Dieses Team straft jeden Pessimisten Lügen
Vor der WM wurde wegen der zahlreichen Ausfälle sogar der Klassenerhalt infrage gestellt. Nun darf Österreich wieder vom Viertelfinale träumen.
In Österreich neigen wir gerne einmal dazu, die Dinge schwarz zu malen.
Als die diversen, teils hochkarätigen Ausfälle für die Eishockey-WM bekannt wurden, lautete der Tenor vielerorts: Das wird mit dem Klassenerhalt ganz knapp.
Drei Spiele ist die WM jetzt alt - und das ÖEHV-Team darf schon wieder vom Viertelfinale träumen.
Großes Kino
Was das ÖEHV-Team in Zürich abliefert, ist ganz großes Kino und gar nicht hoch genug einzuschätzen.
Am Wochenende wurde die Pflicht souverän erfüllt, der Grundstein für den Klassenerhalt mit den Erfolgen über Großbritannien und Ungarn gelegt.
Nun wurde die fünfteilige Kür mit dem 3:1 gegen Lettland erfolgreich eingeleitet.
Das berühmte Haar in der Suppe
Neun Punkte aus drei Partien - das ist historisch. Noch nie ist Österreich so gut in eine A-Weltmeisterschaft gestartet.
Dass die Tabellenführung an die Schweiz und Finnland abgetreten werden musste, brachte Teamchef Roger Bader zum Schmunzeln: "Es tut mir leid", sagte er, als wäre es seine Schuld. "Das ist das berühmte österreichische Haar in der Suppe, das man immer findet."
Der Schweizer wusste natürlich, dass dies nur als Scherz zu verstehen war. Daran erkannte man auch, dass seine Stimmung gelöst war.
Die Erfolgsfaktoren
Verständlich, denn sein Team straft jeden Pessimisten Lügen. "Das hätte uns in dieser Form niemand zugetraut", wusste Kapitän Peter Schneider.
In jeder Aktion agiert Österreich als Mannschaft, der Zusammenhalt ist bis auf den letzten Zuschauerrang spürbar. Diese Auswahl steht sinnbildlich für Kampfgeist und Wille, glänzt zudem mit überragender Effizienz - 17,39 Prozent aller Schüsse landen im Tor.
Man hat gar keine andere Wahl, als sich mit diesen Jungs zu identifizieren. Mit ihnen mitzufiebern. Sie ziehen einen einfach in ihren Bann.
Wer hat ans Viertelfinale geglaubt?
Der Klassenerhalt war realistisch. Österreich hat nun mehrfach bewiesen, mittlerweile zum Inventar der Top-Division zu gehören.
Doch nur die kühnsten Optimisten konnten erahnen, dass der rot-weiß-rote Weg eventuell wieder bis ins Viertelfinale führen könnte.
Ein Punkt aus den verbleibenden vier Spielen könnte bereits reichen. Damit geben sich die "Bader Boys" jedoch nicht zufrieden. Sie wollen mehr - den vierten Sieg, der den sicheren Einzug unter die Top 8 bedeuten würde.
Nichts ist mehr ausgeschlossen
Diesen bereits gegen die Schweiz einzufahren, wird extrem schwer. Der Gastgeber pflügt bislang durch die Gruppe A, angefeuert von zehntausenden eidgenössischen Patrioten.
Trotzdem ist mit Selbstvertrauen und dem Glauben, Berge versetzen zu können, alles möglich. "Wer sagt, dass wir nicht ein, zwei Tore machen und dasselbe wie heute passiert?", fragte Benjamin Nissner.
Ausgeschlossen ist wirklich gar nichts mehr.