Arteta hatte von Beginn an hohe Ansprüche: "Wir müssen um die wichtigsten Titel in diesem Sport kämpfen." Ihm war aber bewusst, dass dieses Unterfangen Zeit benötige: "Ich bin realistisch genug, um zu wissen, dass das nicht von heute auf morgen passieren wird."
Damit sollte er Recht behalten - und es wurde sogar noch schlimmer als angenommen. Bevor Artetas Arsenal besser wurde, ging es zunächst in die falsche Richtung. Auf Rang fünf unter Emery folgten zwei achte Plätze unter Arteta in 2019/20 und 2020/21.
2020/2021: Tiefpunkt
Spätestens im Sommer 2021 erreichten die Forderungen nach einer Arteta-Entlassung ihren Peak. Arsenal befand sich in einer schlechteren Verfassung als bei seinem Amtsantritt. Eine klare Richtung? Nicht zu erkennen, zumindest damals nicht.
Doch man hielt am Trainer fest. Der Spanier sollte die Mannschaft entwickeln, und dafür bekam er Zeit. Nicht zu vernachlässigen ist dennoch, dass die "Gunners" selbst in dieser Phase viel Geld investierten - und sie hatten einen Plan.
Der Masterplan
Schon Ende 2020 kam es zu einem Meeting zwischen Arteta, Geschäftsführer Tim Lewis und Klubbesitzer Stan Kroenke. Arteta und Lewis legten dem Owner einen Plan vor, wie Arsenal über die nächsten Jahre hinweg zu einem "Super-Klub" werden kann.
Dieser Plan baute auf einer Erkenntnis auf: Zwischen 2023 und 2027 wird sich ein "Win-Window" (dt. Siegesfenster) in der Liga öffnen, wo es gegen die Dominatoren der letzten Jahre, Manchester City und FC Liverpool, Chancen geben würde.
All das basierte auf einer Analyse der Gegner und deren Vertragslaufzeiten, Altersstrukturen und Trainer-Amtszeiten.
Schon davor errichtete Arsenal (Sommer 2019) den ersten Baustein für das Champions-League-Finalteam. Mit William Saliba, Gabriel Martinelli und Bukayo Saka kamen drei Spieler in die erste Mannschaft, die maßgeblich am Finaleinzug 2026 beteiligt waren.
Der damalige Rekordtransfer war aber ein anderer: Nicolas Pépé. Der Flop verließ den Klub nach vier Jahren ablösefrei.
Zugänge 2019/20 und 2020/21
Spieler | Ablöse/Klub | Saison |
|---|---|---|
Nicolas Pépé | 80 Mio./Lille | 2019/20 |
William Saliba | 30 Mio./St. Etienne | 2019/20 |
Gabriel Martinelli | 7,10 Mio./Ituano | 2019/20 |
Bukayo Saka | -/Arsenal U21 | 2019/20 |
Thomas Partey | 50 Mio./Atletico | 2020/21 |
Gabriel | 26 Mio./Lille | 2020/21 |
Martin Ødegaard | Leihe/Real Madrid | 2020/21 |
Der Umbruch war im vollen Gange, 2021 bis 2022 verließen gestandene Spieler à la Mesut Özil, Henrik Mkhitaryan, Pierre-Emerick Aubameyang oder David Luiz den Verein. Damit nicht genug, denn auch die Führungsebene veränderte sich. "Head of Football" Raul Sanllehi musste gehen, dafür übernahm Tim Lewis als Geschäftsführer.
Außerdem wurde das Scouting-Team verkleinert und in die Abteilung "Football Intelligence" umgewandelt. Damit einher ging eine klare Marktstrategie: Spieler unter 23 Jahren zu holen, für einen Preis von maximal 40 Millionen Euro.
Im Sommer-Transferfenster 2021 fielen fast alle Spieler unter diese Voraussetzungen. Sportlich lief es ein wenig besser: Arsenal landete auf Rang fünf und qualifizierte sich erstmals wieder über die Liga für den Europacup.
Zwei Spieler vom Meister = Vizemeister
Arsenals Strategie am Markt wurde im Transfersommer 2022 aufgeweicht. Die Neuzugänge wurden etwas älter, teils auch teurer. Oleksandr Zinchenko (25, 35 Mio.) und Gabriel Jesus (25, 52 Mio.) wechselten vom amtierenden Meister ManCity nach London, dazu kam Leandro Trossard (28, 24 Mio.) aus Brighton.
Die beiden Ex-Cityzens waren sofort gesetzt bei Arsenal und sie führten die "Gunners" sogar zur Vizemeisterschaft – erstmals seit sechs Jahren.
Schritt für Schritt zum Juggernaut
Zum ersten Mal seit 2017 spielte Arsenal also wieder in der "Königsklasse". Mit dem damit verbundenen Geld - oder besser gesagt einem größeren Handlungsspielraum bei den PSR - wurde eine Transferoffensive gestartet.
Über 230 Mio. Euro gab der Klub 2023/24 für drei Spieler aus - alle drei sind auch heute noch tragende Säulen.
Spieler | Ablöse | Verein |
|---|---|---|
Declan Rice | 116,6 Mio. | West Ham |
Kai Havertz | 75 Mio. | Chelsea |
Jurrien Timber | 40 Mio. | Ajax |
Das Ergebnis war dasselbe, wie davor: Wieder wurde Arsenal Vizemeister. 89 Punkte reichten nicht, um das am Peak agierende ManCity zu übertrumpfen. Das erste Jahr im sogenannten "Win-Window" verstrich also ohne einen Titel.
Arsenal stockte trotzdem weiter auf. 24/25 gingen die Verstärkungen eher in die Breite: Mit Riccardo Calafiori und Mikel Merino kamen starke Rotationsspieler mit Positionsflexibilität. Dazu wurde der neue Stammgoalie David Raya fest verpflichtet.
Diesmal war es tatsächlich soweit: Manchester City schwächelte. Nichtsdestotrotz spielte Arsenal fast keine Rolle im Titelrennen, denn auf einmal war Liverpool zu stark. Die Gunners wurden mit 74 Zählern zum dritten Mal in Folge Vizemeister.
2025: Ein gescheitertes Projekt?
Der Druck wuchs, auf die Vereinsverantwortlichen und auf Arteta. Der Klub setzte auf Kontinuität, gab selbst im Premier-League-Vergleich viel Geld aus - und trotzdem blieb man titellos.
Ein Transferfenster samt anschließender Saison war aber noch Zeit, um endlich wieder einen großen Titel in den Norden Londons zu bringen.
Der Grundbaustein war gelegt: Ein Trainer von großer Qualität, der sich mit dem Verein identifiziert. Dazu ein Team, welches in der Breite und Spitze so gut besetzt ist wie fast kein anderes.
Was fehlte? Die "Holding Six", wie sie Tuchel einst forderte, ein Goalgetter und ein kreativer Flügelspieler (abgesehen von Saka).
Jedes dieser drei Profile wurde mindestens ein Mal gefunden und gekauft, zumindest auf dem Papier. Eberechi Eze und Noni Madueke für die Flügel, Martin Zubimendi und Christian Nørgaard für die Sechs. Zeitig legte sich Arsenal außerdem auf Viktor Gyökeres als neuen Top-Stürmer fest.
Die Konkurrenz, ein Plan und Unmengen an Geld
Und obwohl nicht alle davon eingeschlagen haben, reichte es zur Meisterschaft - und womöglich sogar für mehr.
Wie das möglich wurde? Zum einen die (etwas) schwächelnde Konkurrenz: Premier-League-Titelverteidiger Liverpool kam mit dem Umbruch gar nicht zurecht und auch ManCity erreichte nicht die Konstanz vergangener Tage.
Dazu kommen der Trainer und ein klarer Plan, an welchem der Klub trotz einiger Rückschläge mit langem Atem festhielt.
Und dann wäre da noch das liebe Geld: Seit der ersten vollen Saison unter Arteta gab der Verein 1,24 Milliarden Euro (!) aus und nahm lediglich 294 Mio. Euro ein. Mit einem Verlust von 943 Mio. Euro fuhr einzig Manchester United (1 Milliarde) in diesem Zeitraum ein größeres Minus ein.
Das Gegenteil von in Schönheit sterben
Trotz der Erfolge gab es stets Kritik von außen. Doch Meister wird man nicht unverdient, hier sind auch die "Gunners" keine Ausnahme.
Der Grund für negative Stimmung in Richtung des Klubs: Arsenal spielt alles, nur keinen "Hurra-Fußball".
Der Fußball am Feld ist in etwa so wie die Planungen seit Jahren im Hintergrund: Von langer Hand bis in die letzten Details geplant und das mit einer unfassbaren Qualität.
So erklomm das maschinelle Arsenal die Spitze der Premier League und der CL-Ligaphase. Ins Endspiel gegen den Titelverteidiger gehen die Gunners übrigens ungeschlagen. Bei einem Finalsieg wäre Arsenal das dritte englische Team überhaupt, dem dieses Kunststück gelingt.