Aperol, Autostopp, Emotionen: Was von Mailand/Cortina 2026 bleibt
Mailand/Cortina 2026 zeigte Herz, Improvisationstalent und spektakuläre Kulissen, aber auch Tristesse, Chaos und Baustellen. Organisatorisch waren die Spiele oft ein Geduldsspiel, sportlich ein Fest - und ein Fingerzeig für die Zukunft.
von Daniela Kulovits
Vor 18 Tagen bin ich nach Cortina d’Ampezzo aufgebrochen. Im Gepäck: Aufregung, große Erwartungen und auch einige Bedenken.
Jetzt, am Ende der Olympischen Spiele, kann ich sagen: Viele meiner Erwartungen haben sich erfüllt, viele meiner Bedenken waren berechtigt.
Wie erwartet, waren es die Olympischen Spiele der weiten Wege – und teils auch der tristen Stimmung.
Weltcup, WM - oder doch Olympia?
In Bormio, von so manchem Kollegen als Blinddarm der Spiele bezeichnet, kam kaum Olympia-Flair auf, gab es auch Kritik der Athleten an der Stimmung. Ähnlich trist war es in Predazzo. In der Biathlon-Hochburg Antholz war die Stimmung wie immer gut, erinnerte jedoch eher an Weltcup oder WM als an Olympia. In Livigno sollen zumindest gute Partys gefeiert worden sein.
In Cortina kam definitiv Olympia-Feeling auf, trafen sich dort immerhin fünf Sportarten und in der überschaubaren Innenstadt Fans aus aller Welt auf einen gemeinsamen Aperol Spritz und tauschten Olympia-Pins aus.
Daumen hoch
Im zweiten Hauptaustragungsort neben Mailand herrschte vor allem zu Beginn der Spiele Chaos, sowohl bei diversen Sicherheitskontrollen für Fans, Medienschaffende, Betreuer und teilweise sogar Sportler:innen als auch beim extra für die Spiele eingerichteten Shuttle-Bus-System.
War einer der Busse wieder mal zu früh oder zu spät oder kam gar nicht, half in der Regel das klassische Autostoppen per gestrecktem Daumen. Irgendjemand hat einen immer mitgenommen, unfreundlich war in diesen zweieinhalb Wochen niemand.
Dass Olympia in Italien vielerorts eine große Baustelle werden würde, war im Vorfeld abzusehen. In Cortina prägten Baukräne und Bagger das Landschaftsbild, umrahmt vom spektakulären Panorama der Dolomiten.
Zumindest die Sportstätten wurden alle rechtzeitig soweit fertig, dass die Athlet:innen Höchstleistungen vollbringen konnten.
Besondere Momente und Mut
Österreichs sportliche Bilanz fällt mit insgesamt 18 Medaillen, davon fünf in Gold, höchst positiv aus.
Olympia 2026 - alle Medaillen für Österreich im Überblick >>>
Herausragende Momente wie die sechs Goldmedaillen von Langlauf-König Johannes Hoesflot Klaebo, das unfassbare Comeback von Federica Brignone oder die faszinierende Gold-Kür von Eiskunstlauf-Rebellin Alysa Lui werden ebenso in Erinnerung bleiben wie das Drama um Lindsey Vonn, der kanadische Skandal-Finger im Curling oder der vor purer Enttäuschung durch den Schnee stapfende Atle Lie McGrath.
Viele Sportler:innen haben auf der größtmöglichen Bühne offen all ihre Emotionen gezeigt, Einblick in ihr Innerstes gegeben und damit viele Menschen berührt und Mut gemacht.
Mut haben auch jene Athlet:innen bewiesen, die sich entgegen der Olympischen Charta zu weltpolitischen Themen geäußert haben und für Fairness, Respekt und Solidarität eingestanden sind. Selten waren Olympische Spiele so mit Politik aufgeladen.
Ein Fingerzeig
Mailand/Cortina 2026 war auf vielen Ebenen ein Fingerzeig, wohin sich die Olympischen Spiele entwickeln werden. Vor allem das dezentrale Konzept scheint eines für die Zukunft zu sein.
Die nächsten Olympischen Winterspiele finden 2030 in den französischen Alpen statt. Die Wettkampfstätten reichen von Le Grand-Bornand in der Nähe von Genf bis nach Nizza. Die Eisschnelllauf-Bewerbe könnten sogar in Italien oder den Niederlanden stattfinden.
Aber zuerst heißt es einmal: Ciao, Milano/Cortina 2026.