Eishockey-WM: Erstes Urteil des LAOLA1-Scout

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2:5 gegen Lettland, 0:5 gegen Russland – Österreich kassiert am Wochernende zum WM-Auftakt zwei (natürlich nicht unerwartete) Niederlagen.

Die ersten Erkenntnisse bei der Eishockey-Weltmeisterschaft der Top-Nationen in Bratislava fallen aber alles andere als negativ aus: Während es gegen die WM-Allzeit-Größe Russland klarerweise immer nur um die Höhe der Niederlage geht, darf sich Österreich gegen das Zwei-Millionen-Einwohner-Land Lettland doch ab und an etwas ausrechnen – oder etwa doch nicht?

Nur zum Vergleich: Das österreichische U18-Nationalteam scheiterte vor Wochen zum dritten Mal in Folge am Aufstieg in die B-Gruppe, während Lettland den Klassenerhalt in der A-Gruppe erreichte.

Österreich liegt im Nachwuchs klar hinter Lettland

Also: Eine Nation mit (zeitweiligem) Top-10-Nachwuchs gegen ein Land mit einem Nachschub, der die Top-16-der WM nicht schafft. Keineswegs eine willkürliche Momentaufnahme, sondern eine Gegenüberstellung, die über Jahre hinweg gültig ist.

Natürlich stehen diese Youngsters nicht im WM-Aufgebot, der Vergleich spiegelt aber den Unterschied in der Spieler-Auswahl wieder. Um gegen eine solche Nation (ähnlich wie Deutschland oder Dänemark) bestehen zu können, muss schon vieles funktionieren und das war zum WM-Auftakt leider nicht der Fall.

Ein paar Strafen zu viel, vielleicht ein Save zu wenig (beim zweiten Gegentreffer gegen die Letten stand David Kickert sehr tief in seinem Kasten, dazu kam in dieser Situation zu Drittelbeginn noch ein eher passives Penaltykilling) und Chancen in Schlüsselmomenten nicht genutzt (Komarek, Schneider) – diese Melange führt dann gegen einen stärkeren Gegner zu einer klaren Niederlage nach guten zwei Dritteln.

Apropos Torchancen: Neben 33 angeschriebenen Torschüssen erarbeite Österreich mehr Chancen als bei anderen WM-Turnieren gegen ähnliche Gegner – die meisten natürlich im Rush oder über Breaks.

Der Abschluss blieb dann mitunter aus, trotzdem geben diese Scoring Opportunities Hoffnungen auf Spiele gegen schwächere Gegner. Selbst in der Schlussphase gegen Lettland kombinierten sich Raffl und Co weiter in Scoring-Positionen, diese doch flüssigen Angriffe fehlen etwa bei Italien völlig.

Roger Bader setzt auf zwei Goalies und 20 Spieler

Wie sieht's personell aus? Roger Bader setzte bis jetzt zwei Goalies und 20 Feldspieler ein, der dritte Goalie - Lukas Herzog - ist auch schon gemeldet. Noch sind zwei Positionen offen, Alexander Cijan und Benjamin Baumgartner trainieren in Bratislava, sind aber noch nicht gemeldet, Philipp Lindner hält sich in Innsbruck für einen eventuellen Ausfall eines Defenders bereit.

Diese Personalien werden eine für mich überraschende Tatsache aber nicht ändern: Aus den Jahrgängen 1996/97, die als U20-Auswahl vor Jahren einen zweiten Platz bei der B-WM in Wien erspielte, stehen mit Dominic Zwerger (bis jetzt fast ohne Aktionen) sowie Lukas Haudum nur zwei Cracks im Kader.

Sam Antonitsch, Stefan Gaffal, Daniel Wachter, Daniel Jakubitzka, Florian Baltram, Erik Kirchschläger, Gerd Kragl und Mario Huber waren neben dem damaligen Backup Stefan Müller noch in der Vorbereitung dabei, insgesamt hätte ich mir da aber mehr erwartet.

Ist es für diese Gruppe noch zu früh? Kommen sie in den nächsten Jahren verstärkt zum Zug? Oder handelte es sich vielleicht um ein Team von vielen überdurchschnittlichen, aber wenigen überragenden Spielern? Fragen, von deren Beantwortung auch die WM-Leistungen der nächsten Jahre abhängen werden.

Special Teams - eine breite Anzahl von Cracks

Ein Blick noch auf die Special Teams: Wie in der Vorbereitung setzt Roger Bader hier (noch?) auf eine breitere Anzahl von Cracks.

Statt der weithin üblichen zwei Blöcke zählte ich im Powerplay bereits zehn Stürmer und fünf Verteidiger. Im PK standen neun Stürmer (inklusive eines kurzen Zwerger-Cameos gegen Lettland) und sieben Defender (ohne den ausgeschlossenen und dann gesperrten Patrick Peter) auf der Platte, Thomas Raffl kam gegen Russland hier aber nicht mehr zum Einsatz.

Zurück zu den aktuellen Personalien: Wer steht beim "alleinstehenden" Spiel gegen die Schweiz am Dienstag im Kasten?

Steht Starkbaum oder Kickert gegen die Schweiz im Kasten?

Bernhard Starkbaum konnte gegen Russland vielleicht etwas mehr Bonuspunkte sammeln als David Kickert zum Auftakt, im Doppel gegen Schweden und Norwegen werden dann wieder beide Goalies benötigt. Die Schweiz bezwang Lettland in einem sehr intensiven Spiel erst in der Schlussphase mit 3:1 und ist natürlich auch gegen Österreich klarer Favorit, auch wenn es zuletzt zu drei Punkten aus zwei WM-Spielen gegen die Eidgenossen reichte.

Aber auch bei diesem Vergleich gilt wieder: Eine Nation, die in allen Alterssegmenten zu den Top-10 der Welt gehört, trifft auf eine, die etwa sechs Plätze davon entfernt ist. Soviel zur Ausgangsposition im Spiel 3 der A-WM in der Slowakei

Textquelle: © LAOLA1.at

Eishockey-WM: Erste Siege für Schweden und Kanada

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