#1 - "Trinkpausen" ändern die Richtung
Die wohl größte Änderung dieser WM sind die sogenannten "Hydration Breaks". Eingeführt wurden sie - laut der FIFA - wegen der hohen Temperaturen in Nordamerika. Doch auch bei knapp 22 Grad oder einem klimatisierten Stadion gibt es sie bei dieser WM.
Was den TV-Sendern durch Werbepausen mehr Geld bringt, bietet auch Chancen für die Mannschaften.
In den ersten 24 Partien kam es bereits einige Male dazu, dass sich das Momentum nach einer "Trinkpause" verschob. Etwa bei Japan, das kurz nach der Trinkpause in Halbzeit zwei ausglich und fünf von sieben Schüssen danach hatte.
Bosnien-Herzegowina fiel sie zum Nachteil. Kurz nach der Führung gegen Kanada ging es in die Trinkpause, wonach der Gegner zurück ins Spiel fand und anschließend mehr und mehr Kontrolle ausübte.
Das Match-Momentum kippte bei 14 der 48 Trinkpausen in Runde eins. Dabei wurden die zehn Minuten vor und nach der Pause ausgewertet.
Frankreichs Teamchef bringt die taktischen Risiken und Chancen bei einer Trinkpause auf den Punkt: "Das ist eine gute Sache, das steht außer Frage. Aber es führt dazu, dass das Spiel unterbrochen wird, und wenn man sich in einer starken Position befindet, muss man nach dieser Pause wieder ins Spiel kommen."
#2 - Ist der Standard-Hype vorbei?
Hat es die FIFA mit ihren Regeländerungen tatsächlich geschafft, Standardsituationen zu entschärfen?
Vor Eckbällen oder Einwürfen bleibt den ausführenden Spielern nun weniger Zeit - darunter scheint auch die Gefährlichkeit zu leiden.
13 Tore fielen in der ersten WM-Runde nach ruhenden Bällen (vier Elfertore exkludiert) - also über 17 Prozent aller 75 Erstrunden-Tore. Bei der WM 2022 in Katar, als im Vergleich zu 2018 bereits weniger Standardtore fielen, waren es 24 Prozent.
WM | Tore (durch Standards) | Anteil |
|---|---|---|
2018 | 169 (51) | 30 % |
2022 | 172 (42) | 24 % |
2026 (1. Runde) | 75 (13) | 17 % |
Ist dieser Rückgang mit den Zeitspiel-Regelungen verbunden? Vielleicht.
Andererseits ist es aber gut möglich, dass Standardtore in den kommenden Runden - und insbesondere der K.o.-Phase - wieder zunehmen.
Wie Standards die WM 2026 entscheiden können >>>
#3 - Die Kunst der Distanzschüsse
Sieben Schüsse von außerhalb des Sechzehners landeten in der ersten Runde im Tor. Das ist selbst bei 24 Spielen ein ziemlich hoher Anteil.
Diese Entwicklung ist wohl weniger mit taktischen Anweisungen oder dem Ball zu erklären. Gerade das Spielgerät sollte ob des hohen Luftwiderstandes eigentlich weniger gut geeignet für Weitschüsse sein.
Viel eher liegt es an der individuellen Klasse der Schützen, wie beim ersten WM-Tor von Romano Schmid gegen Jordanien. Oder an Torwart-Fehlern (Luca Zidane gegen Lionel Messi).
#4 - Schwächere Teams = mehr Tore?
Geht es so weiter wie in Runde eins, erwarten uns 325 Tore bei dieser Weltmeisterschaft!
Das wäre der Höchstwert aller WMs, was aber natürlich auch mit dem Anstieg der Spiele (104) zusammenhängt. In Runde eins fielen pro Partie 3,1 Tore, was den höchsten Schnitt an Toren seit der WM 1958 (3,6) bedeutet.
Woran das liegt? Natürlich an der Erweiterung des Turniers auf 48 Teilnehmer. Damit steigt auch der Qualitätsunterschied, wie bei Deutschland gegen Curacao (7:1) oder Norwegen gegen Irak (4:1) ersichtlich.
Andere Nationen, wie Katar (zumindest in der ersten Runde), DR Kongo oder Kap Verde sorgten hingegen für Überraschungen. Doch auf lange Sicht kann man von klaren Ergebnissen ausgehen, wenn der Kader einer Nation marktwerttechnisch nicht einmal an den Topspieler des Gegners rankommt.