Schweizer Ex-Teamchef bricht Schweigen zur Corona-Affäre
Die Beichte eines gefälschten Impfzertifikats kostete Patrick Fischer vor der Eishockey-WM den Job. Nun übt er Selbstkritik - und an seinem Gegenüber vom "SRF".
Unmittelbar vor der Heim-Weltmeisterschaft verlor der ehemalige Schweizer Eishockey-Teamchef Patrick Fischer seinen Job.
Die Beichte, dass er sich zu Corona-Zeiten ein Impfzertifikat gekauft hat, sorgte für seine Entlassung.
Nicht ganz zwei Wochen nach Ende des Turniers, das für sein ehemaliges Team einmal mehr nur mit WM-Silber endete, nimmt der 50-Jährige in einem etwa halbstündigen Interview auf "YouTube" erstmals Stellung zu der ganzen Causa.
"Bin mir persönlich treu geblieben"
Er habe auf sein Bauchgefühl vertraut und die Corona-Impfung abgelehnt. Eine solche war allerdings Voraussetzung für die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2022 in Peking.
"Deshalb habe ich mich für den Weg entschieden, ein Zertifikat zu kaufen. Als Nationalcoach hätte ich das nicht tun dürfen, aber mein Gefühl wies mich auch auf eine Verantwortung für meinen Körper hin", so der 50-Jährige.
"Als Nationaltrainer habe ich meine Vorbildfunktion verletzt, da gibt es nichts schönzureden. Aber persönlich bin ich mir treu geblieben."
"Keine Gefahr" in der Beichte gesehen
Auch vonseiten des Verbandes gab es Druck in Form einer Liste an Events, an deren Teilnahme Fischer verpflichtet war. Ein Fehlen hätte ein Bußgeld in Höhe über einer halben Million Franken zur Folge gehabt.
Heraus kam die Causa vor kurzem durch einen Bericht im Schweizer Fernsehen "SRF". Die "Beichte" legte Fischer zuvor in einem Gespräch ab, das nach seiner Auffassung streng "off the record" gedacht war.
"Ich habe keine Gefahr gesehen. Für mich war Covid vorbei und ich wusste, dass ich das kommunizieren werde. Das war für mich wichtig."
Der betroffene Journalist Pascal Schmitz habe diese Auffassung, dass das Gespräch "off the record" lief, in der Folge auch noch per Mail bestätigt: "Das hat mich schon irritiert", kritisiert Fischer, der eingesteht: "Ich hätte es vor ein bis zwei Jahren schon öffentlich machen müssen."
Kritik am Journalisten - "SRF" kontert
Auf Fischers Kritik gibt es nun vom "SRF" schon einen Konter.
So sei der "off the record" Charakter des Gesprächs erst im Nachhinein vom Medienchef des Schweizer Eishockey-Verbandes eingefordert worden.
"In seiner Antwort hat Pascal Schmitz auf diese nachträgliche Forderung Bezug genommen bzw. den Wortlaut des Verbandes wiedergegeben. Eine vorgängige 'off-the-record'-Vereinbarung wurde damit nicht bestätigt", so die Ansicht des "SRF".
"Eine 'off-the-record'-Vereinbarung muss vorgängig, explizit und gegenseitig erfolgen – das ist ein anerkannter journalistischer Grundsatz. Das war hier nicht der Fall", so das "SRF".
Auch sei der Kontext des Gesprächs bedeutend: Während eines Mittagessens im Rahmen eines Drehtags für ein Portrait.