LAOLA1: Du bist mit dem KAC bereits im Viertelfinale der win2day ICE Hockey League ausgeschieden. Wie lange hat es gedauert, das frühe Playoff-Aus zu verdauen?
Unterweger: Ich weiß nicht, ob das schon vorbei ist. Wir haben viel darüber geredet, analysiert. Natürlich hilft es, wenn man beim Nationalteam ist und auf andere Gedanken kommt. Es herrscht hier doch eine andere Stimmung. Es freut jeden wieder einmal, den anderen zu sehen. Wir sehen uns doch lange Zeit nur als Gegenspieler am Eis. Das Nationalteam hilft auf jeden Fall, darüber hinwegzukommen.
Die etwas älteren Spieler haben sich natürlich gedacht: Das könnte ich auch sein. Das war für jeden sehr schwer zu verarbeiten.
LAOLA1: Die Playoffs wurden von dem tragischen Vorfall rund um Jordan Murray überschattet. Was hat das nicht nur mit euch Spielern und der Mannschaft, sondern der gesamten Organisation gemacht?
Unterweger: Es war für alle Spieler, Trainer, speziell sicher auch für die zwei Doktoren, die Teamärzte, die das brutal gemanagt haben und ohne die das wohl gar nicht so über die Bühne gegangen wäre, eine extrem schwierige Zeit. Wir haben eineinhalb, zwei Tage später die Nachricht erhalten, dass es Jordan eigentlich recht gut geht, er im Krankenhaus ist. Es war brutal zu sehen, was auf der Bank passiert ist. Das kommt so selten vor, dass man gar nicht so oft darüber nachdenkt, wie schnell es eigentlich gehen kann. Da hat man es wieder gesehen. Jordan war topfit, ein Profi, der gerade von einem wirklich harten Reha-Programm zurückgekommen ist und jeden Tag voll trainiert hat. Er hat kurz vorher selbst gesagt, dass er noch nie so gut in Form war, wie zu diesem Zeitpunkt. Das hat mit vielen etwas gemacht. Für Import-Spieler, die weit weg von daheim sind, war es vielleicht noch etwas schwieriger, weil sie ihre Familie und Freunde nicht hier haben, mit denen sie das verarbeiten können. Aber ich habe schon öfter gesagt, dass ich es nicht als Ausrede hernehmen will. Fehervar hatte auch Spieler, die mit Jordan früher zusammengespielt, das hautnah miterlebt haben. Jeder ist heilfroh, dass es ihm jetzt wieder gut geht.
LAOLA1: Ihr seid beide 92er-Jahrgänge. Kam bei dir der Gedanke auf: Das hätte mir genauso passieren können?
Unterweger: Ich glaube, diesen Gedanken hatten viele Spieler - egal wie alt man ist. Aber die etwas erfahreneren, älteren Spieler haben sich natürlich gedacht: Das könnte ich auch sein. Das war für jeden sehr schwer zu verarbeiten.
LAOLA1: Habt ihr untereinander Gespräche geführt, vielleicht auch gesucht?
Unterweger: Die Ärzte haben einen Top-Job gemacht und uns alles zur Verfügung gestellt, was wir gebraucht haben.
LAOLA1: Du hast gesagt, du willst diesen Vorfall nicht als Ausrede für das Viertelfinal-Ausscheiden hernehmen. Woran ist es dann gelegen?
Unterweger: Wir haben es nicht geschafft, dass wir Playoff-Eishockey spielen. Fehervar ist im Gegensatz dazu in jedem Spiel besser geworden und hat dieses Playoff-Eishockey noch mehr forciert. Wir haben kein Rezept gegen ihr System gefunden, damit wir unseren Speed perfekt ausnutzen können. Sie haben uns ihr Spiel aufgedrängt, in jedem Spiel noch ein bisschen mehr. Ihr Goalie war top. Nichtsdestotrotz hatten wir genug Chancen, aber irgendwo erarbeitet man sich das Glück. Das haben wir in der ganzen Serie nicht gemacht.
Es müssen alle Spieler wieder am gleichen Strang ziehen. Wir haben uns womöglich zu sehr auf die Leistungen von einzelnen Spielern verlassen.
LAOLA1: Kannst du schon festmachen, was es braucht, damit der KAC nächste Saison wieder um den Meistertitel mitspielen kann?
Unterweger: Wir müssen dieses Playoff-Eishockey einfach forcieren. Es müssen alle Spieler wieder am gleichen Strang ziehen. Wir haben uns womöglich zu sehr auf die Leistungen von einzelnen Spielern verlassen. Wir können als Team sehr viel besser auftreten, als wir es getan haben.
LAOLA1: Jetzt geht es im Nationalteam weiter, vergangene Woche warst du beim 3:2-Sieg nach Overtime gegen Italien mit dabei. Dieser Erfolg hatte seine positiven und negativen Seiten.
Unterweger: Es war für viele Spieler die erste Partie nach einer längeren Pause. Wir kommen von unterschiedlichen Vereinen zum Nationalteam und haben versucht, uns wieder zu finden. Es war vieles gut, aber wir können es sehr viel besser machen. Ich hoffe, dass wir mit jedem Gegner etwas besser werden und gemeinsam in unserem Spiel reifen.
LAOLA1: Hat sich deine Rolle im Nationalteam durch den Rücktritt von Dominique Heinrich verändert?
Unterweger: Egal, wer da ist oder nicht, ich versuche mein Spiel aufs Eis zu bringen. Mir ist schon bewusst, dass ich eine große Rolle habe und viel Verantwortung trage. Das versuche ich so gut wie möglich zu erledigen und mich einfach auf mich zu fokussieren.
LAOLA1: Weißt du, dass dir bald ein besonderes Jubiläum bevorsteht?
Unterweger: Mein 100. Länderspiel?
LAOLA1: Voraussichtlich bestreitest du es im dritten WM-Spiel gegen Lettland, sofern du bis dorthin alle Testspiele absolviert.
Unterweger: Das habe ich wieder nicht gewusst. Ich versuche aber, nicht daran zu denken.
LAOLA1: Kannst du dich noch an dein Debüt erinnern?
Unterweger: Ja, daran kann ich mich noch genau erinnern. Im November 2014 habe ich unter Dan Ratushny mein Debüt gefeiert. Es ist eigentlich eine recht lange Zeit, dass ich jetzt erst mein 100. Spiel habe. Es ist viel passiert dazwischen, ich habe viel erlebt. Es war ein cooler Weg bis jetzt.
LAOLA1: Gibt es einen Moment, den du besonders herausheben würdest?
Unterweger: Im Nationalteam ist es immer cool. Ein Moment ist sicher das WM-Viertelfinale letztes Jahr und als wir Lettland geschlagen haben. Auch die WM in Prag - jede WM ist speziell. Aber wenn ich einen Moment herausstreichen muss, ist es sicher das WM-Viertelfinale.
LAOLA1: Danke für das Gespräch!