Jetzt aber endlich ins Stadion. Das SoFi-Stadium hat eben nicht nur ein riesiges Vermögen gekostet, sondern in den vergangenen Jahren diverse Preise gewonnen. Und dennoch verzichtet diese bescheidene Hütte auf den Namen "Arena". Liebe Grüße nach Wien-Favoriten und Wals-Siezenheim.
Die Fotos und imposanten Zahlen im Internet bereiten dich nicht einmal annähernd auf den Moment vor, an dem du dieses unglaubliche Bauwerk dann wirklich vor dir hast. Auf den ersten Blick sind die neun Ränge auf den Längsseiten kaum zu erfassen, ich zähle über 80 Sitzreihen. Oben das Dach, unten das Spielfeld, du irgendwo dazwischen. Wie ein Gurkerl in einem richtig fetten, spektakulären Burger.
Mini-Teppiche unter tiefhängenden Pissoirs
Da fühlst du dich ganz, ganz klein. Abhilfe verschafft das Pissoir, das kurioserweise knapp unter Kniehöhe hängt – und einen kleinen Teppich vorgelegt hat. Nobel geht die Welt zugrunde.
Weit über dem Rasen schwebt ein Ding, dem der Name Videowürfel nicht im Ansatz gerecht wird. Es ist eine Video-Krone in der Größe des Feldes. Das Ding wiegt 1.000 Tonnen und hat 80 Millionen Pixel.
Nieder mit der Pressbox!
So weit, so atemberaubend. Doch dann folgt der ganz große Downer. Auf der Suche nach dem zugewiesenen Sitzplatz sind viele Aufzugfahrten vonnöten.
Und dann das! Die Pressbox ist in einem geschlossenen Raum, die Aussicht aufs Feld hinter Glas. Stimmung adé. Wenn das Stadion der Himmel ist, ist die Pressbox zumindest das Fegefeuer. So enttäuscht war ich zum letzten Mal mit acht Jahren, als mir klar wurde, dass es das Christkind gar nicht gibt, oder mit 14, als mir gedämmert ist, dass Pamela Anderson vermutlich nicht meine Frau wird.
Also wieder raus aus der Pressbox auf die Tribüne. Diesmal über die Stufen, der ein oder andere US-Amerikaner ist ob dieser Routenwahl zumindest verdutzt, eher aber irritiert.
Du weißt, was du kriegst
Es folgt die Show.
Hymne, Jets, "USA, USA, USA!"-Rufe – ist alles genauso pathetisch, wie man sich das vorstellt. Aber gut, man weiß eben genau, was man bekommt.
Ist ja in Wien mit dem überteuerten Innenstadt-Schnitzel, in München mit den Besoffenen am Oktoberfest und auf Ibiza mit den Schickimickis auch nicht anders. Wirkt von außen seltsam, wenn man mittendrin ist, ist es dann doch irgendwie stimmig.
Halle Berry am Video-Ungetüm, Katy Perry am Mittelkreis, fehlt nur noch Abu. Aber der ist nicht in Los Angeles, sondern auf dem Weg nach Salzburg.
Wie nach einem anständigen Neocitran-Paracetamol-Cocktail
Aus arbeitstechnischen Gründen muss das Spiel dann aber doch in dieser vermaledeiten Pressbox verfolgt werden.
Beim 1:0 vibriert der ganze Raum. Aber sonst kommt das alles nur sehr gedämpft an, wie im Krankenbett nach einem anständigen Neocitran-Paracetamol-Cocktail. Fühlt sich geil an, aber irgendwie auch so, als wäre man gar nicht richtig dabei.
Die USA spielen jedenfalls groß auf. "De haum’s auf siaß", sagt man auf den Wiener Fußballplätzen zu dem, was die Gastgeber über weite Strecken mit den orientierungslosen Paraguayern veranstaltet haben.
Schnell aufs Klo, lieber kein Bier kaufen
Auffällig war während der gesamten Veranstaltung die Reaktionsschnelligkeit des US-Publikums.
Nach der Hymne, in den Trinkpausen, in der Pause – Amerikaner springen gerne von ihren Plätzen auf und sprinten zu Toiletten – auch das ist Dehydration.
Hydration wiederum ist ein kostspieliges Unterfangen. Coca Cola um 8 Dollar, importiertes Bier um läppische 21,5 Dollar.
Trump telefoniert
Donald Trump hätte sicher gratis getrunken, war aber gar nicht da - im Gegensatz zu 70.492 anderen. Er hat mit dem US-Team einige Stunden vor dem Spiel telefoniert.
Das ist in etwa so, als ob du die Mama am Muttertag nur anrufst, obwohl sie zwei Gassen weiter wohnt.
Das Verhältnis zwischen dem SoFi-Stadium und mir ist anders, ich muss nämlich bis nach Santa Barbara. Während New York die Stadt, die niemals schläft, ist, ist Los Angeles die Stadt, in der es immer staut. Zweieinhalb Stunden später ist der Ausflug dann vorbei.