Die Liiga
Viel Freizeit wird Haudum mit seiner Familie ohnehin nicht haben – keine andere Liga in Europa verfügt über einen so dichten Spielplan wie die Liiga. Von 60 Spielen bisher steigt die Anzahl der Grunddurchgangsspiele auf 64 in der nächsten Saison.
Im Gegensatz zu den letzten Jahren bleiben die Länderspieltermine im November und Februar frei. Um alle Spiele unterzubringen, beginnt die Liiga schon am 1. September, ignoriert damit auch die CHL-Termine. Das Ende des Grunddurchgangs ist mit 5. März etwas vorverlegt. In anderen Worten: Drei Spiele pro Woche sind die Regel und nicht die Ausnahme.
Eine spezielle Saison für die Liiga
Die Kritik an Finnlands höchster Spielklasse war in den letzten Jahren immer die gleiche: Zu viele (teils unattraktive) Teams, für die der Spielmarkt zu klein ist, da die Spitzencracks seit Jahren in Übersee, Schweden oder der Schweiz agieren.
Über die Art der Ligareform wurde lange gestritten, in der übernächsten Spielzeit wird sie umgesetzt. Vorher heißt es aber noch einen weiteren Schritt zurückzumachen: Statt 16 Teams wie bisher spielen nächste Saison sogar 17 Teams im Oberhaus mit, Jokerit Helsinki kam nach Jahren der Inaktivität bzw. In der Mestis wieder zurück.
Für diese Teams geht es vor allem einmal um das Überleben: Drei von ihnen müssen nächste Saison absteigen, die neue Liiga wird dann mit 14 Teams betrieben.
Das Niveau und die finanzielle Lage in der Liiga
Zu viele schwache Teams haben das Niveau in den letzten Jahren absacken lassen, deren Spiele untereinander sind kein Festschmaus für Scouts gewesen. Zu den Top-Teams, die über gute finanzielle Mittel verfügen, gehören die beiden Tampere-Teams (Ilves und Tappara) und jetzt natürlich auch wieder Jokerit. Danach folgen Organisationen wie HIFK (musste etwas zurückschrauben), Kärpät, Lukko und vielleicht noch JypHT. TPS Turku würde danach wohl im Mittelfeld angesiedelt werden.
Um in der obersten Spielklasse zu bleiben, greifen einige Teams heuer natürlich tiefer in die Tasche, davon profitiert wohl auch Haudum Als neuer Legionär in der Liiga profitiert er auf jeden Fall von Steuererleichterungen, die in den ersten beiden Saisonen gelten und aus dem Brutto mehr Netto machen. Wohnung und Auto werden jedenfalls durch TPS gestellt. Ob er mit den Steuererleichterungen und Performance Bonussen auf sein Graz-Gehalt kommt, können nur er und Agent Peter Kasper beantworten.
Organisation und Mannschaft von TPS
TPS ist einer der Traditionsklubs in Finnland, mit elf Titeln insgesamt liegen sie hinter Tappara und HIFK. Der letzte (Liiga-)Titel datiert aber aus dem Jahre 2010, danach folgten für den einstmals auch großen Spielerproduzenten statt Erfolgen eher finanzielle Schwierigkeiten.
Immerhin konnte die Muttergesellschaft Turun Palloseura, die auch das lokale Fußballteam besitzt, die finanziellen Abgänge zuletzt etwas eindämmen, ein gutes Jahr bedeutet schon sechs- und nicht siebenstellige Verluste in der Eishockey-Sparte.
Zwei Personen aus der Technologie-Branche sind die Haupteigentümer, die bekannteren Namen abseits des Eises sind jedoch andere: Mikko Koivu ist mit seinem Bruder Saku Miteigentümer und als Development Coach auch sportlich eingebunden. Eines der Talente, um die er sich kümmert: Sein 19-jähriger Neffe Aatos, 2024 von Montreal gedraftet. Mit Aki Berg verfügt der Zeugwart (!) über die Erfahrung von mehr als 600 NHL-Spielen.
Auch der Coach ist kein Unbekannter: Toni Söderholm trainiert einst Red Bull München und das deutsche Nationalteam, konnte aber TPS in der letzten Saison nie einen etwaigen Stempel aufdrücken. Tomi Kallio (sowohl für TPS als auch die San Jose Sharks tätig), der auch den Haudum-Übertritt finalisierte, kenne ich noch aus meiner Zeit in Atlanta.
Die finanziellen Grenzen der letzten Jahre ließen TPS zu einem relativen No-Name-Team werden: Defender Teemu Reunanen (vor zwei Jahren noch in Karlovy Vary tätig) ist der klare Nr. 1-Defender, in der Offensive sind Eetu Päkkilä und Aleksi Saarela die besten einheimischen Punktemacher.
Star des Teams ist der 25-jährige Lukas Wernblom, der wie viele Schweden eine Mitläuferrolle in der SHL mit einer führenden in der schwächeren Liiga eintauschte. Sein aus Skelleftea gekommener Landsmann Lars Bryggman gehörte in Lahti auch schon zu den besseren Offensivspielern der Liiga. Zu diesen beiden und Haudum kommt mit dem 37-jährigen Dänen Oliver Lauridsen der ältere Bruder von Pustertal-Defender Markus. Das macht (bis jetzt) vier Legionäre, auch das ein Zeichen für eingeschränkte Mittel.
Die Rolle von Lukas Haudum
Seine erste durchgehende Saison als Center war auch mit Abstand die beste und konstanteste seiner Karriere. Der heute 29-Jährige ragte in Graz in einer tief besetzten Truppe nochmals hervor und verhalf den 99ers so zum Meistertitel.
Seine Spielmacher- und PP-Fähigkeiten werden auch in einer nicht gerade tief oder prominent besetzten TPS-Mannschaft notwendig sein. Die Platzierungen für TPS sanken in den letzten Jahren immer mehr ab (3-4-9-9-12-13), im heurigen Überlebensjahr muss der Blick unbedingt wieder nach oben gehen.
Eine Top-6-Rolle ist für Haudum natürlich von Haus aus reserviert, im Gegensatz zu einem Team wie Tappara steht keine übermächtige Konkurrenz vor ihm. Joel Mättä (23) und Sisu Yiliniemi (22) centerten letztes Jahr die Top-Linien, diese zu verdrängen sollte für Haudum allemal möglich sein.
In einer für ihn und das Team positiven Saison ist eine Top-12-Platzierung (13-16 spielen die restlichen Oberhausplätze aus) bald festgezurrt, Haudum managt etwa Bryggman und Wernblom so, dass seine Zahlen ihn im Sommer auf das Radar der SHL oder NL bringen. In einem Worst-Case-Szenario zeigt er sich unbeständig, er und seine Verlobte (muss ihre Arbeit in Graz aufgeben) kommen in den grauen Wintern mit den schroffen Finnen nicht so zurecht und kehren spätestens im nächsten Sommer wieder nach Österreich zurück. Einige Legionäre stießen sich auch an den langen Trainingseinheiten neben der Unzahl an Spielen.
Der letzte Österreicher in der Liiga (vom eingebürgerten Atte Tolvanen abgesehen)? Ausgerechnet Haudums letztjähriger Teamkollege Manuel Ganahl, für den die Saison 2018/19 in Lahti und Rauma ohne einen einzigen Treffer zu Ende ging.
Mit 29 Jahren war dies wohl die letzte Chance für den Linzer, das gemachte Nest zu verlassen und sich auch im Ausland zu beweisen. TPS und die Liiga stehen nun für österreichische Eishockeyfans unter besonderer Beobachtung...