Hintergrund

Österreichs 4. Linie widerspricht allen Klischees

Im Volksmund ist eine vierte Angriffsreihe aus "drei Fleischbergen" weit verbreitet. Teamchef Roger Bader wählte einen anderen Ansatz - mit Erfolg.

Österreichs 4. Linie widerspricht allen Klischees Foto: © IMAGO / Beautiful Sports International

Die Not macht bekanntlich erfinderisch.

Den zahlreichen Ausfällen geschuldet, bietet Österreichs Teamchef Roger Bader in Zürich eine vierte Angriffslinie voller WM-Debütanten auf. Dass Leon Kolarik, Leon Wallner und Tim Harnisch erstmals bei einer Endrunde dabei sind, ist ihnen jedoch nicht anzumerken.

Das Trio hat in den bisherigen Spielen "einen absolut ausgezeichneten Job" verrichtet, erklärte Peter Schneider. Sie spielen defensiv zuverlässig und sorgen für die nötigen Entlastungsmomente.

Außerdem sorgten sie bereits für rot-weiß-rote Jubelstürme. Harnisch durfte gegen Lettland sogar sein erstes WM-Tor verbuchen. Auch Kolarik hat bereits einen Assist gesammelt.

Großes Lob von Schneider, Freude beim Teamchef

Ihre Leistungen wollte Kapitän Peter Schneider bewusst hervorheben: "Egal ob mit einer Torbeteiligung oder den Checks, die sie fahren. Sie rackern unermüdlich."

Deshalb war es Bader gar nicht so lieb, das Trio beim 3:1 gegen Lettland im Schlussdrittel bis auf einen Wechsel gar nicht mehr einzusetzen. "Ich habe früher mit drei Blöcken gespielt, als es üblich ist. Das ist durch die Situation entstanden", sagte der Schweizer.

Viele sagen, die vierte Linie müssen drei Fleischberge sein, die alles checken, was in den Weg läuft.

Kolarik, Wallner und Harnisch beweisen das Gegenteil

Hintergrund war der rasche Ausgleich der Letten, auch nach dem 2:1 von Benjamin Nissner wollte der Teamchef nicht mehr auf die 4. Linie setzen.

Trotzdem sprach Bader ein Lob aus: "Immer, wenn sie am Eis sind, geben sie der Mannschaft Energie und schießen nun schon das zweite wichtige Tor. Sie machen Freude."

"Jeder zeigt, warum er hier ist"

Nicht nur beim Teamchef, sondern auch auf der Spielerbank. Sinnbildlich für den Teamspirit wurden Harnisch und Co. regelrecht "abgebusselt", als sie nach dem Treffer zum 1:0 an die Bande zurückgekommen sind.

Schneider betonte: "Der Zusammenhalt ist keine Floskel, er wird gelebt. Das ist der einzige Weg, wie wir mit so einer WM-unerfahrenen Mannschaft überhaupt eine Chance haben."

Vor dem Turnierstart in Zürich war den Österreichern wenig bis gar nichts zugetraut worden. "Es ist viel gemunkelt worden, warum der eine oder andere nicht gekommen ist", wusste Schneider, "aber jeder Spieler zeigt, warum er hier ist."

Es braucht keine Fleischberge

Da spielt es auch keine Rolle, dass die vierte Linie eigentlich untypisch zusammengesetzt ist. "Viele sagen, die vierte Linie müssen drei Fleischberge sein, die alles checken, was in den Weg läuft", so Bader.

Als "Goons" oder Grinder gehen Kolarik (1,80 Meter), Wallner (1,85 Meter) und Harnisch (1,79) sicher nicht durch. Bader wählte einen anderen Ansatz. Und bekam Recht: "Ich habe eine talentierte, junge Linie gebaut. Wir fahren gut damit."

Unabhängig vom weiteren WM-Verlauf haben die drei nicht nur allen Klischees widersprochen. Das Trio hat seine Chance, die sich dank einiger Absagen eröffnet hat, bereits genutzt und dürfte auch in Zukunft gute Karten beim Teamchef haben.

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