Algerien Algerien DZA
Österreich Österreich AUT
Endstand
3:3
1:1 , 2:2
NEWS

"Völlig verrückt!" So erlebten Alaba und Co. das Chaos von Kansas

"So etwas kann man nicht mehr erleben!" Die Nachspielzeit beim 3:3 gegen Algerien ist ab sofort österreichische Fußball-Geschichte.

Es war ein Spiel für die Geschichtsbücher. Noch nie war Österreich an einem Sonntag um kurz nach 6 Uhr in der Früh kollektiv so munter und gleichzeitig so geschafft.

Ein naiver Auftritt des ÖFB-Teams >>>

"Alfred Hitchcock hatte mit Fußball nichts am Hut, aber wenn der einmal so ein Drama verfasst hätte, hätte man ihn wahrscheinlich für völlig verrückt erklärt", sagt Ralf Rangnick.

VIDEO-Highlights zum 3:3 >>>

Die Nachspielzeit von Kansas City war wahrscheinlich die chaotischste, die das österreichische Fußballnationalteam in seiner über 100-jährigen Geschichte auf so großer Bühne je erlebt hat.

"Das wildeste Spiel meiner Karriere"

"Das war das wildeste und emotionalste Spiel, das ich in meiner Karriere bisher erlebt habe", stöhnt Phillipp Mwene.

Eigentlich war ja alles schon klar. Algerien hielt den Ball, zeigte keine Ambitionen im Spiel nach vorne, alle waren sich einig, diese Partie geht 2:2 aus. Doch Erstens kommt es anders, und Zweitens als man denkt.

"Wer nach 93 Minuten vorhergesagt hätte, dass das jetzt noch passiert, den hätte man für völlig verrückt erklärt", sagt Rangnick. Und er hat Recht.

Die ganze Gefühlspalette

In der 94. Minute aus dem Nichts ein Angriff der Algerier und das 3:2. Österreich ist draußen.

"Wenn wir diese Situation ohne Gegenspieler 100.000 Mal durchspielen, dann schießt du in 100.000 Versuchen nicht so ein Tor"

Ralf Rangnick

"Mir ging es wirklich nicht gut, ich habe mich schon die Koffer packen gesehen", sagt David Alaba.

Marcel Sabitzer ergänzt: "Nach dem 2:3 bist du emotional kaputt, in der 95. glaubst du kaum, dass da noch etwas geht."

Ein Tor mit Seltenheitswert

Rangnick reagiert und bringt Sasa Kalajdzic. "Ich habe gar nicht bemerkt, dass ich ausgewechselt wurde. Sabitzer hat mich angeschrien, dann habe ich es erst gecheckt", lacht Mwene.

"Wir kommen aber gleich nach dem Anstoß zu einer Hundertprozentigen durch Lienhart, das weckt die Emotion, dass vielleicht doch noch was geht", sagt Sabitzer.

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Es brechen alle Dämme
Foto: ©IMAGO / Xinhua

Kurz darauf dann eine Aktion, von der der Teamchef immer noch nicht glauben kann, dass sie zu einem Tor geführt hat.

"Eigentlich unglaublich, was da alles aufgehen musste. Vom langen Ball auf Sabi, die Flanke auf Gregerl, der legt ihn millimetergenau auf und Sasa kommt genau dort mit Anlauf hin. Wenn wir diese Situation ohne Gegenspieler 100.000 Mal durchspielen, dann schießt du in 100.000 Versuchen nicht so ein Tor", grinst Rangnick.

"So kleine Wunder"

"Es gibt irgendwo so kleine Wunder", lacht Michael Gregoritsch.

Die Noten für die ÖFB-Kicker >>>

3:3 – und dann brachen alle Dämme. Alexander Schlager legte aus dem eigenen Tor einen Sprint über 100 Meter hin, um mit seinen Kollegen zu jubeln.

"Ich habe ihm ein paar Watschen gegeben"

David Alaba

"Ich habe gehofft, dass der Schiri danach abpfeift, weil ich komplett außer Atem war. Nicht nur der Sprint, sondern alles, was zusammenkommt. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie es einem Spieler am Spielfeld geht", sagt der ÖFB-Goalie.

Alaba berichtet: "Ich bin – so wie alle – Richtung Sasa gelaufen, die Hälfte ist am Boden gelegen, die Hälfte auf ihm drauf. Ich habe ihm ein paar Watschen gegeben. Es war sehr emotional."

Erinnerungen an das Bosnien-Spiel

Der helle Wahnsinn. Es sind Momente, die eine Nation in Ekstase versetzen.

Gregoritsch denkt zurück an das Spiel gegen Bosnien-Herzegowina, als die WM-Quali fixiert wurde.

"Im November habe ich mich gefragt, ob so ein Moment nochmal kommt. Anscheinend kommen sie immer wieder", sagt der Steirer.

"So etwas kann man nicht mehr erleben"

Konrad Laimer indes ist sich nicht sicher, ob sich so etwas wiederholen lässt: "So etwas kann man nicht mehr erleben. Die ganzen Umstände, der Spielverlauf, alles drumherum, das ist Wahnsinn."

Selbst ein erfahrener Trainerfuchs wie Rangnick ist fassungslos: "Ich bin seit 40 Jahren Trainer, aber ich kann mich nicht einmal im Ansatz an ein Spiel erinnern, das so einen dramatischen und so einen unerwarteten Verlauf hatte."

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