Wie den EBEL-Teams Spieler angeboten werden

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Nach dem vorzeitigen Saison-Ende in der EBEL starten trotz der Corona-Pandemie die Planungen für das kommende Spieljahr 2020/21. Wenn auch unter völlig neuen Voraussetzungen, mit vielen Unsicherheitsfaktoren und jeder Menge Fragezeichen. Dennoch: Jetzt ist die Zeit, wo diverse Agenten den Vereienen ihre Klienten anbieten.

Ein Blick von LAOLA1-Experte Bernd Freimüller hinter die Kulissen, was solche Offerte betrifft.

Wie stellen Agenten ihre Klienten vor? Meist im Erst-Kontakt per E-Mail, doch da können die Unterschiede gewaltig sein:

Die Massenaussendung

Einige Agenten schicken an alle Teams – egal ob EBEL oder andere Länder – ihre gesamte (vorläufige) Klienten-Liste, das meistens im Februar oder März. Das hat natürlich den Vorteil, dass man für den Fall der Fälle schon weiß, wer von wem vertreten wird, sorgt aber bei einigen Vereins-Vertretern für zu viel Optimismus.

Ein Goalgetter aus der KHL wird Dornbirn angeboten? Ein DEL-Top-Verteidiger den Innsbrucker Haien? Nur willkürliche Beispiele, aber wenn man diese Massenaussendungen wörtlich nimmt, kann man einige Zeit damit vergeuden.

Ich selbst habe schon den einem oder anderen Manager schonend beibringen müssen, dass gewisse Spieler sicher nicht nach Österreich in die EBEL kommen, selbst wenn man eine Bank ausraubt oder im Lotto gewinnt. Diese Listen spiegeln halt nur den Gesamt-Klientenstand wider.

Bei Großanbietern - wie etwa Patrick Pilloni, Optima Sports (in Österreich durch den ehemaligen Bozen-Coach Pat Curcio vertreten) oder dem Duo Derek Bekar und Jason Krog - kommen hier natürlich Dutzende oder gar Hunderte von Spielern zusammen.

Dass Spieler von mehreren Klienten angeboten werden, gehört auch schon zum Daily Business. Das kann durchaus okay gehen (eine Agentur wird von mehreren Agenten repräsentiert), oft auch wieder nicht und der Klub-Manager muss dann mühevoll herausfinden, auf wen der Spieler denn wirklich setzt. Erfahrene Manager wissen mit der Zeit, wer von den beiden angeführten Agenten eher der richtige und wer der Trittbrettfahrer ist.

Allerdings kommt es auch vor, dass Spieler mehrere Repräsentanten beauftragen bzw. nicht den Mut haben, jemandem abzusagen

Aussendungen nach Ligen

Einige Agenten geben sich schon mehr Mühe, schicken ihre Klienten nach Ligen getrennt aus oder machen zumindest Anmerkungen ("Spieler X nur SHL oder Schweiz"). Das hilft schon erheblich weiter.

Die Agenten unterscheiden sich natürlich auch in den Profilen ihrer Spieler: Die einen hängen Highlight-Videos an, beschreiben die (angeblichen) Stärken des Spielers oder begnügen sich nur mit Eliteprospects-Links.

Wer Spielerbeschreibungen durch Agenten ernst nimmt, ist selbst schuld, die sind ja ihren Klienten und keineswegs der Wahrheit verpflichtet. Auch hier gilt natürlich "Wer nicht wirbt, der stirbt", Übertreibung und Zuspitzung sind angesagt. Ein Crack, der heuer 70 Mal in der ECHL und einmal in der AHL gespielt hat, wird dann als AHL-Spieler angepriesen.

Mir persönlich genügten immer Name und der letzte Verein, alles andere ist Sache der Recherche. Vereins-Vertreter, die Agenten-Aussagen eins zu eins übernehmen und dann auf die Schnauze fallen, sind so wie Gebrauchtwagen-Käufer, die auf eine Kauf-Überprüfung verzichten.

Direkt-Kontakte zu Teams

Natürlich sind direktere Kontakte bei einigen Agenten die Regel, entweder per Mail, Telefon oder im persönlichen Gespräch. Vor allem die einheimischen Top-Agenten (Pilloni, Martin Krainz oder Bernd Brückler) kennen die Spielstärken und vor allem die finanziellen Gepflogenheiten. Über Peter Schneider braucht man mit Innsbruck sicher nicht zu sprechen, umgekehrt mit Salzburg auch nicht über Sam Antonitsch.

Auch die Eigenheiten der Teams kennen diese Leute besser als ihre ausländischen Kollegen. Wenn Wien etwa während der Saison nicht über Vertrags-Verlängerungen sprechen will, ist das ihr gutes Recht und ein tägliches Buserieren würde da nicht weiterhelfen. Umgekehrt ist es natürlich die Pflicht der Agenten, dann für diese Spieler Angebote von Teams einzuholen, die proaktiver reagieren und wenn der Spieler eines davon annimmt, ist er halt weg vom Markt, vor allem, wenn auf nochmalige Anfrage endgültig kein Gegenangebot kommt.

Oft sickern Vertrags-Abschlüsse durch, gewisse Meldungen ("Peter Schneider fix in Salzburg") sollten aber nicht ungeprüft weitergegeben werden.

Auch einige ausländische Agenten wie Jason Krog oder die Deutschen Klaus Hille oder Michael Bühler pflegen einen engen Draht zu einigen EBEL-Teams. Wenn aber über längere Zeit keine Zu- und Absagen kommen, kann dieser Kontakt auch wieder abnehmen.

Nicht jeder EBEL-Manager versteht, dass ein gutes Verhältnis mit Agenten unerlässlich ist, ganz egal was man von diesem Berufsstand hält. Natürlich kann nicht jedes Angebot beantwortet werden, schon gar keine Massensendungen, aber ein "Sind nicht interessiert" sollte bei konkreten Angeboten allemal drinnen sein.

Was jetzt im Sommer oft passiert: Agenten, von denen man noch nie gehört hat, melden sich mit ihren Klienten. Das kann durchaus interessant sein (Die Spink-Brüder!), aber auch manchmal verwegen. Wenn dir polnische Spieler im Paket angeboten werden, darunter ein 31-jähriger Stürmer aus der dritten slowakischen Liga, bringt das keine der beiden Seiten weiter und zeigt nur, dass ein Agent die Spielstärke der Liga nicht einschätzen kann.

Direktanfragen

Dazu passend auch E-Mails, die direkt von Spielern kommen. Dabei fallen mit immer wieder Anfragen aus Russland auf und die sind oft herzzerreißend, da man merkt, wieviel Hoffnung in so einer E-Mail steckt. In meist holprigem Englisch wird auf bisherige Erfolge hingewiesen ("Russischer Regionalmeister 2014/15"), vielleicht ein Trainingsvideo beigelegt und um ein Probetraining angesucht.

Natürlich kann das nie und nimmer ein Thema sein. Teams wären natürlich froh, wenn Klassespieler ohne Agenten daherkämen, um sich so die Vermittlungs-Gebühr zu sparen, nur das passiert in der Realität halt so gut wie nie. Ich würde diese Mails kurz abschlägig beantworten, kann aber auch verstehen, wenn sich jemand diese Arbeit nicht antut.

Am Telefon wird das schon unangenehmer, da zeitraubender. Wenn dir dann ein Vater eines slowakischen Junioren-Spielers erzählt, dass sich die ganze Welt gegen seinen Sohn verschworen hätte und er deswegen nie in der ersten Mannschaft zum Einsatz käme, aber ein Top-EBEL-Legionär wäre, musst du irgendwann bei aller Freundlichkeit das Gespräch abbrechen.

Angebote nach Ländern

Einer der Hauptgründe, warum vor allem die meisten Imports aus Nordamerika kommen: Von dort werden halt auch die meisten Spieler angeboten.

Bei großen Agenturen arbeiten natürlich - und eigentlich vor allem - schwedische, finnische und tschechische Agenten. Diese bieten aber nur (meist über ihre Kollegen in Österreich oder seltener direkt) Spieler an, die in ihren Ländern keine Jobs mehr finden. Ausnahmen sind Agenten, die länger in diesen Ländern gespielt haben, Bernd Brückler etwa verfügt über ein großes finnisches Portfolio.

Umgekehrt hilft es natürlich, wenn ein Sportdirektor in diesen Ländern gut vernetzt ist. Das gilt etwa in Mannheim für Jan-Axel Alavaara oder für Jens Gustafsson in Graz, die vor allem den finnischen oder schwedischen Markt genau kennen. In Graz etwa waren der Großteil der Imports in letzter Zeit daher entweder Schweden, Spieler die dort gespielt haben oder zumindest schwedische Agenten haben.

Gerade weil die EBEL-Saison so abrupt endete, hat die Saison 2020/21 hinter den Kulissen schon früher Priorität. So hat Salzburg bereits 18 Spieler im Kader für die kommende Spielzeit fixiert.

Dass ich dieses Wochenende nach einigen ruhigeren Tagen meine Legionärs-Empfehlungsliste auf den neuesten Stand gebracht habe, war da nur einer von mehreren Aufgaben für die nächsten Monate...

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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