Wie ist Alleskönner Messi zu stoppen? "Er bewegt sich extrem variabel. Er ist überall am Feld – er überlagert im Zentrum, dann lässt er sich wieder fallen. Deswegen würde eine Manndeckung auch keinen Sinn machen. Ihm nachzulaufen, ist unmöglich", erklärt Oesen.
Restangriff statt Restverteidigung
Sein Rezept: "Du musst ihn extrem nah markieren, musst Mehrkämpfe herstellen, um als einzelner Spieler im Duell mehr Risiko nehmen zu können. Er wird die eine oder andere Situation bekommen. Da müssen wir richtig eng am Mann sein und den freien Schuss verhindern."
Dass der Weltstar nicht übermäßig motiviert ist, am Defensivspiel seiner Mannschaft teilzunehmen, mache ihn noch einmal besonders gefährlich.
Oesen: "Er hat im Spiel gegen den Ball nicht seine größten Stärken, ist dadurch aber extrem gefährlich, weil er sich in eine Position begibt, in der er in dem Moment, in dem du den Ball verlierst, schon die perfekte Umschaltposition einnimmt. Man spricht oft über Restverteidigung, er bildet den Restangriff. Das macht es schwierig, in der Positionierung mutig zu sein, weil du immer im Hinterkopf haben musst, dass er bei einem Ballverlust in einer guten Position ist."
Keine Extra-Sitzung wegen Messi
Es werde "keine Sitzung über Lionel Messi geben", kündigt er an. Argentinien hat abgesehen von ihm immerhin jede Menge weitere Spiele von Weltklasse-Format aufzubieten.
Der Co-Trainer hebt vor allem die Mittelfeld-Zentrale hervor.
"Die haben auch keinen Spaß, wenn sie gegen uns Fußball spielen müssen!"
"Der Fußball ist durch ihre extreme Ballkontrolle fast einschläfernd für den Gegner. Rodrigo De Paul, Enzo Fernandez und Alexis Mac Allister kontrollieren das Zentrum und das Tempo – das sind die Dirigenten. Innerhalb von einer Situation beschleunigen sie dann das Tempo. Es ist wichtig, permanent auf Spannung zu sein, permanent Druck auf den Ball zu machen", sagt er.
Das Zentrum als Fokuspunkt. "Argentinien kann perfekt durchs Zentrum kombinieren. Es gab Szenen, da war die Mitte eigentlich zu, dann schießt de Paul den Ball einfach quer an sechs Spielern vorbei und Messi dreht dort auf. Der Druck und die Kompaktheit in unserem Netz werden extrem wichtig sein", so Oesen.
Eklig, wie immer
Das ÖFB-Team will mit seiner altbekannten Spielweise richtig unangenehm sein. "Wir wollen es ihnen so eklig wie möglich machen. Die haben auch keinen Spaß, wenn sie gegen uns Fußball spielen müssen", kündigt Konrad Laimer an.
Pressing, ständiger Druck, und dann im Idealfall zuschlagen.
"Es liegt uns, wenn es Räume und Umschaltsituationen gibt, dadurch definieren wir uns ja auch. Wenn wir vertikal spielen, können wir das ausnutzen. Argentinien ist eine Ballbesitz-Mannschaft, da wittern wir in dem Moment, in dem wir den Ball kriegen, die Chance, weil wir die erste und zweite Welle im Konter forcieren werden", erklärt Oesen.
Kühlen Kopf bewahren
Goalie Alexander Schlager ergänzt: "Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren, den Fokus auf uns behalten. Wenn wir sie unter Druck setzen, werden wir es immer wieder schaffen, gegen den Ball Überzahlsituationen herzustellen, dann kann man sie auch zu Fehlern zwingen. Das sind auch nur Menschen. Wir können als Mannschaft dagegenhalten."
Das Selbstvertrauen ist da. Das Bewusstsein um die Komplexität und Schwierigkeit dieser Aufgabe auch.
Am Sonntag wird die Welt auf das ÖFB-Team schauen.
"Mit diesen Spielern willst du dich auf dieser Bühne messen", freut sich Laimer darauf.