Schweres Schicksal für Medvescak Zagreb

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Es bleibt (vorläufig) bei 12 EBEL-Teams: Nach Tagen des Bangens blieb Medvescak Zagreb der Liga erhalten, die Blamage des vorzeitigen Ausstiegs konnte (vorerst) gebannt werden. Ein Blick hinter die Kulissen und die Zukunft:

Good news and bad news kamen für die EBEL zur gleichen Zeit: Während Red Bull Salzburg den Ruf der Liga durch den Aufstieg ins CHL-Semifinale aufwertete, ging es in Kroatien ums Überleben. Liga-Geschäftsführer Christian Feichtinger sah sich mit einem Hilferuf konfrontiert, in Zagreb war Ebbe in der Kasse.

Ungeklärte Schuldfrage

Die offizielle Begründung: Sponsorgelder blieben aus. Nur: Von wem, in welcher Form und durch wessen Verschulden kann natürlich nicht festgestellt werden. Namen wurden von Vereinsseite auch nie genannt. Da es von EBEL-Seite keinerlei Liquiditätsprüfungen gibt, ist man auf die Aussagen der Vereinsvertreter angewiesen. Für die Liga war seit der letzten Saison der Österreicher Michael Markota der Ansprechpartner im Verein. Die Kroaten zeigen jetzt mit Fingern auf ihn, er wiederum besteht darauf, all seinen Verpflichtungen als Sponsor durch seine Firma Alca nachgekommen zu sein.

Welche Rolle spielt die Pleite des Agrarkonzerns Agrokor, der 15 % der gesamten kroatischen Wirtschaftsleistung ausmachte? Wie sahen die Abmachungen mit angeblichen Großsponsoren wie Citroen aus – Absichtserklärungen, ausgehandelte Verträge oder reine Luftschlösser?

Die Hintergründe werden wohl für immer im Dunkeln bleiben, doch die Tatsache ist: Medvescak pfeift vom letzten Loch und das natürlich nicht erst seit Dezember. Den glücklicheren Spielern fehlt ein Monatsgehalt, anderen zwei, dazu kommen noch Außenstände bei Ausrüstern, Hotels und Vermietern – das führte so weit, dass sich Spieler ihre Wohnungen per Airbnb besorgen mussten und jetzt nicht einmal den dafür zugesagten Kostenersatz bekommen. Spieler klagen auch über einen Mangel an Equipment und medizinischer Betreuung.

Abstimmung

Wenig überraschend sprachen sich die EBEL-Vereine in einer Abstimmung gegen einen Ligaausschluss aus. Neun Teams waren für einen Verbleib, eines dagegen, ein Team zog den Schwanz ein und enthielt sich der Stimme. Wie in ähnlichen Fällen von Jesenice und Ljubljana war es letzten Endes wichtiger, ein Team mitzuschleppen als nur mit elf Teams weiterzumachen. Auch der Ligaleitung war das natürlich nur recht: Denn was wäre sonst mit der Bankgarantie von 50.000 Euro passiert? Der KAC, der noch beide Heimspiele gegen die Kroaten zu absolvieren hat, etwa hätte Ansprüche seiner Saisonkartenbesitzer natürlich an die Liga weiterleiten können.

Die wilde Flucht

Auch Head Coach Aaron Fox warf das Handtuch
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Klarerweise suchte jeder Spieler, der eine Alternative hatte, das Weite: Seit Saisonbeginn hat Medvescak 16 Abgänge zu verzeichnen, 13 davon in den letzten beiden Wochen. Einige Cracks (Aviani, Mauldin, Armstrong, Sylvestre) kamen in der Dänemark, Norwegen, der EIHL oder der DEL2 unter, die beiden Defender Tomas Kudelka (Innsbruck) und Yann Sauve (Villach) konnten in der Liga bleiben.

Noch offen sind die neuen Teams der beiden Russen Lemtyugov (sollte ein gutes Team finden) und Lisutin sowie von Verteidiger Deutsch. Torjäger Sondre Olden kuriert noch eine Fingerverletzung aus, wäre danach aber sicher eine gute Aktie am Transfermarkt. Ebenfalls nur mehr auf dem Papier anwesend: Jordan Samuels-Thomas, zuletzt mit gesundheitlichen Problemen.

Mikko Lehtonen ist sicher das bemitleidenswerteste Schicksal in dieser Gruppe: Nach einer langwierigen Handverletzung meldete er sich für das Continental-Cup-Turnier in Belfast zurück, brach sich dort das Bein und musste nach einer komplizierten Operation noch eine Woche im dortigen Krankenhaus verbringen. Den Flug nach Zagreb muss er sich selbst zahlen, jetzt harrt er der Dinge, die da kommen.

Von den Legionären blieb Björn Svensson den Kroaten erhalten – er fand einen schwedischen Einzelsponsor, der ihn über Wasser hält. Ebenfalls noch bis auf Widerruf dabei: Der slowenische Defender Mitja Robar. Powerplay-Experte Kyle Hardy, der sich im ersten Spiel an der Schulter verletzt hatte, kehrt in Kürze zurück und will sich natürlich auch noch für neue Teams ins Schaufenster spielen.

Für alle Abgänge gilt: Die bisherigen Verträge wurden nach einem Zahlungsrückstand von 30 Tagen aufgelöst, die Freigabe war kein Problem. Die ausstehenden Gehälter können die Spieler sicher in den Rauchfang schreiben, Unterstützung durch die Liga ist keine zu erwarten. Erfahrung mit einer derartigen Massenflucht hat Medvescak allerdings schon: Auch im letzten KHL-Jahr ging vor Transferende fast die ganze Mannschaft über Bord.

Neu sind Schwierigkeiten rund um Zagreb jedenfalls nicht. Bereits im Februar 2017 zeichneten sich Probleme ab:

Ausnahmeregelung für Medvescak

Die Punkteregel bzw. die Transferbestimmungen wurde von Seiten der EBEL für Medvescak kurzerhand außer Kraft gesetzt: Die Kroaten durften einheimische Spieler ohne Limit holen, die Höchstgrenze von sechs bzw. sieben Transfers pro Saison gilt nicht für sie. Neue Legionäre dürfen sie aber keine mehr verpflichten.

Woher kamen die neuen Cracks?

Neben Cracks aus dem eigenen Farmteam stießen auch noch Leihspieler von KHL (steht nicht für die russische Liga, sondern für Hockeyklub) Zagreb und Mladost Zagreb dazu. Doch es handelt sich eben um Leihspieler und alle drei Teams brauchen diese Spieler auch noch für den Spielbetrieb in der von Slowenien veranstalteten International Hockey League. Mit deren Hauptspieltag Samstag kommt es zwar vorläufig zu keinen Terminkonfrontationen, doch zu einem prallen Terminkalender: Dieses Wochenende etwa müssen diese Spieler Freitag und Sonntag in der EBEL, am Samstag dazwischen bei ihren Stammteams – und da gegeneinander! - antreten

Bei den ersten beiden Spielen nach dem großen Knall hatte der neue Coach Danijel Kolombo – die alte Coaching-Crew um Aaron Fox und Doug Bradley ging ebenfalls über Bord – noch drei Blöcke zur Verfügung, das wird sich wohl in den nächsten Wochen vor allem bei Auswärtsspielen nur schwer aufrechterhalten lassen.

Wettbewerbsverzerrung?

Bei einem Ausscheiden aus der Liga wären alle bisherigen Resultate von Medvescak gestrichen worden. Das hätte natürlich ein neues Tabellenbild gegeben, ein Team wie Dornbirn etwa wäre um neun Punkte umgefallen. Gerechter wäre es aber allemal gewesen: Jetzt gibt es eben Teams (Dornbirn, Capitals, Linz), die schon dreimal gegen eine noch starke Truppe antreten mussten, der KAC darf sich dagegen als einziges Team der Liga noch auf drei Spiele gegen die Netto-Version freuen.

Wie geht es heuer weiter?

Sollte das Team ungefähr so zusammen bleiben, können sich einige ehrbare Resultate (wie beim 2:3 in Innsbruck) mit klaren Niederlagen (1:7 gegen Znojmo) weiter abwechseln, letzteres dürfte aber weit öfter passieren. Jeder Punktegewinn wäre ein Wunder, nicht alle Wettbüros führen die Spiele von Medvescak noch im Programm.

Natürlich muss jedes Heimteam bangen, ob sich der Medvescak-Bus auch wirklich vor der Halle einparkt, ein weiteres Kommen und Gehen von Spielern ist zu erwarten. Logisch und einigermaßen fair wäre es, wenn nach 44 Runden Schluss wäre – alle Teams der Qualifikationsrunde würden sich relativ nutzlose Spiele und die Reisekosten (Innsbruck, Dornbirn) ersparen.

Das weitere Schicksal von Medvescak:

Das Beispiel von Olympija Ljubljana, das als Leiche für eine weitere EBEL-Saison durchgewunken wurde, beweist: Wenn es um die Erhaltung der Ligaanzahl von 12 Teams geht, haben für die Ligaleitung und die Vereine alle anderen Argumente keine Gültigkeit. Schon als es um die Rückkehr von Medvescak ging, wurden alle Vorbehalte vom Tisch gewischt, einzig Dornbirn sprach sich nach eigenen Aussagen gegen den Wiedereintritt der Kroaten aus.

Freiluftspiele gibt es in Zagreb längst nicht mehr
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Das Wort „Pula“ (nach dem Open-Air-Spektakel vor Jahren) wurde sektenhaft als Gegenargument für jeden Vorbehalt geblökt, alle Probleme (aus einer KHL-Leiche sollte ein gesundes EBEL-Team entstehen) so vom Tisch gewischt.

Ein weiteres Jahr von Medvescak in der Liga würde mich aber ebenso wenig überraschen wie ein Ausscheiden heuer. Schließlich wackelt noch ein weiteres EBEL-Team gewaltig, neue ernstzunehmende Aufnahmekandidaten gibt es derzeit keine.

MAC Budapest, das zwei Jahre hintereinander zugunsten von Ljubljana am Nasenring durch die Manege gezogen wurden, hatte natürlich dann die Faxen dicke und gehört seit letztem Sommer der slowakischen Liga an. Slovan Bratislava, das immer wieder als (natürlich toller) Markt herumgeistert, wird zwar die KHL über kurz oder lang verlassen (müssen), hat aber an der EBEL sicher kein Interesse und würde auch keine Freigabe durch den slowakischen Verband erhalten.

Der 15. Jänner ist für Medvescak und die Liga der nächste Stichtag – das wäre die eigentliche (aber natürlich dehnbare) Meldefrist für die nächste Saison. Können sie auf den heurigen Ruinen eine neue Stadt aufbauen oder ist endgültig Schicht im Schacht? Die Überlebenskünstler der letzten Jahre sind derzeit jedenfalls am Tiefststand ihrer wechselvollen Geschichte angelangt…

Textquelle: © LAOLA1.at

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