ÖFB-Team: Das EURO-Casting beginnt in Lettland

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Nach der Qualifikation ist vor der Qualifikation.

Nach jener des Nationalteams für die EURO 2020 geht es nun für die ÖFB-Kicker darum, bei selbiger dabei zu sein.

Der Beginn des teaminternen Castings findet in Riga statt. Beim abschließenden Quali-Gastspiel in Lettland (20:45 Uhr im LIVE-Ticker) inszeniert Teamchef Franco Foda sinnvollerweise ein Schaulaufen jener Spieler, die derzeit eher der zweiten Garnitur angehören.

Deshalb sinnvollerweise, weil es bis zur EM nicht mehr allzu viele Länderspiele geben wird und man daher jede Gelegenheit nutzen muss, potenzielle EURO-Kandidaten zu testen.

"Jetzt gilt es für die Spieler, die die Möglichkeit haben, von Anfang an zu spielen, sich zu zeigen. In einigen Monaten geht es zur Europameisterschaft. Jeder kann sich präsentieren", sagt Foda.

Wer dies in Riga sein wird?

Das ist eine Frage, die derzeit wohl nur der Teamchef und sein Trainerstab beantworten können. Das Fehlen der sieben Stammspieler Marko Arnautovic, David Alaba, Martin Hinteregger, Stefan Lainer, Konrad Laimer und Andreas Ulmer bietet zumindest wieder einmal die Möglichkeit, sich den Aufstellungs-Poker genauer anzuschauen:

TOR:

Alexander Schlager ein weiteres Länderspiel geben oder auch Pavao Pervan höchstoffiziell mit Länderspiel-Erfahrung ausstatten. Vor dieser Entscheidung steht Foda gemeinsam mit Tormanntrainer Robert Almer. Als Nummer drei steht Jörg Siebenhandl im Kader.

"Alles ist eine Überlegung", meint Foda auf Pervan angesprochen, dabei gehen die Mundwinkel weit nach oben. Was dies zu bedeuten hat, wird sich wie gewohnt erst am Dienstag weisen.

ABWEHR:

Foda lässt auch in Riga eine Präferenz für die Viererkette erkennen, schließt jedoch eine Rückkehr zur Dreierkette nicht aus: "Wir haben nur ein Training, da werden wir beides einstudieren. Dann werde ich mich kurzfristig entscheiden."

An Innenverteidigern mangelt es jedenfalls nicht. Stefan Posch, ein Härtefall des Nordmazedonien-Heimspiels, wird wohl für seine vorherigen Quali-Leistungen belohnt und bekommt eine weitere Gelegenheit, sein Können zu zeigen.

Entscheidet sich Foda dafür, auf die Erfahrung von Aleksandar Dragovic zurückzugreifen und dem Routinier keine Pause zu gönnen, könnte es mit dem ersten Länderspiel von Philipp Lienhart unter Foda eng werden - der Stammspieler von Überraschungsteam SC Freiburg muss nun schon längere Zeit Geduld unter Beweis stellen.

"In der Innenverteidigug weiß ich gar nicht, ob alle zum Einsatz kommen. Wir haben gerade auf dieser Position viele Optionen", erklärt Foda und verweist darauf, dass auch Stefan Ilsanker zuletzt bei Leipzig in der Abwehrzentrale zum Einsatz gekommen sei und man Maximilian Wöber nachnominiert habe.

Bleibt es bei einer Viererkette, ist Wöber jedoch ein heißer Kandidat als Ulmer-Ersatz als Linksverteidiger, schließlich hat er diese Position im Laufe der Quali bereits gespielt. Er kennt die A-Team-Mechanismen besser als Maximilian Ullmann. Auch der zweite nachnominierte Akteur kommt links hinten in Frage.

Als Rechtsverteidiger scheint Christopher Trimmel gute Chancen auf einen Einsatz von Anfang an als Lainer-Ersatz zu haben. Seit er beim Oktober-Lehrgang nachnominiert wurde, gab ihm Foda in jeder Partie Einsatzzeit. Sein Konkurrent ist Reinhold Ranftl.

MITTELFELD:

Hier gibt es die meisten Optionen - alle durchzuspielen, würde den Rahmen sprengen. Das Rätselraten beginnt mit der Frage, ob der Teamchef mit Julian Baumgartlinger und Valentino Lazaro die beiden weiteren mitgereisten Stammspieler in der Startelf belässt - vieles spricht dafür, ansonsten hätte er sie nicht mitnehmen müssen.

Im zentralen Mittelfeld bietet es sich an, Florian Grillitsch wieder einmal eine Bewährungsprobe zu geben. Ilsanker hat seine Sache zumeist gut gemacht, wenn er im Verlauf der Quali gebraucht wurde - auch seine Nominierung wäre keine Überraschung.

Auf den Flügeln und auf der Zehn, sollte es bei einem 4-2-3-1 bleiben, kommt es einzig und allein darauf an, wen Foda von Beginn an und auf welcher Position testen möchte.

Louis Schaub wartet schon länger auf eine Chance, Thomas Goiginger auf sein Debüt. Karim Onisiwo und Michael Gregoritsch können nicht nur im Angriff, sondern auch in der Reihe dahinter spielen.

ANGRIFF:

Letzteres, sprich Gregoritsch etwa auf der Zehn zu nominieren, macht vor allem dann Sinn, wenn Foda einmal einen anderen Mittelstürmer testen möchte als den logischen Ersatz von Arnautovic - der Augsburg-Legionär sprang zuletzt in Slowenien für "Arnie" ein.

Onisiwo spielte unter Foda noch nie von Anfang an, Lukas Hinterseer wiederum spielte noch keine Minute unter dem Deutschen. Beide eint, dass sie letztmals im November 2016 beim Test gegen die Slowakei (0:0) in der ÖFB-Startelf standen.

Dies war ein Spiel unter ähnlichen Voraussetzungen. Der damalige Teamchef Marcel Koller probierte auf einigen Positionen Alternativen. Onisiwo und Hinterseer dürften ihn nur überschaubar überzeugt haben, beide mussten bis zur Foda-Ära auf weitere Nominierungen warten.

Dies zeigt, dass solche Länderspiele in persönlicher Hinsicht sehr wichtig sein können, auch wenn die sportliche Wichtigkeit überschaubar erscheint.

Hartes Gerangel um Plätze im EURO-Kader

Letztlich geht es darum, das Vertrauen des Chefcoaches zu erarbeiten. Da ist Foda auch nicht anders als die meisten Trainer: Hat man sich sein Vertrauen erarbeitet, tut es ihm weh, für Härtefälle wie jüngst gegen Nordmazedonien sorgen zu müssen:

"Wir haben Spieler dabei, die in den letzten Spielen wirklich sehr gut gespielt haben, deswegen waren einige harte Entscheidungen zu treffen - etwa Ilsanker, Posch und Gregoritsch. Sie haben jetzt wieder eine Möglichkeit und die Berechtigung in Lettland spielen."

Über allem steht, dass ein hartes Gerangel um die EURO-Kaderplätze zu erwarten ist - ein Thema, das uns in den kommenden Monaten intensiv beschäftigen wird.

Die sieben am Samstag aus dem Kader entlassenen Spieler sind nach aktuellem Stand als Fixstarter zu bezeichnen, ebenso die mitgereisten Stammelf-Mitglieder Baumgartlinger, Dragovic und Lazaro. Auch für Posch, Ilsanker, Grillitsch und Gregoritsch schaut es bestens aus. Mit Heinz Lindner und Cican Stankovic sind zwei Torhüter mit guten EM-Chancen verletzt.

"Es fehlen einige Spieler. Alessandro Schöpf kommt ja noch zurück, Peter Zulj hat schon viele Länderspiele, auch Xaver Schlager und Hannes Wolf sind verletzt - also es gibt schon noch einige Spieler, die auf der Warteliste sind", sagt Foda.

Foda hofft auf harte EM-Entscheidungen

Man muss nur eins und eins zusammenzählen, um zu erahnen, dass sich im kommenden Sommer einige Härtefälle anbahnen, die sich der Teamchef im konkreten Fall jedoch wünscht:

"Bevor ich den Kader nominiere, wird das Wichtigste sein, dass ich die Qual der Wahl habe - auch wenn es dann harte Entscheidungen sind. Aber mir ist es lieber, es sind alle topfit und du hast die Möglichkeit, alle Topspieler, die auch einen hohen Spielrhythmus haben, mitzunehmen."

Umso mehr gilt es für etwaige Wackelkandidaten, in Riga Plus-Punkte zu sammeln. Foda meint im Hinblick auf diese Partie: "Wir haben zwar noch einige Monate Zeit bis zur EM, aber es ist schon richtig: Man macht sich seinen Eindruck von jedem einzelnen Spieler."

Noch mehr Eindruck schinden sollen die EM-Kandidaten dann jedoch naturgemäß im Frühjahr. Foda überlegt, mehr als 23 Spieler in das erste EM-Aufgebot zu nominieren und erst zur Deadline den Kader zu reduzieren: "Es ist möglich, dass wir den einen oder anderen Spieler mehr mitnehmen, weil auch innerhalb eines Trainingslagers Verletzungen passieren können und wir noch Testspiele haben."

Generell meint der Teamchef: "Entscheidend wird im nächsten Jahr die Phase von März bis Mai, dass die Spieler in den Testspielen und natürlich bei ihren Vereinen ihre Leistung abrufen, alle gesund und fit sind. Ich hoffe, dass ich bei der Nominierung aus dem Vollen schöpfen kann."

Textquelle: © LAOLA1.at

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