Endstand
2:6
2:1 , 0:1 , 0:4
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Graz im Freudentaumel: "Der Titel ist mehr als verdient"

2024 waren die 99ers noch das Schlusslicht der Liga, nun ist Graz erstmals Champion. Der Jubel war grenzenlos, die große Meisterfeier wartet am Sonntag.

Graz im Freudentaumel: "Der Titel ist mehr als verdient" Foto: © GEPA

Das Meisterstück ist vollbracht, die Graz99ers sind am Ziel ihrer Träume angelangt.

Ein 6:2-Sieg im vierten Final-Spiel gegen den HC Pustertal brachte die Karl-Nedwed-Trophy erstmals seit der Liga-Neuausrichtung im Jahr 2000 in die steirische Landeshauptstadt.

Es waren wahrlich perfekte Playoffs, die Graz hingelegt hat. 4:0 gegen den VSV, 4:0 gegen Fehervar AV19, 4:0 gegen Pustertal - ohne Niederlage sind bislang nur die Vienna Capitals 2017 und Red Bull Salzburg 2022 zum Meistertitel marschiert.

In keiner Partie haben die 99ers mehr als zwei Treffer kassiert. Sie stellen mit Lukas Haudum zudem den Playoff-MVP und Liga-Topscorer, mit Paul Huber den besten Playoff-Torschützen und in Form von Nicolas Wieser den besten Tormann der Postseason.

Letzterer strahlte im ORF-Interview: "Es ist unvorstellbar. Es bedeutet mir so viel, dass ich das mit der Mannschaft geschafft habe."

Vom Backup zum "Difference Maker"

Der 28-Jährige war der nominelle Backup hinter Maxime Lagace, absolvierte im Grunddurchgang 15 Spiele. Als sich der Kanadier in Halbfinal-Spiel 3 gegen Fehervar verletzte, war der gebürtige Villacher plötzlich gefragt.

Und der Kärntner verrichtete seinen Job hervorragend. Seine Fangquote lag nie unter 94,3 Prozent, im Schnitt parierte Wieser 96,1 Prozent der Torschüsse und kassierte 1,2 Tore pro Spiel.

Mehrmals konnte er sich im Duell mit Pustertal auszeichnen, und würde es einen MVP-Award nur für die Final-Serie geben, dann ginge dieser wohl an den Tormann.

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Nicolas Wieser war im Finale ein "Difference Maker"
Foto: ©GEPA

Wieser selbst war bemüht, den Fokus von sich selbst wegzulenken: "Die Mannschaft vor mir hat unglaublich gespielt. Sie haben Tore geschossen und viele Schüsse geblockt."

Er hätte probiert, nur "von Spiel zu Spiel" zu schauen, wie es das Klischee eben so will. Wieser: "Ich habe versucht, so trocken wie möglich zu bleiben, nicht zu viel nachzudenken. Das hat gut funktioniert."

Von seinen Teamkollegen wurde der zweifache Nationalteam-Torhüter mit Lob überschüttet. Haudum meinte: "Er hatte letztes Jahr schon genug Drucksituationen. Man vertraut ihm eh schon so sehr, aber er überzeugt und überrascht dann einfach noch mehr."

2024 noch im Tabellenkeller

Vor zwei Jahren war es noch unvorstellbar, dass die 99ers am Ende der Saison 2025/26 als Meister feststehen würden.

Graz beendete die damalige Spielzeit als abgeschlagenes Schlusslicht der Liga, musste einen vollumfänglichen Umbruch einleiten, den Herbert Jerich nach der Übernahme des Präsidenten-Amtes von Jochen Pildner-Steinburg mit großen Investitionen vorangetrieben hat.

Gemeinsam mit Sportdirektor Philipp Pinter, der aus Villach kam, wurde ein schlagkräftiges Team gebildet, das sich letztes Jahr im Viertelfinale den Black Wings Linz in einer Weltrekord-Serie noch geschlagen geben musste.

"Wenn wir bedenken, wo wir letztes Jahr gestanden sind und jetzt unser Hauptziel schon erreicht haben, ist das unbeschreiblich", staunte Haudum.

Irgendwann hat es "Click" gemacht

Die Mannschaft wurde zur heurigen Saison nochmal punktuell verstärkt, während der Spielzeit gelangen mit Verteidiger Kasper Kotkansalo und Kevin Conley zudem zwei absolute Glücksgriffe. Selbiges trifft auf Meister-Coach Dan Lacroix zu, der Harry Lange nachfolgte.

Es kam der Punkt, an dem man gemerkt hat: He, wir sind eine andere Mannschaft als letztes Jahr.

Lukas Haudum

"Das Team war bereits gut", betonte Lacroix und schätzte damit die Vorarbeit Langes. "Aber wir haben auf dem Weg nochmal einen großen Schritt gemacht, haben Schlüsselspieler dazugeholt. Und unsere Goalies waren die besten der Liga."

Auch Haudum spürte, dass es irgendwann "Click" gemacht hat. "Es kam der Punkt, an dem man gemerkt hat: He, wir sind eine andere Mannschaft als letztes Jahr."

"Wir sind verdient Meister"

Und wenn's laft, dann laft's.

Am letzten Spieltag des Grunddurchgangs wurde noch Platz eins erobert, in den Playoffs war gegen die 99ers kein Kraut mehr gewachsen. "Die ersten zwei Runden waren wir schon überlegen, jetzt im Finale nicht mehr", zollte Haudum dem HC Pustertal seine Anerkennung.

"Sie haben eine super Saison gespielt, zwei extrem gute Gegner rausgeworfen. Sie haben so viel richtig gemacht. Der Sweep war vielleicht nicht ganz verdient, aber wir waren eiskalt", so der ÖEHV-Stürmer.

Kapitän Korbinian Holzer ergänzte: "Der Titel ist mehr als verdient. Jede Serie hatte ihren eigenen Reiz, war irgendwo schwer. Ich muss Pustertal auch ein unglaubliches Kompliment machen, die Serie war enger als ein 4:0. Am Ende des Tages sind wir verdient Meister."

Erste Meisterschaft für Captain Holzer

Für den 38-jährigen Deutschen, der im Laufe seiner Karriere über 200 NHL-Spiele bestritten hat, war es der erste Titel in seiner Profi-Karriere.

Es ist mein erster Titel und mir ist scheißegal, in welcher Liga es ist - der Titel ist unglaublich viel Wert für mich.

Kapitän Korbinian Holzer

Ihm fiel es sichtlich schwer, seine Emotionen richtig einzuordnen. "Jeder Meistertitel, egal in welcher Liga, ist schwierig zu holen. Es ist mein erster Titel und mir ist scheißegal, in welcher Liga es ist - der Titel ist unglaublich viel Wert für mich. Es ist unbeschreiblich, was die Mannschaft geleistet hat und wie geil diese Truppe ist."

Die Halbfinal-Serie verpasste der Captain mit einer Lungenentzündung. Lange war unklar, ob er rechtzeitig fit werden würde. "Mir wäre es wurscht gewesen, ich hätte trotzdem im Finale gespielt", sagte Holzer, der es schlussendlich pünktlich zu Spiel 1 geschafft hat.

"Natürlich muss man auf die Gesundheit achten, ich bin auch nicht mehr der Jüngste. Aber die Ärzte haben alles gegeben. Ich habe versucht, so gut wie möglich auszuruhen, habe das eine oder andere Stoßgebet gen Himmel geschickt."

Er sei "unglaublich dankbar", dass seine Teamkollegen im Halbfinale "so einen geilen Job gemacht und mir die Chance gegeben haben", im Finale zu spielen. Nun werde gefeiert, kündigte der Münchner an.

Stolzer Meister-Coach

Die Party wurde noch auf dem Brunecker Eis gestartet, dort wurden auch die ersten Sekt- und Bierduschen verteilt. Ein begehrtes Ziel war Coach Lacroix, dessen Interview von den heranstürmenden Manuel Ganahl und Haudum unterbrochen wurde.

Das machte dem Kanadier nichts aus. "Ich bin so glücklich für die Jungs. Das ist es, warum wir das machen, um eine Meisterschaft zu gewinnen. Man versucht das jedes Jahr", meinte Lacroix im ORF.

"Die Burschen haben so viel Mühen und Engagement reingesteckt. Wir haben uns das ganze Jahr durch viele Widrigkeiten und Verletzungen gekämpft. Großes Lob dafür, auf welche Art sie das gewonnen haben."

Er offenbarte: "In meinem ersten Meeting mit dem Team ging es darum, sich Dinge zu verdienen. Wir mussten uns den Respekt der Leute, der Liga verdienen, auch gegenüber einander." Das ist Graz erfolgreich gelungen.

Richtige Position zur richtigen Zeit

Auch Lacroix ist nun erstmals Meister, verwies aber auf das Team, das die "gesamte Arbeit" geleistet hätte.

Als Herbert und Philipp anruften, dachte ich: Das ist die richtige Position zur richtigen Zeit.

Dan Lacroix

"Natürlich bin ich stolz darauf, dass ich die Möglichkeit hatte, diese Mannschaft zu coachen. Als Herbert und Philipp anruften, dachte ich: Das ist die richtige Position zur richtigen Zeit", so der Kanadier.

Zukunft noch unklar

Wie es mit Lacroix weitergeht, ist laut dessen Angaben noch unklar. "Graz war großartig zu mir und meiner Frau. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt."

Die 99ers würden liebend gerne mit ihm verlängern, Präsident Jerich unterbreitete ihm bereits ein "sehr gutes Angebot". Ob der Meistertrainer, dem laut Jerich "100 weitere Angebote" vorliegen sollen, diese Offerte annimmt, steht noch in den Sternen.

Bevor eine Entscheidung fällt, gibt es am kommenden Sonntag die große Meisterfeier am Grazer Hauptplatz.

Alle EBEL-/ICE-Meister seit der Liga-Neugründung 2003/04

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