"Für den Fitnesszustand ist erstens jeder Spieler selber und zweitens die Vereine zuständig"
Rangnick weiter: "Nach meiner Erfahrung kannst du bei so einem Turnier im Training eher zu viel, als zu wenig machen. Für den Fitnesszustand ist erstens jeder Spieler selber und zweitens die Vereine zuständig."
Wo ist das Pressing hin?
Ein Kritikpunkt, den auch die Spieler selbst geäußert haben, ist der Umstand, dass der intensive, aggressive Spielstil, der dieses Team in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hat, bei der WM bisher nur äußerst selten zu sehen war.
Der für die Spanien-Partie verletzte Phillipp Mwene sagte: "Ich glaube, wir haben noch nicht unser wahres Gesicht gezeigt. Woran das genau liegt, ist schwer zu sagen. Wir müssen uns darauf besinnen, was uns hierher gebracht hat, was wir mit unserem Spielstil schon alles erreicht haben."
Rangnick sieht es nicht so eng: "Ich finde, wir haben das in den drei Spielen schon in Phasen gezeigt und geschafft. Ansonsten wären wir nicht Zweiter geworden und hätten keine sechs Tore geschossen."
Und überhaupt: "Es entspricht nicht der Realität, wenn man diese Mannschaft nur auf dieses Anpressen reduziert. Wie hätten wir sonst sechs Tore schießen sollen? Wenn ich an die drei Tore gegen Algerien denke: die waren brillant rausgespielt, nach ganz klaren Mustern, die wir versucht haben, in den letzten Jahren der Mannschaft zu vermitteln. Gegen Jordanien war es im Prinzip genauso."
Der Ballast ist abgefallen, da geht nichts auf Knopfdruck
Nichtsdestoweniger sei "die Frage berechtigt", findet Rangnick.
Also hat er auch einen interessanten Erklärungsversuch parat: "In welchem Flow ist die Mannschaft diesbezüglich? Wir hatten ein ähnliches Spiel wie gegen Algerien schon gegen Bosnien, wo es um alles ging. Wir wussten zwar auch, dass uns ein Unentschieden reicht, dem Gegner aber nicht. Das Spiel war von der Drucksituation vergleichbar. Wir alle wissen, welcher Druck von uns gefallen ist, als wir es geschafft haben."
"Dann ist es nicht so auf Knopfdruck möglich, dass die Mannschaft so zusammenfindet und von Anfang an wieder wie aus dem Schulbuch den gleichen Fußball spielt"
"Da ist Ballast von den Spielern abgefallen, sie haben sich erstmal auf ihre Vereinsaufgaben konzentriert. Das ist normal. Dann ist es nicht so auf Knopfdruck möglich, dass die Mannschaft so zusammenfindet und von Anfang an wieder wie aus dem Schulbuch den gleichen Fußball spielt", so der Coach weiter.
Individuelle Situationen der Spieler
Außerdem: "Dazu kommt, dass die Spieler aus unterschiedlichen Situationen kommen. Es gibt einige Beispiele. Wir haben einige Spieler, die ausgefallen sind und dann nicht wieder in diesem Modus drinnen sind, den es dafür braucht."
Konkret spricht der 68-Jährige David Alaba, Sasa Kalajdzic und Florian Grillitsch an, die (verletzungsbedingt) einige Spiele in der Saison verpasst haben.
Es geht um Resultate
Am Ende geht es dem Teamchef vor allem um Resultate. Und die stimmen bei dieser WM.
"Wenn mir jemand vorher gesagt hätte, wir kommen mit vier Punkten als Gruppenzweiter weiter, hätte ich mich gar nicht dafür interessiert, wie das zustande gekommen ist. Ich hätte das sofort unterschrieben", sagt er.
"Brauchen Leistungssteigerung"
Letztendlich gibt sich Rangnick dann aber doch ein wenig einsichtig: "Dass wir jetzt eine Leistungssteigerung brauchen, dass wir nochmal einen Schritt nach vorne machen müssen, sehe ich zu 100 Prozent genauso. Darauf wird es ankommen."
David Alaba pflichtet ihm bei: "Uns ist klar, dass wir eine Schippe drauflegen müssen."