Österreichs WM der Wahrheit
Österreichs Entwicklung zeigte zuletzt stetig nach oben. Setzt sich der Trend trotz der zahlreichen Ausfälle auch 2026 fort, wäre das der größtmögliche Erfolg.
Erstmals seit 2017 keine NHL-Spieler dabei, alle vier Center der historischen WM in Stockholm fehlen, dazu sagte auch der etatmäßige Kapitän ab.
Österreichs Aderlass vor der am Samstag startenden Eishockey-Weltmeisterschaft in Zürich war riesig, immerhin erhielt Teamchef Roger Bader mit Vinzenz Rohrer pünktlich noch eine (wichtige) Verstärkung für die Mission Klassenerhalt.
Diese steht heuer unter völlig anderen Vorzeichen, bedingt durch die zahlreichen, teils hochkarätigen Ausfälle sowie der Tatsache, dass die Schlüsselspiele gegen den Abstieg bereits zu Beginn warten.
Auf Österreich wartet deshalb eine WM der Wahrheit: Wie viel Substanz steckt mittlerweile hinter dem Aufschwung der vergangenen Jahre?
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Sorgenfalten nicht allzu groß
Die Ausgangslage hätte vor einigen Jahren noch wesentlich mehr Sorgenfalten hervorgerufen, als es heute der Fall ist. Das Nationalteam ist unter der Leitung von Teamchef Roger Bader deutlich breiter geworden.
Waren ÖEHV-Ehren in der Vergangenheit oft nur einem elitären Kreis vorbehalten, kann sich der Schweizer mittlerweile aus einem Pool von 40-50 Spielern bedienen und ihnen bedenkenlos sein Vertrauen schenken.
Er scheute nie davor zurück, besonders den jungen Spielern eine Chance zu geben und sie sprichwörtlich "ins kalte Wasser zu werfen". Ein Sager, den Bader gebetsmühlenartig bringt und von Journalisten häufig augenverdrehend zur Kenntnis genommen wird.
Aber: Leon Kolarik und Ian Scherzer sind aktuell die besten Beispiele für den erfolgreich bestrittenen Weg. Zudem misst Bader den Klub-Leistungen aller Spieler einen gewissen Wert bei, essenziell ist aus seiner Sicht aber die internationale Tauglichkeit.
Wer auf der großen Bühne "ertrinkt", wird es nachhaltig schwer haben, sich für eine WM zu empfehlen.
Keine Angst vor unpopulären Entscheidungen
Der Teamchef schreckt in dieser Hinsicht auch nicht vor Entscheidungen, die in der breiten Öffentlichkeit als unpopulär angesehen werden, zurück. Wird für einen Akteur nicht mehr die richtige Rolle in der Mannschaft gesehen, ist eine Einberufung nahezu ausgeschlossen.
Deshalb machte etwa eine Rückkehr von Manuel Ganahl ins ÖEHV-Team wenig Sinn. Beide Seiten hegten Zweifel, ob die zu erwartende Eiszeit ein Comeback gerechtfertigen würde.
Störfeuer will der Schweizer auf diese Weise gar nicht erst zulassen, jedes Team-Mitglied muss sich vollumfänglich mit seinen angedachten Aufgaben identifizieren.
Bader achtet zudem darauf, sein Lineup so ausgewogen wie möglich zu gestalten, jedem Spieler auch einen Platz in den Special Teams zuzugestehen. Diese Herangehensweise trug in den letzten Jahren Früchte.
Nicht die besten, sondern die richtigen Spieler
Frei nach Josef Hickersberger galt heuer umso mehr die Devise, nicht die besten, sondern die richtigen Spieler für die WM in Zürich zu finden.
Die Stimmung in der Kabine wird von Spielern wie Trainern als hervorragend beschrieben, manch einer soll nach einer diffizilen Saison im Kreis der Nationalteam-Kollegen regelrecht aufblühen. So könnte das eine oder andere Formloch gestopft werden.
Nahezu garantiert ist, dass die Mannschaft wieder gemeinsam an einem Strang ziehen und sich über das Kollektiv definieren wird. Diesbezüglich wird heuer auch wieder unisono der großartige Team-Spirit und der Zusammenhalt hervorgehoben.
Wird der Beweis für die Entwicklung geliefert?
All das soll sich bestenfalls auf die Eisfläche übertragen und zu neuen Höhenflügen führen – auch wenn diese 2026 anders zu definieren sind.
Der Klassenerhalt bleibt zwar das oberste Ziel, entscheidender wird aber die Frage sein, ob Österreich seinen eingeschlagenen Weg trotz aller Widrigkeiten fortsetzen kann.
Sollte das gelingen, wäre das wohl der größtmögliche Erfolg dieser WM – und vielleicht der deutlichste Beweis dafür, wie nachhaltig sich Österreichs Eishockey mittlerweile entwickelt hat.