Ich habe der Mannschaft nach 40 Minuten gesagt, wegen solcher Spiele spielt man Eishockey.
Beide Teams kämpften darum, die Spielkontrolle zu erlangen, neutralisierten sich in ihren Bemühungen aber völlig. Eine Patt-Stellung zur zweiten Drittelpause war die Folge.
"Ich habe der Mannschaft nach 40 Minuten gesagt, wegen solcher Spiele spielt man Eishockey. Jetzt geht es darum, wer kämpft mehr, wer kann das Glück auf seine Seite ziehen", erzählte Bader.
Doppelschlag brachte Kontrolle
Man hatte das Gefühl, der nächste Treffer würde diese Partie entscheiden - und so kam es schließlich auch.
Dominic Zwerger schweißte das Spielgerät in Überzahl unhaltbar ins kurze Kreuzeck (47./PP). "Es hat das Highlight eines Top-Spielers gebraucht, um das Spiel in die richtige Richtung zu lenken. Deshalb hat man solche Spieler", freute sich Bader.
Nur 44 Sekunden später legte Thimo Nickl sogar das 3:1 nach. "Damit hatten wir das Spiel unter Kontrolle", betonte Bernd Wolf. Doch die Messe war noch nicht gelesen.
Erhöhter Puls auf der Strafbank
Thaler wurde nach einem Kniecheck, den die Referees vor dem Bildschirm auf eine Spieldauerdisziplinarstrafe überprüften, "nur" für zwei Minuten ausgeschlossen. "Das ist natürlich ungünstig. Wenn du auf der Strafbank sitzt, steigt der Puls ordentlich", sagte er.
Fünf Sekunden später wurde auch Gregor Biber nach einer strittigen Strafe wegen Spielverzögerung in die Kühlbox geschickt. "Es hat zur Dramaturgie bei so einem Spiel gehört", so Bader. Ungarn verkürzte in doppelter Überzahl durch Peter Vincze auf 2:3 (54./PP2).
Sofron hatte kurz darauf sogar den Ausgleich am Schläger, verzog seinen Schuss aber neben das halboffene Tor. Goalie Atte Tolvanen wäre chancenlos gewesen.
Völlig verausgabt
Mit vereinten Kräften stemmte sich die ÖEHV-Auswahl gegen das 3:3, auch als knapp zwei Minuten vor Spielende ein sechster ungarischer Feldspieler für Tormann Bence Balizs auf das Eis kam. Ungarn belagerte das rot-weiß-rote Tor regelrecht, fand Chance um Chance vor.
Doch Vinzenz Rohrer und Co. warfen sich heroisch in die Schussversuche des Nachbarn, verausgabten sich mit dem Sieg vor Augen. Nickl erlöste die Bader-Truppe mit dem 4:2 ins leere ungarische Tor.
"Ich war schon recht leer. Ich weiß jetzt gar nicht, wie die Tore gefallen sind", sagte der sonst vor Energie strotzende Rohrer, der völlig ausgelaugt und später mit dick einbandagiertem Knöchel zu sehen war.
Bader war stolz auf sein Team: "Wenn man es so über die Runden bringt und man am Schluss noch so fighten muss, das macht auch was mit einer Mannschaft. Ich glaube, dass wir enorm gestärkt aus diesem Spiel rausgehen und neue Ziele anstreben können."
Das nächste Ziel
Der Teamchef hatte in den letzten Jahren die "rollende Zielsetzung" etabliert. Das erste Ziel wurde bereits erreicht. Der Klassenerhalt dürfte Österreich nicht mehr zu nehmen sein, noch nie ist ein Team mit sechs Punkten aus der Top-Division abgestiegen.
"Wir haben eine sau geile Truppe, in der jeder für jeden kämpft.
"Vor der WM haben so viele den Kader in Frage gestellt, ob wir damit den Klassenerhalt wieder schaffen. Und wir haben es wieder geschafft", atmete Wolf tief durch.
"Jedem fällt ein riesengroßer Stein von den Schultern", sagte Clemens Unterweger und erläuterte: "Ich bin auf jeden Einzelnen mega stolz, wir haben eine sau geile Truppe, in der jeder für jeden kämpft."
Nun kann die restliche WM befreit in Angriff genommen werden. Bader verriet: "Das nächste Ziel ist der dritte Sieg. Nicht mehr." Und Wolf ergänzte: "Jetzt kommen die richtigen "big boys". Wir wollen weiter zeigen, was wir können."