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Deutschland gewarnt: "Gegen Österreich ist es hart und eklig"

DEB-Verteidiger Phillip Sinn spricht vor dem "Derby" über die bisher enttäuschende WM und zeigt sich von den ÖEHV-Leistungen beeindruckt.

Deutschland gewarnt: "Gegen Österreich ist es hart und eklig" Foto: © GEPA

Geheimnisse gibt es zwischen Österreich und Deutschland längst keine mehr - zumindest im Eishockey.

Alleine in den letzten sechs Monaten hat man sich drei Mal duelliert, allerdings nicht mit einer derart großen Bedeutung wie bei der Eishockey-WM in Zürich am Samstag (20:20 Uhr im LIVE-Ticker >>>).

Beide Nationen stecken mitten im Kampf um die Viertelfinal-Plätze, das ÖEHV-Team kann den Traum mit einem Sieg jeglicher Art praktisch realisieren. Sogar ein Punktgewinn könnte unter gewissen Umständen ausreichend sein.

Deutschland hingegen ist dazu verdammt, nach 60 Minuten zu triumphieren – ansonsten verpasst die Truppe von Bundestrainer Harold Kreis zum zweiten Mal in Folge die K.o.-Phase.

Mit dem Rücken zur Wand

"Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", wusste DEB-Verteidiger Phillip Sinn im Gespräch mit LAOLA1 infolge des 3:4 nach Shootout gegen die USA am Mittwoch.

Jeder weiß, was es braucht und was auf dem Spiel steht.

Phillip Sinn

Es war der erste Punkt für die DEB-Auswahl überhaupt in diesem Turnier, die ersten drei Spiele wurden allesamt verloren. Der Druck ist nun schon vor dem Duell gegen Ungarn (16:20 Uhr im LIVE-Ticker) groß.

Die verzwickte Lage hätte die Mannschaft aber noch enger zusammengeschweißt, betonte Sinn: "Jeder weiß, was es braucht und was auf dem Spiel steht."

Unglückliche Niederlage gegen die USA

Das hätte sich seiner Ansicht nach bereits gegen Titelverteidiger USA gezeigt. Ein Spiel, das nach zweimaliger Führung gut und gerne auch zugunsten Deutschlands hätte ausfallen können.

Eine strittige Situation vor dem 3:3-Ausgleich kurz vor Schluss, als NHL-Goalie Philipp Grubauer der Puck mehrfach aus dem Catcher gestochert wurde und schließlich im Tor landete, führte die Partie schließlich bis ins Penaltyschießen.

Dort führte Deutschland lange mit 1:0, doch mit den letzten zwei Penaltys drehte die USA den Spieß um und ging als Sieger vom Eis.

"Es ist auf jeden Fall bitter, dass wir nur einen Punkt mitgenommen haben. Wir haben ein richtig gutes Spiel gezeigt und hätten den Sieg verdient gehabt", meinte Sinn.

Seider stürmt wortlos in die Kabine

Das 1:6 gegen die Schweiz, die Deutschland mit fünf Toren im Mittelabschnitt demontierte, ließ die Köpfe besonders tief hängen. Es war die höchste Niederlage gegen die Eidgenossen seit 89 Jahren.

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Schlechte Stimmung bei Moritz Seider
Foto: ©IMAGO / Geisser

Die Stimmung war auch am Mittwoch angespannt - das machte sich allen voran bei Kapitän Moritz Seider bemerkbar. Der NHL-Star stürmte wortlos durch die Mixed Zone und schnurstracks in die Kabine. Grubauer verweigerte ebenfalls Interviews mit der schreibenden Presse.

"Nach dem Schweiz-Spiel war die Stimmung natürlich nicht so prickelnd", bestätigte Sinn und konnte nicht einschätzen, wie erhitzt die Gemüter nach der vierten Niederlage im vierten Spiel sein würden.

Er stellte jedoch klar: "Wir haben gute Leader und absolute Top-Spieler in der Mannschaft, die mit solchen Situationen umgehen können." Den Punkt wollte man als Erfolgserlebnis verbuchen, die Viertelfinal-Hoffnungen hätten allerdings auch ohne ihm noch bestanden.

Siegen oder Fliegen

Werbung für die Heim-WM 2027 wollte die DEB-Auswahl in der Schweiz betreiben. Doch nach dem Viertelfinal-Aus bei Olympia droht das nächste Desaster.

Deutschlands verbleibende Gruppenspiele stehen unter dem Motto "Do or Die". Nach Ungarn warten noch Österreich und Großbritannien.

"Wir müssen - und sollten - jedes Spiel gewinnen", strahlte Sinn trotz der misslichen Lage Selbstvertrauen aus.

Österreich bislang "ziemlich stark"

Der Abwehrspieler von Red Bull München war sich zugleich bewusst, dass gerade das ÖEHV-Team nicht unterschätzt werden dürfe.

Gegen Österreich ist es hart und eklig zu spielen.

Phillip Sinn

"Ziemlich stark!", bewertete er die bisherige Turnier-Leistung der "Bader Boys". "Ihre ersten drei Spiele waren absolut top. Lettland zu bezwingen, war ein Achtungserfolg", sagte Sinn und betonte: "Gegen Österreich ist es hart und eklig zu spielen."

Österreichs 0:9 gegen die Schweiz sei für das "Derby" von keinerlei Bewandtnis. "Man ist zwar unter die Räder gekommen, aber die Schweiz ist auch eine absolute Top-Mannschaft. Das kann passieren, wie wir selbst gesehen haben."

Ohne RB-Akademie nicht im Nationalteam?

Der 22-Jährige aus Mannheim hegt selbst Verbindungen zu Österreich.

Nach den ersten Karriereschritten bei den Adler Mannheim wechselte der spielstarke Verteidiger 2018 mit 14 Jahren in die Red Bull Eishockey Akademie nach Salzburg.

Auf die Zeit in der Mozartstadt blickte er sehr positiv zurück: "Ich glaube nicht, dass ich jetzt hier wäre, wenn ich nicht in die Akademie gegangen wäre. Ich bin sehr stolz auf diese Zeit."

"Dass ich jetzt bei der WM bin..."

2023 setzte sich der Linksschütze im Profi-Team des EC Red Bull Salzburg fest, gewann in den folgenden zwei Jahren jeweils die Meisterschaft.

Im vergangenen Sommer übersiedelte Sinn innerhalb des Red-Bull-Konstrukts nach München und zog ein zufriedenes Fazit seiner ersten DEL-Saison.

"Dass ich jetzt bei der WM dabei bin, ist wohl ein Zeichen, dass die Saison ganz in Ordnung war", sagte Sinn.

RB-Überläufer: Sie sind von Salzburg nach München gegangen

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