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Matthew Tkachuk: Mehr als nur ein "Zipfer"

Der US-Star kann dem Gegner unter die Haut gehen, aber auch Spiele entscheiden. Bei der WM nimmt Tkachuk den "Triple Gold Club" ins Visier.

Matthew Tkachuk: Mehr als nur ein "Zipfer" Foto: © IMAGO / justpictures.ch

Matthew Tkachuk zählt zu jenem Typ Spieler, dem man am Eis nicht gegenüberstehen will, jedoch liebend gerne in seinem Team hat.

Der US-Amerikaner weiß, wie er dem Gegner unter die Haut fahren kann. Doch der 28-Jährige kann viel mehr, als nur zu zipfen und die Emotionen hochkochen zu lassen.

Der Sohn von Keith Tkachuk und ältere Bruder von Brady Tkachuk vereint körperliches Spiel mit offensiver Produktion wie kaum kein anderer. Davon zeugen zwei aufeinanderfolgende 100-Punkte-Saisons sowie drei Playoff-Runs en suite mit mehr als 20 Torbeteiligungen.

Die US-Fans wissen also, was sie bei der Eishockey-WM in Zürich vom Superstar bekommen. Beim 4:3-Sieg nach Shootout gegen Deutschland am Mittwoch wirkte der zweifache Stanley-Cup-Sieger und Olympia-Goldene von Mailand erstmals mit.

Ins kalte Wasser geworfen

Und das, obwohl er am Dienstagvormittag erst in der Schweiz gelandet war.

"Ich war sehr glücklich, dass ich spielen konnte. Ich wurde einfach ins kalte Wasser geworfen", sagte Tkachuk nach seinem Premierenspiel bei einer A-WM.

Er wollte das US-Team unbedingt unterstützen, obwohl er kürzlich erstmals Vater geworden ist. Deshalb ist der ehemalige Erstrunden-Pick auch verspätet dazugestoßen.

Mit den Florida Panthers hatte es der Assistant Captain nach drei Final-Teilnahmen am Stück nicht in die Playoffs geschafft, "aber mein Körper fühlt sich gut an".

"Ich hatte in den letzten Jahren Glück, mit meinen Teams erfolgreich zu sein. Ich versuche, diesen Lauf fortzusetzen", meinte Tkachuk.

Erster US-Spieler im "Triple Gold Club"?

Der US-Amerikaner ist motiviert, sein Land als erst dritte Nation nach Schweden und Finnland im selben Jahr zu Olympia- und WM-Gold zu führen.

Gelingt ihm das, wäre der 28-Jährige der erste US-Spieler, der alle drei großen Titel gewonnen hätte und würde damit dem elitären "Triple Gold Club" der IIHF angehören.

"Olympia ist das Mekka", erklärte Tkachuk zwar, "aber in beiden Fällen hat man die Chance, sein Land zu repräsentieren. Das ist eine Ehre für mich."

"Er ist ein Leader und hat bereits viel Erfahrung gesammelt", meinte US-Goalie Devin Cooley über Tkachuk und fügte an: "Ich kenne ihn erst seit einem Tag, aber ich liebe ihn bereits! Ich bin froh, dass er gekommen ist."

Tkachuk soll USA auf die Sprünge helfen

So wie die gesamte Auswahl der "Stars and Stripes". Der Start in die WM verlief nämlich enttäuschend.

Fünf Punkte aus vier Spielen sind für die hohen Ansprüche des Titelverteidigers und Olympiasiegers viel zu wenig, die Viertelfinal-Teilnahme ist alles andere als garantiert.

Tkachuk war erfreut, dass es bei seinem ersten Auftritt gleich mit einem Sieg geklappt hat, wenngleich er anmerkte: "Ich weiß nicht, ob wir irgendwelche Dinge wirklich gut gemacht haben."

Die USA hätte "solide gespielt", gleichzeitig aber einige Großchancen zugelassen, aus denen Deutschland Kapital schlagen konnte. "Das sind einfache Fehler, die wir im Turnierverlauf sicher ausbessern können", war der Star-Angreifer guter Dinge.

Besonders mit der Performance im dritten Abschnitt war er zufrieden: "Wir haben sie von Shift zu Shift unter Druck gesetzt", wodurch der Ausgleich erzwungen werden konnte. Im Shootout hatte sein Team das glücklichere Ende für sich.

Querbeet eingesetzt

Über 23 Minuten stand Tkachuk am Eis, rotierte von der ersten bis zur vierten Angriffslinie querbeet durch.

Das half ihm dabei, den Rost abzuschütteln. Sein letztes Bewerbsspiel hatte der Florida-Stürmer am 16. April bestritten. "Ich habe sicher etwas gebraucht, bis ich mich gut gefühlt habe", sagte Tkachuk.

Der US-Star betonte, nicht einmal gewusst zu haben, mit wem er spielen werde. "Das habe ich erst am Morgen des Spieltags herausgefunden", lachte er.

"Ich habe mit fast niemandem in diesem Team jemals gespielt! Vielleicht mit ein, zwei Spielern bei den World Juniors vor zehn Jahren, sonst ist alles brandneu für mich."

Entscheidungsspiel gegen Österreich?

Bis zur K.o.-Phase hat Tkachuk noch drei Spiele Zeit, um die Chemie mit seinen Linienkollegen und dem Rest der Mannschaft zu verbessern.

Die Viertelfinal-Partien sind für 28. Mai datiert, zuvor wartet neben Lettland (Samstag) und Ungarn (Montag) zum Abschluss der Gruppenphase noch das Duell mit Österreich.

Kommen Tkachuk und Co. nicht in die Gänge, könnte es gegen das ÖEHV-Team sogar ein Entscheidungsspiel um den Aufstieg geben.

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