Slowakei Slowakei SVK
Österreich Österreich AUT
Endstand
0:2
0:1, 0:1
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Das steckt hinter Baumgartners Weltrekord-Tor

Warum es ein Blitztor mit Ansage war, der eigentliche Plan des ÖFB-Teams für den Anstoß gegen die Slowakei aber gar nicht aufgegangen ist.

Das steckt hinter Baumgartners Weltrekord-Tor Foto: © getty

Wie viel war im Vorfeld des Spiels nicht darüber diskutiert worden, wer in Abwesenheit von David Alaba und Marko Arnautovic die Leader-Rolle im ÖFB-Team übernehmen werde.

Christoph Baumgartners Ansatz war da recht pragmatisch, er wolle "am Platz in allen Bereichen vorangehen". Nun ja, der Mann hat in Bratislava Wort gehalten.

Keine sieben Sekunden waren gespielt, als der Niederösterreicher beim 2:0-Sieg gegen die Slowakei den Ball im Tor versenkte. Was für ein Start ins EURO-Jahr 2024!

"So scharf geschossen wie James Bond"

0:07 zeigte die Anzeigetafel, als "Baumi" schon jubelnd abdrehte. "So scharf geschossen wie James Bond, würde ich sagen", lacht der 24-Jährige.

Wenngleich die offizielle Bestätigung der FIFA noch aussteht, dürfte es sich um das schnellste Tor in einem Männer-Länderspiel gehandelt haben – Weltrekord! Verrückt: Deutschlands Wirtz trifft ebenfalls am Samstagabend nach knapp acht Sekunden!

"Das haben sie mir gesagt, als ich ausgewechselt wurde. Ich habe mir schon während des Spiels gedacht, dass es nicht viel schneller gehen würde", sagt der Offensivspieler, der sich über einen Eintrag in die Geschichtsbücher freuen darf.

"Alleine für die ersten sechs Sekunden hat es sich gelohnt, ins Stadion zu kommen"

Ralf Rangick

Ein Glück für die 9.912 Zuschauer in der slowakischen Hauptstadt, dass das Spiel längst nicht ausverkauft war und so alle rechtzeitig auf ihren Plätzen sein konnten. Das regnerisch-stürmische Wetter lud auch nicht gerade zum längeren Verweilen vor dem Stadion ein.

Einzelkritik: Die Noten für Baumgartner und Co. >>>

"Alleine für die ersten sechs Sekunden hat es sich gelohnt, ins Stadion zu kommen, die waren grandios", sagt Teamchef Ralf Rangnick und zieht den imaginären Hut vor seinem Schützling.

Ansage von Rangnick-Assistent Perchtold

Purer Zufall? Weit gefehlt! Tatsächlich war ein potenzieller Blitzstart vor der Partie ein Thema. Bei beiden Teams.

Peter Perchtold, Assistent von Ralf Rangnick und für die Standards zuständig, habe Baumgartner ermuntert, es zu versuchen. Der Torschütze verrät: "Er animiert mich immer dazu, nach vorne zu gehen, es zu riskieren. Diesmal hat er uns vor dem Spiel tatsächlich noch gesagt, dass uns die Slowaken voraus haben, dass sie schon mal ein Tor unter zehn Sekunden geschossen haben."

Foto: © GEPA

Bestmarke pulverisiert. "So haben wir uns das bei der Matchbesprechung vorgestellt", grinst Patrick Pentz.

Rangnick erinnert sich: "Wir waren in den letzten Länderspielen schon ein paar Mal ganz nah dran, hatten schon drei, vier Situationen, wo wir vom Anstoß weg eine Riesen-Torchance hatten. Gegen Italien hätten wir einen Elfmeter kriegen müssen."

Aber so ganz war das dann doch nicht geplant. Marcel Sabitzer gesteht: "Der Plan war, dass wir es über die Seite spielen. Wir sind ja dafür bekannt, dass wir schnell nach vorne spielen. Diesmal haben wir keinen Raum gesehen, aber Baumi hat sich ein Herz gefasst und wahrscheinlich nicht viel nachgedacht. Das ist purer Instinkt."

"Jetzt kann ich auch nicht mehr zurückziehen"

Baumgartner bestätigt diese Version: "Wir haben es ja schon öfter gemacht, dass wir mit dem Anstoß ein Zeichen setzen wollen, wir sind schon öfter nach vorne losgedribbelt, meistens dann mit einem Pass in den Halbraum, weil das einfacher ist. Aber die Gegner stellen sich auch darauf ein. Der Halbraum war geschlossen, ich habe mir gedacht, dass ich jetzt auch nicht zurückziehen kann."

"Ich habe riskiert. Das ist eine Vorgabe, dass wir da volles Risiko gehen – im schlimmsten Fall ist es ein Ballverlust und wir können ins Gegenpressing gehen. Es ist sich mit der Schrittfolge perfekt ausgegangen. Ich habe mir dann gedacht: 'Wenn wir nach ein paar Sekunden einen Abschluss haben, ist das auch nicht schlecht.' Dass ich ihn dann so treffe, er reingeht und es wahrscheinlich ein Weltrekord ist, ist sensationell", so der Leipzig-Legionär.

Slowaken vorgewarnt, aber machtlos

Die Slowaken waren machtlos, obwohl sie sogar vorgewarnt waren. Teamchef Francesco Calzona erklärt: "Wir haben gewusst, dass sie da ein System haben, dass sie sofort angreifen. Sie haben drei Varianten, die sie verwenden. Wir haben uns das Video angeschaut und waren vorbereitet. Trotzdem ist er ganz leicht durchgekommen und hat das Tor gemacht."

ÖFB-Goalie Pentz erklärt, warum Keeper Martin Dubravka nichts machen konnte: "Das ist schon heftig. Denn du kommst eigentlich raus aus der 20-minütigen Nach-Aufwärm-Phase, bis der Anpfiff losgeht. Also wenn er da da gewesen wäre, hätte ich den Hut gezogen, muss ich ehrlich sagen."

So war es aber nicht, und deshalb Baumgartner nach dem Spiel auch bestens gelaunt. Auf die Frage eines Journalisten, ob das schnelle Tor dem Spiel der Österreicher nicht auch irgendwie geschadet hätte, weil die restliche erste Hälfte nicht besonders gut war, entgegnet er mit einem "Tut mir leid".

Und eine Wiederholung bei der EURO 2024 schließt er auch eher aus: "Jetzt wird es wahrscheinlich schwierig, sie werden die Mitte noch mehr zumachen. Da müssen wir uns etwas anderes überlegen."

Man darf gespannt sein...


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