Nationalteam: Fodas potenzielle Nachrücker

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Von einer geschlossenen Gesellschaft kann im ÖFB-Nationalteam unter Franco Foda keine Rede sein.

Der Teamchef setzt zwar gerne auf vertraute Gesichter, im Jahr 2018 rutschten aber auch immer wieder Akteure in den Kader, mit denen man nicht unbedingt rechnen musste - im Herbst zum Beispiel die beiden LASK-Kicker Gernot Trauner und Thomas Goiginger.

"Es gibt immer wieder Überraschungen. Jeder, der durch Leistung überzeugt, hat die Möglichkeit, ins Nationalteam einberufen zu werden", betont Foda und rechnet vor: "Wir haben im letzten Jahr ein Fundament gelegt. Wir haben jetzt eine Auswahl zwischen 30 und 40 Spielern."

Darunter befinden sich naturgemäß auch Spieler, die es bislang noch nicht ins ÖFB-Aufgebot geschafft haben, 2019 den Konkurrenzkampf jedoch vergrößern könnten.

Stöger im Fokus von Foda

Nach seinem starken Herbst-Finish kommt einem diesbezüglich zum Beispiel der Name Kevin Stöger in den Sinn.

Der Oberösterreicher hat sich bei Fortuna Düsseldorf im November und Dezember ein Stammleiberl gesichert und sich dabei vor allem als "Laufwunder" ins Rampenlicht gespielt.

Der inzwischen 25-Jährige gilt schon seit vielen Jahren als großes Talent, der endgültige Durchbruch ließ jedoch auf sich warten. Für Foda ist er alles, nur kein Unbekannter, schließlich betreute er ihn 2013 bereits beim 1. FC Kaiserslautern.

"Kevin Stöger ist kein neues Thema, sondern wir haben ihn schon in den letzten Wochen und Monaten beobachtet", versichert der 52-Jährige, "ich habe ihn damals selbst in Kaiserslautern trainiert, kenne also seine Qualitäten. Ich weiß, dass er ein technisch sehr guter Spieler ist. Er hat sich in den letzten Monaten wirklich sehr gut entwickelt."

Foda: "Zu meiner Zeit war Stöger noch relativ jung"

"Als Kevin Stöger nach Kaiserslautern gekommen ist, wollten wir aufsteigen. Es war ein gewisser Druck vorhanden. Trotzdem hat man auch damals schon gesehen, welche Qualitäten er hat: Sein Dribbling, sein linker Fuß, Standardsituationen, Eins-gegen-Eins-Situationen, finale Bälle."

Franco Foda

Foda wurde bald nach Stögers Ankunft in Kaiserslautern beurlaubt. In den fünf Liga-Spielen, in denen er den Oberösterericher zum Einsatz bringen hätte können, gönnte er ihm einen Kurzeinsatz. Dazu gesellt sich ein Joker-Einsatz im DFB-Pokal, bei welchem dem Mittelfeldspieler zwei Assists gelangen.

Was Stöger damals noch gefehlt habe? "Zu meiner Zeit war er einfach noch relativ jung. Dann spielt man eben anders, ein bisschen kindlicher. Jetzt ist er den Erwachsenen-Fußball gewöhnt, hat sich an Rhythmus und Tempo angepasst."

Dies könne bei jüngeren Spielern öfter dauern: "Als er nach Kaiserslautern gekommen ist, wollten wir aufsteigen. Es war ein gewisser Druck vorhanden. Trotzdem hat man auch damals schon gesehen, welche Qualitäten er hat: Sein Dribbling, sein linker Fuß, Standardsituationen, Eins-gegen-Eins-Situationen, finale Bälle."

Frische Kräfte für die Innenverteidigung?

Stöger ist bei weitem nicht der einzige Akteur, dem eine Beförderung ins A-Team winkt. Dies hängt natürlich neben der jeweiligen Leistung auch von anderen Komponenten ab, wie etwa der Personalsituation rund um die etablierten Kadermitglieder oder die U21-Europameisterschaft.

Beispiel Innenverteidigung: Hinter Führungsspieler Sebastian Prödl steht aufgrund seiner fehlenden Spielpraxis bei Watford und seiner jüngst erfolgten Knie-Arthroskopie ein Fragezeichen.

Mit Maximilian Wöber, der vor einem Wechsel zum FC Sevilla steht, Kevin Danso, Philipp Lienhart und Stefan Posch stehen diverse Kandidaten parat, bis auf Posch haben auch schon alle A-Team-Luft geschnuppert.

"Ob Basti ausfallen wird, weiß ich noch nicht. Man wird sehen, wie sich alles entwickelt. Aber klar macht man sich Gedanken. Wir haben trotz allem genügend Innenverteidiger, in der U21 gibt es einige Interessante", betont Foda.

Posch für Foda "sehr interessant"

Bei Danso sei es extrem wichtig gewesen, dass er kurz vor Weihnachten Einsatzzeit beim FC Augsburg bekommen hat: "Das war für sein Selbstvertrauen wichtig. Wir waren bei den Spielen vor Ort. Das hat ihm sehr gut getan. Im Prinzip werden die Karten jetzt wieder neu gemischt, wobei Augsburg mit Martin Hinteregger und Jeffrey Gouweleeuw noch zwei sehr gute Innenverteidiger hat."

"Stefan Posch ist sehr interessant. Er hat in Hoffenheim zuletzt in der Dreierkette gut gespielt."

Franco Foda

Lienhart kommt beim SC Freiburg wenn nur zu Kurzeinsätzen. "Aber wichtig ist ja, dass du mal in den Rhythmus kommst und auf höchstem Niveau spielst", meint der Teamchef, den es vor allem die jüngste Entwicklung von Posch angetan hat:

"Er ist sehr interessant. Posch hat in Hoffenheim zuletzt in der Dreierkette gut gespielt. Das wäre eine Variante mit ihm, dann hast du wieder die Möglichkeit, auch am System etwas zu verändern."

Vor allem, dass Danso und Posch zuletzt Spielpraxis sammelten, beruhigt Foda: "Für einen Teamchef ist es immer wichtig, dass junge Spieler zum Einsatz kommen. Vor allen Dingen hast du als Teamchef dann auch ein besseres Gefühl, wenn du siehst, dass sie auch im Rhythmus sind. Denn wenn du wochen- und monatelang nicht spielst, ist es immer schwierig, denn das Nationalteam ist das allerhöchste Niveau, da spielst du gegen die Besten. Wir haben das zuletzt ganz gut geschafft - Basti hat gezeigt, dass es auch mit wenig Rhythmus funktionieren kann. Aber jeder Spieler ist anders."

Bauer bei Spielpraxis wieder ein Thema

Null Rhythmus hatte zuletzt Moritz Bauer, weshalb der gebürtige Schweizer, der für Stoke City in der englischen Championship spielt, auch seinen Kaderplatz im ÖFB-Team verlor. Ein klassischer Nachrücker wäre er als zwischenzeitlich etabliertes Kadermitglied zwar nicht. Foda hofft dennoch, dass es mit dem Rechtsverteidiger 2019 wieder aufwärts geht:

"Diese Woche hat Stoke City den Trainer gewechselt. Ich weiß nicht, ob Moritz bleibt. Es gab ja Gerüchte, dass er vielleicht den Verein wechselt. Er ist immer noch interessant für uns, wenn er wieder zum Spielen kommt."

Bei einem "englischen" Nachrücker gilt es für die ÖFB-Betreuer bekanntlich nicht nur die Leistung im Auge zu haben, sondern zu allererst darauf zu hoffen, dass die Einbürgerung klappt.

Foda spekuliert damit, dass Burnley-Stürmer Ashley Barnes vielleicht schon im März zu Verfügung steht.

Wie steht es um Weimann?

"Und dann gibt es noch einen Spieler in England, den wir auch anschauen, wo es noch eine Möglichkeit gibt, aber darüber wollen wir jetzt nicht zu viel reden", meint der Deutsche kryptisch.

Ein zweiter Fall Barnes? Auf Nachfrage redet sich Foda mit Augenzwinkern darauf hinaus, dass er Andreas Weimann gemeint habe. Aber ob er den Stürmer, der unter Marcel Koller 14 Mal im Nationalteam auflief, wirklich gemeint hat, wird sich weisen.

"Er hat einen guten Start mit einigen Toren gehabt", betont Foda, scheint aber eher skeptisch zu sein: "Danach hat er mal gespielt, mal weniger. Er war kein richtiger Stammspieler, und dann ist es natürlich schwierig, jemanden einzuberufen, wenn er in der englischen 2. Liga wenig zum Einsatz kommt."

Weimann stand im Herbst stets auf der Abrufliste von Foda. Dies war vor allem dem starken Saisonstart des Legionärs bei Bristol City geschuldet. In den ersten fünf Liga-Spielen scorte er fünf Mal, seither herrscht beim Wiener Torflaute, auch wenn er regelmäßig am Platz stand.

Mit Torhüter Daniel Bachmann gibt es auf der Insel einen weiteren Akteur, der große ÖFB-Ambitionen hegt. Mit Kilmarnock läuft es für die Watford-Leihgabe in der schottischen Liga bestens.

Weitere Kandidaten in Österreich und Deutschland

Und sonst? Foda und seine Co-Trainer schauen sich auch in der heimischen Bundesliga um und werden Ende Jänner bei Rapid, Sturm und Austria im Trainingslager vorbeischauen.

Mit Maximilian Ullmann tauchte zudem im Herbst noch ein weiterer LASK-Kicker neu auf der Abrufliste auf. Der FC Red Bull Salzburg ist generell ein verlässlicher ÖFB-Lieferant geworden, bei Hannes Wolf scheint der Sprung aufs nächste ÖFB-Level nur eine Frage der Zeit zu sein.

Auch in der 2. deutschen Bundesliga gibt es Kandidaten. "Wir schauen uns Lukas Hinterseer von Bochum, Nikola Dovedan von Heidenheim und Mathias Honsak von Holstein Kiel an, um nur einige zu nennen", meint Foda.

Es würde Wochen geben, in denen sich Foda, Imre Szabics und Thomas Kristl jeweils bis zu fünf Spiele anschauen würden: "Wir wollen so viele Spiele wie möglich sehen, wir wollen die Spieler so oft wie möglich beobachten."

Nachsatz: "Wir sind überall unterwegs, wo es Spiele mit Österreich-Bezug gibt."

Man darf gespannt sein, welche Akteure 2019 neu auf dem Radar der ÖFB-Coaches auftauchen werden. Letztlich liegt es an den Spielern selbst.

Textquelle: © LAOLA1.at

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