Mit viel Leidenschaft begeisterte der Senegal bei der WM 2002 in Südkorea und Japan die Fußballwelt.
Gleich im WM-Eröffnungsspiel schlagen die Westafrikaner Titelverteidiger Frankreich mit 1:0. Besonders Torschütze Papa Bouba Diop, der 2022 viel zu früh an einer Nervenkrankheit verstirbt, erlangt bei dieser WM Legendenstatus.
Trotz Unterzahl folgt danach im zweiten Gruppenspiel ein 1:1 gegen Dänemark. Ein Punkt reicht dem Senegal folglich, um ins Achtelfinale einzuziehen. Zwar machen es die "Teranga-Löwen" gegen Uruguay spannender als nötig, nachdem man nach einer 3:0-Führung noch 3:3 spielt, am Ende erreicht man aber ungeschlagen das Achtelfinale.
Dort schaltet man dann auch noch Schweden dank eines Golden Goals von Henri Camara mit 2:1 aus.
Erst im Viertelfinale scheitern die Afrikaner nach einem Golden Goal mit 0:1 an der Türkei.
#9: Nordkorea (1966)
Out im Viertelfinale
Lediglich zwei Mal qualifizierte sich Nordkorea für eine WM-Endrunde (1966, 2010).
Bei ihrer WM-Premiere 1966 in England sorgen die Nordkoreaner aber für eine der größten Überraschungen in der WM-Geschichte:
Nach einer 0:3-Pleite gegen die Sowjetunion und einem späten 1:1 gegen Chile wartet das entscheidende Gruppenspiel um den Aufstieg gegen Italien - dort gelingt den Nordkoreanern ein sensationeller 1:0-Sieg.
Pak Doo-ik erzielt den entscheidenden Treffer gegen die "Squadra Azzurra" und bereitet Nordkorea damit den Sprung unter die Top-8 der Welt. Es ist Nordkoreas bisher einziger Sieg bei einer WM.
Im Viertelfinale ist man zwar knapp an der nächsten Sensation dran, führt gegen Portugal zwischenzeitlich mit 3:0, am Ende verliert Nordkorea aber noch 3:5 und muss damit die Heimreise antreten.
#8: Kamerun (1990)
Out im Viertelfinale
Noch bevor es der Senegal 2002 bis ins WM-Viertelfinale schafft, durchbricht Kamerun diese Barriere als erstes afrikanisches Team bei der WM 1990 in Italien.
Gleich im ersten Spiel zeigen die "Unbezähmbaren Löwen", dass mit ihnen nicht zu spaßen ist: Im WM-Eröffnungsspiel schlägt Kamerun WM-Titelverteidiger Argentinien und Diego Maradona dank des Treffers von Francois Omam-Biyik mit 1:0.
Im folgenden Spiel wird Rumänien durch einen Roger-Milla-Doppelpack mit 2:1 besiegt, womit der Sprung ins Achtelfinale fixiert wird.
In der ersten K.o.-Runde heißt der Gegner Kolumbien. Wieder ist es Roger Milla, der in der Verlängerung doppelt einnetzt und Kamerun mit 2:1 ins Viertelfinale schießt.
Auch im Viertelfinale hält Kamerun gut mit England mit, schafft es sogar in die Verlängerung, verliert letztlich aber 2:3.
#7: Türkei (2002)
Out im Halbfinale (3. Platz)
Für die Türkei ist die WM 2026 die erste seit 24 Jahren. Bei der letzten WM-Teilnahme 2002 hat man aber eindrucksvoll gezeigt, wie weit die Reise gehen kann.
Bereits in der Auftaktpartie gelingt gegen den späteren Weltmeister aus Brasilien beinahe ein Punktgewinn (1:2).
Es folgt ein mäßiges 1:1 gegen Costa Rica. Dank eines 3:0-Pflichtsiegs über China löst die Türkei als Gruppenzweiter hinter Brasilien aber doch noch das Achtelfinal-Ticket.
Danach starten die Türken ein Lauf: Im Achtelfinale wird Co-Gastgeber Japan dank des Treffers von Ümit Davala mit 1:0 besiegt. Nach einem weiteren 1:0-Sieg über den Senegal steht die Türkei dann plötzlich sogar im Halbfinale. lhan Mansız gelingt das entscheidende Golden Goal.
Im Halbfinale müssen die Türken ihren Titeltraum jedoch begraben: Wieder sind die Brasilianer eine Nummer zu groß, dieses Mal verliert man 0:1.
Letztlich belohnen sich die Türken aber mit einem 3:2-Sieg gegen Co-Gastgeber Südkorea im Spiel um Platz drei. Hakan Sükür erzielt in jenem Spiel nach nur elf Sekunden das (noch immer) schnellste Tor der WM-Geschichte.
#6: Kroatien (2018)
Finale
Gespickt mit Topstars wie Luka Modric, Ivan Rakitic, Mario Mandzukic oder Ivan Perisic fährt Kroatien mit großen Erwartungen zur WM 2018 in Russland - dass die Reise allerdings bis ins Finale gehen sollte, ist durchaus als Überraschung zu bewerten.
Schon in der Gruppenphase zeigt Kroatien, welch gute Mannschaft sie haben. Auf einen 2:0-Sieg gegen Nigeria folgt am zweiten Gruppenspieltag ein überzeugender 3:0-Sieg gegen Lionel Messis Argentinien. Auch das dritte Gruppenspiel gewinnt Kroatien mit 2:1 gegen Island.
In der K.o.-Phase glänzen die Kroaten dann vor allem durch ihre Nervenstärke: Sowohl im Achtelfinale gegen Dänemark als auch im Viertelfinale gegen Gastgeber Russland gelingt Kroatien im Elfmeterschießen der Aufstieg.
Im Halbfinale wartet mit England ein härterer Gegner. Zwar gerät man gegen die "Three Lions" früh in Rückstand, Ivan Perisic und Mario Mandzukic drehen jedoch die Partie. Dank eines 2:1-Siegs nach Verlängerung gelingt Kroatien erstmals in der Verbandsgeschichte der Einzug ins WM-Finale.
Im Endspiel endet der Traumlauf allerdings. Gegen Frankreich verliert man 2:4. Als Trost wird Luka Modric, der Dreh- und Angelpunkt des kroatischen Spiels, zum besten Spieler der WM gewählt.
#5: Costa Rica (2014)
Out im Viertelfinale
Bei der WM 2014 wartet mit Italien, England und Uruguay eine wahre "Hammergruppe" auf Costa Rica - aus der am Ende der Fußball-Zwerg aus Mittelamerika sensationell als Sieger hervorgehen sollte.
Schon zum Auftakt gibt es mit dem 3:1-Sieg über Uruguay die erste dicke Überraschung. Es folgt eine noch größere Sensation: Ein 1:0-Sieg gegen Italien führt Costa Rica vorzeitig ins Achtelfinale. Bryan Ruiz gelingt das entscheidende Tor.
Nach einem 0:0 gegen England sichert sich Costa Rica sogar den Gruppensieg.
Im Achtelfinale wartet mit Griechenland ein vergleichsweise leichterer Gegner. Nach 120 Minuten steht es 1:1, dank der Nervenstärke im Elfmeterschießen schafft Costa Rica dann auch den erstmaligen Einzug in ein WM-Viertelfinale.
Auch im Viertelfinale hält man lange gut mit den Niederlanden mit, schleppt sich wieder bis ins Elfmeterschießen, zieht dort jedoch den Kürzeren.
Ein großes Sprungbrett ist die WM unter anderem für Keylor Navas, der zum besten Torhüter des Turniers gewählt wird. Folgerichtig kommt es einen Monat danach zum Wechsel zu Real Madrid.
#4: Bulgarien (1994)
Out im Halbfinale (4. Platz)
Ohne einen einzigen Sieg bei den vorherigen fünf WM-Teilnahmen reist Bulgarien zur WM 1994 in die USA.
In den Staaten gibt es zum Auftakt gegen Nigeria noch einen klaren Fehlstart (0:3), mit dem deutlichen 4:0-Sieg gegen Griechenland am zweiten Gruppenspieltag löst sich aber offenbar der Knoten.
Es folgt ein 2:0-Sieg gegen Vize-Weltmeister Argentinien - wenige Stunden nach der Doping-Affäre von Maradona -, der Bulgarien ins Achtelfinale führt.
In der K.o.-Phase wird der Lauf fortgesetzt: Nach einem Sieg im Elfmeterschießen gegen Mexiko fixieren die Bulgaren den Viertelfinaleinzug.
Dort gibt es gegen Deutschland die große Sternstunde: Bulgarien dreht einen 0:1-Rückstand, bezwingt den amtierenden Titelverteidiger 2:1 und zieht ins Halbfinale ein. Hristo Stoichkov und Yordan Lechkov erzielen die Tore.
Erst im Halbfinale ist nach einer 1:2-Niederlage gegen Italien Endstation. "Nationalheld" und Barcelona-Star Stoichkov wird am Ende mit sechs Toren Torschützenkönig des Turniers und wird noch im selben Jahr mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet.
#3: BR Deutschland (1954)
Weltmeister
Zum Favoritenkreis für den WM-Titel zählt Deutschland heutzutage eigentlich immer. Doch vor 72 Jahren wird der Titel im Vorfeld der WM 1954 kaum für möglich gehalten.
Erstmals nach dem zweiten Weltkrieg darf die DFB-Elf wieder an einer WM teilnehmen und startet mit einem 4:1-Sieg gegen die Türkei in die Gruppenphase.
Zwar kassiert man danach gegen den absoluten WM-Favoriten aus Ungarn eine 3:8-Klatsche, im Entscheidungsspiel um die Finalrunde setzt sich die DFB-Auswahl gegen die Türkei aber klar mit 7:2 durch und steigt auf.
Im Viertelfinale gibt es für die Deutschen dann einen hart erkämpften 2:0-Sieg über die Sowjetunion, womit sie sich ein Halbfinal-Duell mit Österreich erkämpfen.
Österreich gilt als Favorit, doch Deutschland überrascht Ernst Ocwirk, Ernst Happel und Co. in Basel mit einem deutlichen 6:1-Sieg.
Noch größer ist die Sensation, die im Finale gelingt: Ungarn ist haushoher Favorit, hat seit vier Jahren kein Spiel mehr verloren und untermauert seine Favoritenrolle mit einer 2:0-Führung nach lediglich acht Minuten.
Doch Deutschland schlägt zurück, gleicht rasch durch Max Morlock und Helmut Rahn aus. In der 84. Minute macht Rahn das "Wunder von Bern" perfekt und schießt die Bundesrepublik mit seinem 3:2 zum ersten Weltmeister-Titel.
#2: Marokko (2022)
Out im Halbfinale (4. Platz)
Für die größte afrikanische Sternstunde bei einer Fußball-WM sorgt im Winter 2022 Marokko.
Die erstaunliche Reise der Marokkaner beginnt in der Gruppenphase mit einem torlosen Remis gegen Vize-Weltmeister Kroatien. Mit einem 2:0-Sieg über Belgien folgt die erste dicke Überraschung der "Löwen vom Atlas". Ein 2:1-Sieg gegen Kanada besiegelt mit sieben Punkten den Gruppensieg.
Die Nordafrikaner setzen ihren Siegeszug in der K.o.-Phase fort und werfen gleich zwei europäische Schwergewichte aus dem Turnier.
Zunächst wird Spanien im Achtelfinale eliminiert. Nach 120 torlosen Minuten setzt sich Marokko im Elfmeterschießen 3:0 durch. Topstar Achraf Hakimi verwertet den entscheidenden Elfmeter.
Dank einer taktischen Meisterleistung schmeißt Marokko danach Portugal mit 1:0 raus. Youssef En-Nesyri gelingt der einzige Treffer der Partie, der Marokko zugleich als erstes afrikanisches Team den Einzug in ein WM-Halbfinale beschert.
Erst Frankreich stoppt im Halbfinale den Erfolgslauf von Marokko (0:2). Im Spiel um Platz drei unterliegt man dann auch noch Kroatien 1:2.
#1: Südkorea
Out im Halbfinale (4. Platz)
Es ist der umstrittenste, aber auch der sensationellste WM-Lauf der Historie!
Gemeinsam mit Japan ist Südkorea 2002 Co-Gastgeber der Weltmeisterschaft. Diese beginnt gleich mal mit einer besonderen Premiere für die Hausherren aus Südkorea: Bei der sechsten WM-Teilnahme gelingt im ersten Gruppenspiel gegen Polen auch endlich der erste Sieg (2:0).
Nach einem 1:1 gegen die USA wird die Gruppenphase dank des späteren Manchester-United-Profis Ji-Sung Park mit einem 1:0-Sieg gegen Portugal abgeschlossen. Damit wird nicht nur Portugal eliminiert, sondern auch der Gruppensieg fixiert.
Südkoreas Erfolgslauf setzt sich im Achtelfinale unter höchstumstrittenen Bedingungen fort: Beim 2:1-Sieg über Italien sind die Augen nach einem umstrittenen Platzverweis gegen Francesco Totti und einer strittigen Abseitsentscheidung auf den ecuadorianischen Schiedsrichter Byron Moreno gerichtet. Südkorea nimmt die Chance dankend an und steigt durch das Golden Goal von Jung-hwan Ahn auf.
Im Viertelfinale wird mit Spanien das nächste europäische Schwergewicht rausgeschmissen - erneut nach krassen Fehlentscheidungen. Zwei zu unrecht aberkannte Treffer der Spanier sorgen für den nächsten Skandal. Südkorea setzt sich im Elfmeterschießen letztlich 5:3 durch.
Erst im Halbfinale endet der Titeltraum gegen den späteren Vize-Weltmeister Deutschland (0:1).
Die Erfolge Südkoreas bei der Heim-WM 2002 werden aber für ewige Zeiten mit einem äußerst bitteren Beigeschmack verbunden sein.