LAOLA1: Wie sind die letzten Tage verlaufen?
Lukas Haudum: Überraschend und etwas turbulent, vor allem emotional. Ich war auf einer Golfrunde, als der Anruf kam und ich erfahren habe, dass TPS interessiert ist. Sie waren sehr erpicht, ziemlich rasch mit mir reden zu wollen und wussten auch von der Ausstiegsklausel. Ich hatte kurz darauf ein Video-Gespräch mit dem Trainer, dem GM und einem weiteren Verantwortlichen. Ich hatte sofort ein positives Gefühl. Man hat gemerkt, dass sie nicht nur interessiert sind, sondern mich unbedingt haben wollen. Am selben Abend kam das Angebot. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass aus dem Ausland so etwas Gutes kommen würde. Das hat natürlich das Nachdenken angeregt. Ich habe mit meiner Verlobten gesprochen, die Entscheidung musste relativ schnell getroffen werden. Und die ist letztlich für Finnland gefallen.
LAOLA1: Wann ist das Interesse konkret aufgepoppt?
Haudum: Am Dienstag. Dienstagabend kam das Angebot, eineinhalb Tage später war die Entscheidung gefallen. Donnerstagnachmittag haben wir gesagt: Passt, wir machen das. Freitagmittag habe ich den Vertrag unterschrieben.
LAOLA1: Wie gut war das Angebot von TPS?
Haudum: Es ist ungefähr dasselbe wie in Graz.
Mir war wichtig, dass mich ein Verein wirklich haben will und nicht nur Interesse bekundet. Ich will nicht die fünfte Wahl sein.
LAOLA1: Was gab schlussendlich den Ausschlag dafür, diese Chance wahrzunehmen?
Haudum: Grundsätzlich konnte ich mir vorstellen, ins Ausland zu gehen. Darüber habe ich natürlich auch mit meiner Verlobten gesprochen. Mir war wichtig, dass mich ein Verein wirklich haben will und nicht nur Interesse bekundet. Ich will nicht die fünfte Wahl sein. Bei TPS hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass sie mich unbedingt verpflichten wollen. Das Finanzielle war ebenfalls wichtig, weil es die Wertschätzung des Vereins unterstreicht. Wenn diese beiden Dinge passen, kann man sich Gedanken über das Umfeld, die Stadt oder die Distanz machen. Am Ende zählt aber auch das Bauchgefühl. Und das hat von Anfang an gepasst, ich hatte nie Zweifel. Deshalb mache ich diesen Schritt.
LAOLA1: Welche Perspektive wurde dir bei diesem Video-Gespräch aufgezeigt?
Haudum: Sie haben sich im Vorfeld intensiv über mich informiert und wussten genau, was für ein Spieler ich bin. Im Gespräch wollten sie vor allem noch mehr über mich als Person erfahren. Die Perspektive ist klar sportlicher Natur. Es ist eine bessere Liga, ein anderes Level und ein Klub mit viel Potenzial. Gleichzeitig soll ich dort kein Lückenfüller, sondern eine tragende Figur sein. Für mich ist das die Chance, mich noch einmal selbst herauszufordern und den nächsten Schritt zu machen. Das bedeutet allerdings nicht, dass Österreich keine Herausforderung darstellt. Doch es könnte das letzte Puzzleteil sein, um ein noch kompletterer Spieler zu werden und mich auch international noch besser zeigen zu können. Ich glaube, dass ich mein Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft habe und mich auf diesem Niveau weiterentwickeln kann.
LAOLA1: Hast du dich in der Entscheidungsfindung mit jemand anderem als deiner Verlobten beraten? Etwa mit deinem langjährigen Teamkollegen Manuel Ganahl, der einst selbst von Österreich nach Finnland gewechselt ist?
Haudum: Ich habe mit ihm nur kurz gesprochen, das werden wir diese Woche noch ausführlicher nachholen. Natürlich habe ich mich auch mit Kasper Kotkansalo ausgetauscht, der wieder nach Finnland zurückkehrt. Grundsätzlich glauben jene, die die Liga einschätzen können, dass es eine geile Liga für mich sein könnte. Am Ende geht es aber um mich, meine Verlobte und unseren Hund. Natürlich habe ich die Entscheidung auch mit einem gewissen Herzschmerz getroffen. Ich habe im Vorhinein bereits mit Herbert Jerich und Philipp Pinter kommuniziert, dass TPS interessiert ist. Sie waren sehr unterstützend, auch wenn das in manchen Berichten vielleicht anders rübergekommen ist. Natürlich tut ihnen mein Abgang weh, gleichzeitig freuen sie sich aber auch, dass sie mir auf meinem Weg weiterhelfen konnten.
Ich glaube, er hätte sich einfach gewünscht, dass es ein Klub ist, der auf den ersten Blick noch größer wirkt.
LAOLA1: Besonders Präsident Herbert Jerich hat einerseits Verständnis dafür gezeigt, dass du den Schritt ins Ausland gehen wolltest. Gleichzeitig sagte er der "Kleinen Zeitung" auch: "Dass er zu so einem mittelklassigen Verein geht, versteh ich nicht. Das schockiert mich, dass er für dieses Team die Klausel genutzt hat." Kannst du diese Worte und seine öffentlich verbreitete Meinung nachvollziehen?
Haudum: Ehrlich gesagt habe ich nur einen Artikel gesehen und kenne die genauen Zitate nicht. Jedenfalls habe ich seitdem noch einmal mit Herbert gesprochen. Zeitungen können Aussagen manchmal schärfer wirken lassen, als sie gemeint waren. Ich glaube, er hätte sich einfach gewünscht, dass es ein Klub ist, der auf den ersten Blick noch größer wirkt. TPS hatte in den vergangenen Jahren nicht die Ergebnisse, will aber wieder nach oben. Es ist nicht Tappara Tampere, das jedes Jahr vorne mitspielt. Authentizität finde ich grundsätzlich gut. Doch es gibt überhaupt kein böses Blut. Er ist stolz auf mich und darauf, dass er mich auf diesem Weg unterstützen konnte. Natürlich war bei der Unterschrift vielleicht auch etwas Enttäuschung dabei, und man könnte glauben, dass die Stimmung zwischen uns angespannt ist. Aber es ist alles geklärt. Wir gehen im Guten auseinander.
LAOLA1: Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt, nochmal ins Ausland zu gehen?
Haudum: Ehrlich gesagt habe ich bis Dienstag selbst nicht gewusst, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Wenn ich auf die vergangenen zwei, drei Jahre zurückblicke, habe ich mich als Spieler noch einmal weiterentwickelt. Die letzte Saison mit dem Playoff-MVP-Titel und konstanten Leistungen im Grunddurchgang hat das bestätigt. Gleichzeitig komme ich in ein Alter, in dem ich meinem Zenit näher bin. Dieser Schritt kann mich vielleicht noch ein Stück besser machen. Und das Angebot kam zu mir, es war nichts, wonach ich aktiv gesucht habe. Viele österreichische Spieler könnten jederzeit ins Ausland gehen, müssten dafür aber finanzielle Einbußen akzeptieren. Teilweise wird aber immer noch nicht verstanden, dass Ausland nicht gleich mehr Geld bedeutet. Die Zeit zum Eishockeyspielen ist trotzdem begrenzt und viele unterschätzen außerdem, wie stark unsere Liga ist. Am Ende hat einfach alles zusammengepasst. Mein Bauchgefühl war von Anfang an gut und ich wollte mir später nicht die Frage stellen müssen: Hätte ich es nicht doch probieren sollen? Ich hätte auch noch ein Jahr warten können, doch wer weiß, wie die Saison verläuft. Vielleicht bietet sich eine ähnliche Möglichkeit, aber mit weitaus weniger Geld. Dann überlegt man sich schon, ob man weggehen soll. Jetzt passt alles zusammen. Es ist ein Schritt aus der Komfortzone und eine große Veränderung. Aber ich fühle mich bereit dafür.
LAOLA1: Du hast einen Einjahresvertrag unterzeichnet. Siehst du darin ein Risiko oder vielleicht sogar die Motivation, in diesem Jahr zu beweisen, dass du dorthin gehörst?
Haudum: So habe ich die Frage ehrlich gesagt noch gar nicht betrachtet. Ich habe vielmehr das Gefühl, dass ich für diese Herausforderung bereit bin. Mit den Jahren wird man reifer und bekommt mehr Routine. Ich gehe nicht mit dem Gedanken nach Finnland, der "main guy" sein zu müssen oder mich möglichst schnell für den nächsten Verein empfehlen zu wollen. Wenn man sich zu sehr darauf fokussiert, geht das oft nach hinten los. Ich möchte der Mannschaft helfen und habe mit dem Trainer bereits sehr gute Gespräche geführt. Mit dieser Einstellung nimmt man sich auch etwas Druck. Gleichzeitig habe ich das Selbstvertrauen, dass ich für diesen Schritt bereit bin. Das hätte ich vor ein oder zwei Jahren wahrscheinlich noch nicht gehabt.
LAOLA1: Du hast die Eishockey-WM verpasst, weil du dich nach einem Leistenbruch einer Operation unterziehen musstest. Wie läuft der Genesungsprozess?
Haudum: Sehr gut! Ich kann bereits wieder trainieren. Mit den Gewichten muss ich noch etwas aufpassen und darf noch nicht ans Maximum gehen, Einschränkungen merke ich aber keine mehr. Jetzt habe ich zwei Monate Zeit, mich bestmöglich auf die Saison vorzubereiten. Nach einer WM ist das oft schwieriger, weil man dem Körper zunächst etwas Erholung geben muss.
LAOLA1: Danke für das Gespräch!