Kapitäns-Causa Arnautovic? "Sinnlose Diskussionen"

 

Letztlich kam es, wie es kommen musste und Marko Arnautovic ließ seine Kritiker nach den Diskussionen der vergangenen Tage mit dem Goldtor zum 1:0-Sieg von Österreich im Nations-League-Heimspiel gegen Nordirland verstummen.

Auf die Frage, ob er befähigt ist, Kapitän des Nationalteams zu sein, hat er somit eine eindrucksvolle Antwort auf dem Platz gegeben und bei seinem Torjubel den Emotionen freien Lauf gelassen.

Seine Kollegen freuten sich allesamt mit ihm, wenngleich ihnen die Debatte selbst teils spürbar auf den Nerv ging.

"Das sind so sinnlose Diskussionen jedes Mal", echauffiert sich Marcel Sabitzer.

"Ich weiß nicht, wer sich da immer einmischt. Wir sind Fußballer, der Trainer ist der Trainer und er entscheidet. Ob da oben irgendwer etwas zu diskutieren hat, interessiert uns wenig. Dass es keinem hilft und dass es sinnlos ist, muss derjenige eigentlich auch wissen."

Foda: "Man muss wissen, wie Marko tickt"

Ausgelöst wurde die Causa durch die Meldung des "Kurier", dass sich das ÖFB-Präsidium, oder zumindest Teile davon, nach der Niederlage in Bosnien-Herzegowina gegen Arnautovic als Kapitän ausgesprochen hätte - eine Meldung, die der ÖFB umgehend dementierte und die auch Teamchef Franco Foda zurückwies.

Der Deutsche wählte ihn auch gegen Nordirland zum Spielführer und sieht sich danach bestätigt: "Marko ist ein guter Spieler. Man muss ihn kennen und wissen, wie er tickt und funktioniert. Über meine Spieler lasse ich sowieso nichts kommen. Ich glaube, er war ein würdiger Kapitän, das war er auch schon gegen Bosnien. Es freut mich besonders, dass er auch noch ein Tor erzielt hat."

Matchplan? Ein Arnautovic-Tor

Geht es nach Sebastian Prödl, war es ein Tor mit Ansage.

"Unser Matchplan hatte den Inhalt, dass Marko das entscheidende Tor macht und so unter die Diskussion, die unnötig aufkam, klipp und klar einen Schlussstrich zieht. Wieder einmal wurde es heißer gekocht als erwartet und als nötig so kurz vor dem Spiel. Uns als Mannschaft hat das aber gar nicht tangiert. Wir haben es mit dem ÖFB-Generalsekretär, dem Trainer und der Mannschaft kurz angesprochen, direkt wieder abgehakt und wie gesagt in den Matchplan aufgenommen, dass Marko das gleich selber regeln soll", berichtet der Watford-Legionär.

Torjubel? "Angeschwollener Bizeps"

"Jeder kennt das Gefühl, wenn man ein Tor schießt, dass natürlich Brust und Bizeps anschwellen. Ich glaube, er hat einfach ein bisschen Dampf ablassen und die Schleife vom Oberarm nehmen müssen, sonst wäre sie womöglich runtergeplatzt"

Sebastian Prödl

Das hat er auch getan und bei seinem Jubel entsprechend emotional reagiert, indem er die Schleife vom Arm riss und in Richtung Haupttribüne streckte. Zu wem? Darauf ließ sich der West-Ham-Legionär nur kryptische Antworten entlocken.

"Jeder kennt das Gefühl, wenn man ein Tor schießt, dass natürlich Brust und Bizeps anschwellen. Ich glaube, er hat einfach ein bisschen Dampf ablassen und die Schleife vom Oberarm nehmen müssen, sonst wäre sie womöglich runtergeplatzt", grinst Prödl, der am Spielfeld in dieser Szene auf Arnautovic einwirkte.

"Ich habe seinen Torjubel natürlich auch gesehen, aber das ist einfach der Marko. Das gehört dazu. Da darf man ihm nicht böse sein", lacht Lazaro.

Arnautovic wichtig für Österreich

Auch der Hertha-Legionär stört sich an der Debatte generell: "Das war überhaupt nicht sinnvoll, weil bei uns im ÖFB nie so eine Diskussion stattgefunden hat, auch nicht bei uns in der Mannschaft. Marko ist ein Typ, der auf dem Platz sehr viel Qualität hat, aber auch neben dem Platz sehr wichtig ist für uns. Er ist jetzt seit genau zehn Jahren im Nationalteam. Dass er vorangehen kann, hat er immer wieder bewiesen, und er hat in diesem Spiel noch einmal bewiesen, dass er einfach zurecht eine Führungsperson im Nationalteam ist."

Auch Heinz Lindner streicht die Wichtigkeit des 29-Jährigen für die Mannschaft hervor: "Mich freut es extrem für ihn, dass er getroffen und es seinen Kritikern wieder gezeigt hat. Er hat auch gezeigt, wie wichtig er für uns ist, wie wichtig er für Österreich ist. Dieses Theater rund um seine Person in den letzten Tagen war keine leichte Situation für ihn. Da sieht man wieder die Qualität von ihm persönlich und seinen Charakter, dass ihn das kalt lässt und er am Platz Leistung bringt. Genau solche Spielertypen brauchen wir in der Mannschaft."

Foda: "An so einem Spieler kann man nicht zweifeln"

Das bezweifelt niemand. Es ist kein Geheiminis, dass sich Arnautovic nach seiner turbulenten Anfangsphase als Nationalspieler in den letzten Jahren zur unverzichtbaren Größe im ÖFB-Team entwickelt hat.

"Ich habe ja nie an ihm gezweifelt, man kann an so einem Spieler auch nicht zweifeln."

Franco Foda

Deshalb meint auch Foda: "Ich habe ja nie an ihm gezweifelt, man kann an so einem Spieler auch nicht zweifeln. Man darf auch nicht den Fehler machen, dass immer nur dann alles super ist, wenn er ein Tor macht, oder dass alles schlecht ist, wenn man ein Spiel verliert. Marko ist ein außergewöhnlich guter Spieler. Wir haben vor dem Spiel angesprochen, dass jeder Spieler bereit sein muss, alles für die Mannschaft zu investieren, Opfer zu bringen. Das war mir ganz wichtig. Das hat auch Marko gemacht, er hat auch nach hinten gearbeitet - und er hat natürlich auch von den anderen Spielern profitiert. Wir haben ihn gut freigestellt, gerade beim Tor hat Peter Zulj einen super Pass gespielt. Marko hat sich super in den freien Raum bewegt. Letztendlich zählt die ganze Mannschaft und Marko ist ein Teil davon."

Keine Diskussionen nach Baumgartlinger-Rückkehr

Zum Matchwinner avancierte Arnautovic zudem bei seinem Jubiläum im ÖFB-Dress. "Es war sein 75. Länderspiel. Dann noch ein Tor zu schießen - was gibt es Schöneres für ihn?", fragt Martin Hinteregger, der die Kapitäns-Causa in Abwesenheit des verletzten Spielführers Julian Baumgartlinger wiefolgt einschätzt: "Für uns war irgendwie klar, dass Marko Kapitän ist. Basti wäre natürlich auch ein Kandidat gewesen - vielleicht wechseln sie sich wieder ab, bis Jules zurückkommt."

Wäre Baumgartlinger fit, würde es diese Diskussion gar nicht erst geben. Auch Prödl wäre von seiner Erfahrung und Außendarstellung her ein bestens geeigneter Ersatz für den Leverkusen-Legionär, der im November wieder fit sein sollte.

Der Steirer freut sich jedenfalls bereits auf die Rückkehr des eigentlichen Kapitäns: "Marko ist bekannt, dass er in den letzten Jahren gute Leistungen für die Nationalmannschaft gezeigt hat. Ich glaube, dass Marko ein Spieler ist, der die Schleife nicht braucht, um gute Leistungen zu zeigen. Wir haben mit Julian Baumgartlinger einen sehr guten Kapitän. Marko hatte jetzt die Ehre, ihn zu ersetzen. Sobald er zurückkommt, gibt es keine Diskussionen und der etatmäßige Kapitän Julian Baumgartlinger wird wieder mit Stolz die Schleife tragen."

Marko Arnautovic feierte im Oktober sein zehnjähriges Jubiläum im Nationalteam. LAOLA1 hat die besten Fotos und wichtigen Meilensteine in der ÖFB-Karriere des 29-Jährigen. 

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Teamchef Karel Brückner beruft Arnautovic erstmals in den ÖFB-Kader. Damals schon mit dabei: Christian Fuchs. Die Nationalteam-Bilanz von Arnautovic seither: 74 Spiele, 19 Tore.

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Beim peinlichen 1:1 auf den Färöer wird Arnautovic für die letzten neun Minuten für Marc Janko eingewechselt. Die Blamage kann der damals 19-Jährige nicht mehr verhindern.

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Moment der Erlösung: Arnautovic trifft, zwei Jahre nach seinem Debüt, erstmal für Österreich. In der Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 trifft er beim 3:0-Heimsieg gegen Aserbaidschan. Er erzielt sogar einen Doppelpack zum 2:0 und 3:0. Außerdem steht er erstmals im Team über 90 Minuten auf dem Platz.

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Kumpel Alaba: Arnautovic und David Alaba stammen beide aus der Jugend der Wiener Austria. Im Nationalteam müssen aber auch die späteren Stars anfangs die Koffer schleppen.

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Der ehemalige Teamchef Marcel Koller wird zu einem der wichtigsten Förderer von "Arnie". Er schenkt ihm auch in schweren Zeiten das Vertrauen und Arnautovic dankt es dem Trainer mit starken Leistungen.

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Wie sich die Zeiten ändern. Vom Koffer schleppen zur gemütlichen Fahrt im Golfwagen. Arnautovic und Alaba haben sich ihren Stellenwert im Team erarbeitet.

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Der größte Erfolg in der Teamkarriere von Marko Arnautovic: Nach dem 4:1-Sieg in Schweden ist die Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich fix.

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Nach dem letzten Heimspiel der Qualifikation gegen Liechtenstein kennt der Jubel im Ernst-Happel-Stadion keine Grenzen mehr und dauert bis in die frühen Morgenstunden.

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Mit dem ÖFB-Team in Frankreich: Nach den tollen Leistungen in der Qualifikation ist Österreichs Team für viele Experten ein Geheimtipp.

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Fehlstart: Ungarn holt "Arnie" und das ÖFB-Team auf den harten Boden der Realität zurück.

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Achtungserfolg gegen Ronaldo und den späteren Europameister Portugal. Dank eines bärenstarken Robert Almer bringt Österreich das 0:0 über die Zeit.

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Enttäuschung und Frust nach dem Vorrunden-Aus: Die 1:2-Niederlage gegen Island zerstört alle K.o.-Runden-Träume der Österreicher.

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Auf in neue Zeiten: Der West-Ham-Star und der neue ÖFB-Teamchef Franco Foda. Er ist der vierte Cheftrainer, der Arnautovic im ÖFB-Team betreut: Nach Brückner, Constantini und Koller.

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Prestigeerfolg: Im Juni 2018 schlägt Österreich Deutschland mit 2:1. Arnautovic steht 84 Minuten auf dem Feld.

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Captain "Arnie"! Beim ersten Match der Nations League (0:1 in Bosnien) darf Marko Arnautovic das ÖFB-Team erstmals als Kapitän auf den Platz führen.

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Im Gespräch mit Teamchef Franco Foda beim aktuellen Team-Lehrgang vor den Matches gegen Nordirland und Dänemark. 10 Jahre spielt Marko Arnautovic mittlerweile im Team und steht genau bei seinem Jubiläum auch vor seinem 75. Einsatz für Österreich.

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Textquelle: © LAOLA1.at

Kapitän Marko Arnautovic: "Mit Tor meine Antwort gegeben"

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