlain zum Unparteiischen. Der Schiedsrichter bleibt aber bei seiner Entscheidung und sorgt für eine skurrile Situation.
Bayern wird im Bernabeu "beschissen"
Real Madrid - Bayern München (18.04.2017, Champions-League-Halbfinal-Rückspiel), 4:2 n.V. (1:2, 3:0)
Im Kampf um den Einzug ins Champions-League-Halbfinale 2017 kommt es im Santiago Bernabeu zu gleich mehreren Fehlentscheidungen.
Bayern rettet sich nach einer 1:2-Pleite im Heimspiel und einer 2:1-Führung in Madrid in die Verlängerung. Dort sorgt Cristiano Ronaldo mit zwei umstrittenen Toren aber für den Halbfinaleinzug der "Königlichen".
Zunächst erzielt Ronaldo das letztlich entscheidende 2:2 (105.) aus klarer Abseitsposition. Nur fünf Minuten danach trifft er, erneut im Abseits, zur Vorentscheidung.
Die Bayern reagieren erbost und meinen, dass sie "beschissen worden" seien. Real Madrid verteidigt indes sechs Wochen danach als erste Mannschaft den Champions League-Titel.
Nächstes Phantomtor in Deutschland
TSG 1899 Hoffenheim - Bayer Leverkusen (18.10.2013, Deutsche Bundesliga, 9. Spieltag), 1:2 (0:1)
19 Jahre nach dem Phantomtor von Thomas Helmer macht es ihm Stefan Kießling gleich.
Der Stürmer von Bayer Leverkusen köpft den Ball beim 2:1-Sieg gegen Hoffenheim ins Tor. Oder doch nicht?
Nein! Denn der Ball landet im linken Außennetz und rutscht erst durch ein Loch im Netz ins Tor. Das DFB-Sportgericht entscheidet sich aber, trotz eines Einspruchs von Hoffenheim, gegen eine Wiederholung der Partie.
Am Saisonende liegt Leverkusen nur einen Zähler vor Wolfsburg und schafft es, auch dank des Phantomtors, in die Champions League.
Per Henry-Handspiel zur WM
Frankreich - Irland (18.11.2009, WM-Playoff-Rückspiel), 1:1 n.V. (0:1, 1:0)
Die Franzosen und Irland duellieren sich im Playoff um ein Ticket die WM-Endrunde 2010 in Südafrika - mit dem besseren Ende für Frankreich.
Zunächst holt sich die "Equipe Tricolore" in Dublin einen 1:0-Auswärtssieg. Doch die "Boys in Green" egalisieren den Rückstand im Rückspiel im Stade de France und kämpfen sich in die Verlängerung.
Dort kommt es zu einem denkwürdigen Moment. Nach einem Freistoß erreicht Thierry Henry im Strafraum den Ball und legt sich den Ball eindeutig mit der Hand vor. William Gallas nutzt die Vorlage aus und trifft.
Die irischen Nationalspieler stürmen auf den schwedischen Schiedsrichter Martin Hansson zu. Henry gibt das Handspiel offen zu, aber die wohl fragwürdigste Entscheidung in der Historie der WM-Qualifikation bleibt bestehen.
Luis Suarez beißt zu
Italien - Uruguay (24.06.2014, WM-Gruppenphase), 0:1 (0:0)
Bei der WM 2014 in Brasilien treffen Italien und Uruguay im direkten Gruppenspiel um den Aufstieg ins Achtelfinale aufeinander. Beide Nationen haben drei Punkte auf dem Konto.
Am Ende ist Uruguay dank eines 1:0-Siegs der strahlende Sieger - doch im Mittelpunkt steht die wohl bekannteste "Beiß-Aktion" der Fußballgeschichte.
Luis Suarez beißt im Strafraum der Italiener seinem Gegenspieler Giorgio Chiellini von hinten in die Schulter und sorgt weltweit für Empörung und Schlagzeilen.
Chiellini fasst sich ungläubig an die Schulter, Suarez greift sich an den Mund. Der Uruguay-Star kommt ohne Karte davon, wird jedoch wenige Tage später für vier Monate von fußballbezogenen Aktivitäten gesperrt.
Chelsea werden vier Elfmeter verwehrt
FC Chelsea - FC Barcelona (06.05.2009, Champions-League-Halbfinal-Rückspiel), 1:1 (1:0)
Chelsea und Barcelona kämpfen im Frühling 2009 um den Einzug ins Champions-League-Halbfinale. Das Hinspiel im Camp Nou geht 0:0 aus, an der Stamford Bridge geht es dann wild zur Sache:
Michael Essien bringt die "Blues" mit einem Traumtor fast ins Endspiel, doch Andres Iniesta schießt Barcelona in der dritten Minute der Nachspielzeit zum 1:1-Endstand - und die Katalanen ziehen dank der Auswärtstorregel ins Finale ein.
Im Mittelpunkt steht aber der norwegische Schiedsrichter Tom Henning Övrebö. Nicht weniger als vier Mal (!) verwehrt er den Londonern einen Elfmeter. Zwei Foulspiele und zwei Handspiele im Strafraum übersieht der Norweger. Einige Jahre danach gesteht Övrebö seine Fehler ein.
Barcelona bezwingt letztlich im Finale auch Manchester United und gewinnt in Rom den Henkelpott.
Schumacher knockt Battiston out
Deutschland - Frankreich (08.07.1982, WM-Halbfinale), 3:3 n.V. (1:1, 2:2), 5:4 i.E.
Als "Thriller von Sevilla" geht das WM-Halbfinale 1982 in die Fußballgeschichte ein. Dabei schafft es Deutschland ins WM-Finale, sorgt aber nur zwei Wochen nach der "Schande von Gijon" für den nächsten handfesten Skandal.
Denn überschattet wird das Halbfinale von einer brutalen Attacke des DFB-Goalies Toni Schumacher an Patrick Battiston. Schumacher stürmt aus dem Tor und springt den Franzosen rücksichtlos an. Battiston erleidet einen Halswirbelbruch, eine Gehirnerschütterung und verliert etliche Zähne.
Doch Schumacher sieht nicht einmal eine Gelbe Karte. Nach dem Spiel zeigt er kein Bedauern, sondern fällt auch noch durch Bemerkungen wie "Dann zahle ich ihm eben die Jacketkronen" auf. Erst viele Jahre später entschuldigt sich Schumacher bei Battiston.
Drei Mal Gelb macht Rot
Kroatien - Australien (22.06.2006, WM-Gruppenphase), 2:2 (1:1)
Bei der WM 2006 in Deutschland duellieren sich Kroatien und Australien im direkten Duell um den Einzug ins Achtelfinale.
Am Ende reicht den "Socceroos" ein 2:2 für das Weiterkommen. Davor steht aber der englische Schiedsrichter Graham Poll im Mittelpunkt der Ereignisse. Denn Poll verliert in der Schlussphase seinen Überblick völlig.
Nach jeweils einem Platzverweis auf beiden Seiten in einer chaotischen Partie bekommt der Kroate Josip Simunic die zweite Gelbe Karte. Doch er darf weiterspielen!
Erst in der Nachspielzeit sieht er zum dritten Mal Gelb - und muss den Platz doch noch verlassen.
Für den Briten ist es der letzte internationale Auftritt als Schiedsrichter.
Schiedsrichter peitschen Südkorea ins WM-Halbfinale durch
Südkorea - Italien (18.06.2002, WM-Achtelfinale), 2:1 n.V. (1:1, 1:0)
Die WM-Endrunde 2002 steht nicht nur im Zeichen von Sensationen und dem brasilianischen WM-Titel, sondern auch von eklatanten Entscheidungen eines Schiedsrichters.
Byron Moreno leitet das WM-Achtelfinale zwischen Co-Gastgeber Südkorea und Italien. Dabei zeigt er Francesco Totti in der Verlängerung wegen einer angeblichen Schwalbe völlig zu Unrecht die Gelb-Rote Karte. Zudem annulliert er das vermeintliche "Golden Goal" von Damiano Tommasi.
Letztlich gewinnt Südkorea in der Verlängerung mit 2:1 und zieht ins Viertelfinale ein. Auch dort profitiert der WM-Gastgeber gegen Spanien von zwei regulären, aber aberkannten Treffern.
Acht Jahre später sorgt der wohl meist gehasste Schiedsrichter Italiens zudem bei einem Drogenschmuggel für erneute Schlagzeilen.
Tabellenrechner für alle Gruppen: Spiele die Aufstiegszenarien durch >>>