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Scheib verpasst Medaille: "Ich will es nicht auf andere schieben"

Julia Scheib war die Gold-Favoritin im Riesentorlauf - ein Funkspruch brachte sie jedoch um ihre Medaillenchance. Warum sie dennoch nicht am Boden zerstört ist:

Scheib verpasst Medaille: "Ich will es nicht auf andere schieben" Foto: © GEPA

Die vermeintlich einfachsten Medaillen sind die schwersten. Das hat sich am Sonntag im Riesentorlauf der Frauen einmal mehr bewiesen.

Nach vier Saisonsiegen als Gold-Favoritin angereist, verlässt Julia Scheib Cortina nach Rang fünf mit leeren Händen.

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Ihr Olympia-Debüt hätte sich die Steirerin freilich anders vorgestellt. Schon im Vorfeld sprach sie offen von einer Riesenenttäuschung, sollte sie keine Medaille holen.

Diese Enttäuschung und Niedergeschlagenheit ist Scheib nach dem Rennen ins Gesicht geschrieben.

Ich weiß nicht, wie lange ich mich mental und körperlich auf so einem Level zeigen kann.

Scheib trauert der verpassten Olympia-Chance nach

"Es ist bitter. Natürlich ist es nicht gelaufen, wie ich es mir erhofft habe", sagt die Führende im Riesentorlauf-Weltcup, aber: "Ich bin jetzt nicht am Boden zerstört."

Dennoch trauert Scheib einer verpassten Chance nach. "Ich weiß nicht, wie lange ich mich mental und körperlich auf so einem Level zeigen kann. Generell hoffe ich, dass es noch einige Jahre so ist, aber es ist schwierig, dass es hier nicht gereicht hat."

Der Medaillenspiegel im Ski Alpin >>>

Scheib über 1. Durchgang: "Es war wirklich eigen"

Sieben Hundertstel fehlten der 27-Jährigen am Ende auf eine Medaille. "Der Grat im Leistungssport ist schmal", merkt Scheib an.

Wie schmal er sein kann, wurde schon im 1. Durchgang deutlich. Nicht weniger als 17 Läuferinnen lagen innerhalb von 1,25 Sekunden.

Die wenig drehende Kurssetzung kam ihr nicht entgegen. "Im unteren Teil war das schon fast Richtung Super-G, da war fast keine Kurve mehr drin. Es war wirklich eigen", sagt Scheib. "Es war wenig drinnen, wo ich ganz meine Klasse ausspielen konnte. Das soll keine Ausrede sein, ich hätte es einfach besser machen müssen."

Funkspruch bringt Scheib um Medaillenchance

Scheib verlor nach einem kleinen Hakler im oberen Teil und einer alles andere als idealen Linie beim Zielsprung 1,13 Sekunden auf die Führende und spätere Olympiasiegerin Federica Brignone. Der Fehler kurz vor dem Finish hätte "sieben Zehntel" gekostet, schätzt Scheib im "ORF".

Auf den Zielsprung angesprochen, meint die Steirerin: "Ich wollte da gerade runterstechen und das Tor mit Ach und Krach noch erwischen. Es ist vom Funkspruch ein bisschen eine andere Linie gekommen… ist jetzt so", wirkte sie nach Lauf eins nicht sonderlich glücklich über die Ansage der Trainer.

Auch Cheftrainer Roland Assinger bestätigt, dass die Vorgaben im Funkspruch "zu konservativ" gewesen seien, weshalb Scheib viel zu viel Platz ließ.

"Ich will es aber nicht auf andere schieben. Jeder gibt sein Bestes, Fehler passieren. Man gewinnt zusammen und verliert zusammen. Es ist auch schon sehr viel Gutes passiert", so die Trägerin des Roten Trikots im RTL-Weltcup.

Scheib: "Das ist mir nicht entgegengekommen"

Letztendlich sei der große Rückstand aus dem 1. Durchgang aber zu viel gewesen.

Im zweiten Lauf habe ihr ein Fehler im Mittelteil ein wenig Geschwindigkeit gekostet. "Warum es mir dann so das Tempo runtergerissen hat, kann ich aber auch nicht sagen", ist Scheib unmittelbar nach dem Rennen ratlos, warum es im Ziel Rot aufleuchtete.

Mit ihrem Skifahren ist die Gewinnerin von vier Weltcup-Rennen grundsätzlich zufrieden. "Ich bin es wirklich konzentriert gefahren, habe geschaut, dass ich meine Qualitäten ausspiele. Hier geht es halt teilweise bergauf und das ist mir heute anscheinend nicht entgegengekommen."

An der Nervosität sei es jedenfalls nicht gelegen, dass das Olympia-Debüt nicht wie erhofft verlief, betont Scheib. "Ich habe mich schon die ganzen Tage ähnlich gefühlt wie im Weltcup. Darauf kann ich es überhaupt nicht schieben."

Voller Fokus auf kleine Kristallkugel

Apropos Weltcup: Auf diesen will der ÖSV-Star ihren Fokus nun wieder richten. Zwei Rennen vor Saisonende führt Scheib die Disziplinenwertung 89 Punkte vor der Schweizerin Camille Rast und 131 Punkte vor Sara Hector (SWE) an.

Die kleine Kristallkugel ist Scheibs großes Ziel. "Darauf will ich mich fokussieren", sagt sie. Und die Olympia-Enttäuschung? "Die ist morgen abgehakt."

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