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These: Entscheidungsspiele zum WM-Start sind ein enormer Nachteil

Muss Österreich mit dem WM-Aufgebot 2026 um den Klassenerhalt bangen? Wird die Einbürgerung von Atte Tolvanen zum Nullsummenspiel? LAOLA1 debattiert:

These: Entscheidungsspiele zum WM-Start sind ein enormer Nachteil Foto: © GEPA

In unserem Format "Ansichtssache" versuchen wir, Meinungen, Stimmungen, Überreaktionen oder sonstige Ansichten jeglicher Art in eine These zu packen und zu analysieren.

Das kann mal provokant sein, mal eine oft gehörte Meinung. Mal sehr strittig, mal weniger. Mal eine Prognose, mal eine simple Einordnung.

Vor dem Start in die Eishockey-Weltmeisterschaft 2026 befassen sich Eishockey-Experte Maximilian Girschele und LAOLA1-Scout Bernd Freimüller mit vier Thesen, die von der Redaktion aufgestellt wurden:

These 1: Die Ausfälle wiegen zu schwer: Mit dem WM-Aufgebot 2026 wird das ÖEHV-Team um den Klassenerhalt bangen müssen.

These 1: Die Ausfälle wiegen zu schwer: Mit dem WM-Aufgebot 2026 wird das ÖEHV-Team um den Klassenerhalt bangen müssen.
Unter anderem Marco Kasper fehlt bei dieser WM.
Foto: ©GEPA

Maximilian Girschele:

Muss Österreich nicht bei jeder WM um den Klassenerhalt bangen?

Teamchef Roger Bader hat zuletzt nicht ohne Grund auf das Ungarn-Spiel 2023 verwiesen, in dem das ÖEHV-Team nur mit Ach und Krach nicht über die Klippe ging.

Die letzten beiden Endrunden, allen voran natürlich die sensationelle 2025 in Schweden, waren schöne Erfolge, die es zu schätzen gilt. Denn ein Viertelfinale ist alles andere als selbstverständlich. Unter den heurigen Umständen gilt das umso mehr.

Diverse Verletzungen und Spieler, die (noch) weit von ihrer Top-Form entfernt sind, machen die Aufgabe in Zürich sicher nicht leichter. Letztlich wird die Klasse aber gehalten - über das Wie wird in zehn Jahren keiner mehr fragen.

Bernd Freimüller:

Grundsätzlich wird Österreich immer erst nach unten schauen müssen, bevor der Blick nach oben geht. Auch wenn einige "Ausfälle" natürlich keine sind (Brian Lebler, Michael Raffl), ist das heurige Aufgebot vor allem in der Offensive schon krass reduziert.

Das Turnier wird daher zum Lackmus-Test, ob die (unzweifelhaft) breitere Spielerauswahl der letzten Jahre jetzt wirklich schon für eine A-WM bereit ist. Einige Cracks sind neu, andere müssen in der Hierarchie aufsteigen und abliefern.

Das muss gegen Teams wie Ungarn oder Großbritannien reichen, sonst wäre das ein arger Rücksetzer.

These 2: Dass das Turnier mit den Entscheidungsspielen beginnt, ist ein enormer Nachteil für das ÖEHV-Team.

These 2: Dass das Turnier mit den Entscheidungsspielen beginnt, ist ein enormer Nachteil für das ÖEHV-Team.
2024 waren die ÖEHV-Cracks nach der Niederlage gegen Großbritannien bitter enttäuscht.
Foto: ©GEPA

Bernd Freimüller:

Ach ja - was die letzten beiden WMs nicht benötigt wurde, wird jetzt wieder ausgegraben: Österreich hat immer den schwersten und unfairsten Spielplan, unabhängig davon, dass der größtenteils an den Weltranglisten-Platz gekoppelt ist. 

Fakt ist: Ungarn stieg eine Woche später in die Vorbereitung ein als Österreich, die Briten gleich drei Wochen später und sie spielten überhaupt nur vier Tests (alle gegen Italien).

Gerade gegen sie, die von fünf Camps wie Österreich nur träumen können, sollte das ÖEHV-Team früher und gewohnter das Tempo einer A-WM anschlagen können.

Als These abenteuerlich (worin sollte der Nachteil liegen?), als vorauseilende Ausrede völlig unbrauchbar...

Maximilian Girschele:

Ich kann der These ebenfalls wenig abgewinnen.

Mit den starken Leistungen der letzten zwei Jahre hat sich Österreich diese Ausgangslage erspielt. Man muss nicht erst bis zum Schluss warten, ehe die Schlüsselspiele um den Klassenerhalt anstehen.

Natürlich ist der Druck, sofort abliefern zu müssen, damit gegeben. Aber der Vorteil der (deutlich) längeren Vorbereitung gegenüber Ungarn und Großbritannien sollte - wie Bernd aufgezeigt hat - überwiegen.

These 3: Effizienz und überzeugte Defensivarbeit werden entscheiden: An die 21 Tore der letzten beiden Weltmeisterschaften wird Österreich diesmal nicht herankommen.

These 3: Effizienz und überzeugte Defensivarbeit werden entscheiden: An die 21 Tore der letzten beiden Weltmeisterschaften wird Österreich diesmal nicht herankommen.
Wird Österreich wieder so häufig jubeln dürfen?
Foto: ©GEPA

Maximilian Girschele:

Muss Österreich auch gar nicht, solang gegen Großbritannien und Ungarn die nötigen Tore geschossen werden und man sich hinten gleichzeitig nicht offen wie ein Scheunentor präsentiert.

In der Hinsicht ist es vielleicht sogar positiv, dass der Aderlass die Offensive und nicht die Abwehr betrifft. Dort fehlt im Vergleich zum Vorjahres-Aufgebot nur der zurückgetretene Dominique Heinrich.

Oberstes Credo muss ohnehin sein, auf irgendwelche Spompanadln zu verzichten. Das Team muss als Einheit agieren, geradlinig und zielstrebig nach vorne spielen, darf sich mit der Scheibe nicht zu viel Zeit lassen und ist angewiesen, das internationale Eishockey anzunehmen.

Dann wird man vielleicht nicht an die 21 Tore der letzten beiden WMs herankommen, aber mit Effizienz und überzeugter Arbeit - sowohl offensiv als auch defensiv - wieder für Schlagzeilen sorgen.

Bernd Freimüller:

Logisch - wenn dir Offensivkapazunder wie Marco Rossi, Marco Kasper, Lukas Haudum, aber auch einige Cracks der zweiten Riege, wegbrechen, könnte das Toreschießen nicht mehr so leicht von der Hand gehen wie zuletzt.

Vor diesen WMs bewahrheitete sich, dass Tore im Oberhaus schwer erkämpft werden müssen.

So könnte es auch heuer werden, umgekehrt sollten die schwersten Zeiten im Tor und der Defensive überwunden sein. Knappe Siege mit einigen Beiträgen von (bisherigen) Rollenspielern sollten aber allemal drinnen sein.

These 4: Die Einbürgerung von Atte Tolvanen wird zum Nullsummenspiel: David Kickert ist die klare Nummer 1, mittelfristig lechzen andere auf ihre Chance.

These 4: Die Einbürgerung von Atte Tolvanen wird zum Nullsummenspiel: David Kickert ist die klare Nummer 1, mittelfristig lechzen andere auf ihre Chance.
Wird die Einbürgerung von Atte Tolvanen zum Nullsummenspiel?
Foto: ©GEPA

Bernd Freimüller:

Atte, du kommst und bist schon wieder weg? – so die Bilanz nach seinem letztjährigen Kurzgastspiel bei der WM. Im Nachhinein unglücklich und verwischte auch etwa seine Leistungen, die er zuvor in der Liga erbracht hat.

Nur: So groß ist die Goalie-Dichte in Österreich weiterhin nicht, dass man auf ihn so einfach verzichten könnte. Tolvanen wird sich wohl mit David Kickert abwechseln, ohne zwei funktionstaugliche Torhüter kann man ohnehin keine WM bestreiten.

Der Rest des Feldes sind weiterhin Vereins-Backups (Wieser, Vorauer) oder mit Sebastian Wraneschitz ein Mann, der immer wieder Pausen einlegen muss. Tolvanen daher kleinzureden, ist (noch) verwegen.

Maximilian Girschele:

David Kickert die klare Nummer 1? Mitnichten.

Klar, der Wiener erzielte in dieser Saison deutlich bessere Werte als Tolvanen und war 2025 ein essenzieller Faktor am Weg ins WM-Viertelfinale. Heuer werden sich beide aber wieder abwechseln, beginnend mit den Partien gegen Ungarn und Großbritannien.

Tolvanen wird es indes auch mittelfristig im Nationalteam brauchen, das Salzburg-Duo sollte über viele Jahre gesetzt sein. Dahinter wird sich weisen, wer den beiden Konkurrenz machen kann.

Erfreulich ist ja, dass es mittlerweile einige Optionen gibt. Doch auf internationalem Niveau haben bislang nur Florian Vorauer und Sebastian Wraneschitz bewiesen, dass sie ernsthaft für einen WM-Platz in Betracht bezogen werden können.

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