Raffl: "Hoffnungsträger ist ein komisches Wort"

Raffl: Foto: © GEPA
 

Drei Spieler hat Österreich in der NHL - einer davon wird in der kommenden Woche bei der Weltmeisterschaft in Bratislava mit dem ÖEHV-Team um den erneuten Klassenerhalt kämpfen.

Während Thomas Vanek schon länger nicht mehr für das Nationalteam aufgelaufen ist und darüber hinaus eine unklare Vertragssituation vor sich hat, konzentriert sich Michael Grabner auf die weitere Auskurierung seiner schweren Augenverletzung.

Bei Michael Raffl sind die Vorzeichen hingegen gut - der 30-Jährige verlängerte seinen Vertrag bei den Philadelphia Flyers kürzlich um zwei Jahre und hat somit nicht nur die nötige Planungssicherheit, um an der WM teilnehmen zu können, sondern auch die Freizeit: Die Flyers verpassten die Playoffs deutlich.

Mit dem Nationalteam hat der Villacher aber Gelegenheit, seine Saison mit dem erneuten Klassenerhalt und einem Erfolg zu beenden. Im Gegensatz zu letztem Jahr "erwischt" Raffl dabei sogar die letzte Phase der Vorbereitung und wird auch im finalen Test-Kracher gegen Rekordweltmeister Kanada (Di., ab 19:15 Uhr LIVE auf LAOLA1.tv) mit von der Partie sein.

Im LAOLA1-Interview spricht Raffl über seine Vertragsverlängerung, die Rollen bei den Flyers und im Nationalteam sowie die zentralen Tugenden beim kommenden WM-Turnier:

LAOLA1: Mit auslaufendem NHL-Vertrag gab es rund um die Trade Deadline viele Spekulationen, dass dich die Philadelphia Flyers abgeben könnten. Wie sind die kritischen Tage aus deiner Sicht abgelaufen?

Michael Raffl: Man versucht, so wenig wie möglich darüber nachzudenken, aber es ist immer präsent. Du wirst ständig mit dem Thema und den Mannschaften, die herumschwirren, konfrontiert. Für mich war klar: Wenn sie warten wollen, kann ich auch warten. Ich wäre nach der Saison ein "Unrestricted Free Agent" gewesen, der ganze Markt für mich offen. Bei der Deadline selbst hat man als Spieler gar nicht so viel zu tun. Das macht alles der Agent. Sie haben mich gefragt, ob ich bleiben will und was ich mir vorstelle. Im Grunde genommen zählt für mich nur, dass ich nicht getradet worden bin.

LAOLA1: Du musstest einen Paycut hinnehmen, bist du trotzdem zufrieden?

Raffl: Sehr zufrieden, ich bin gerne ein Flyer. Ich spiele Eishockey nicht wegen des Geldes.

LAOLA1: Hätte es Alternativen für dich gegeben?

Raffl: Ob ich ans Aufhören gedacht habe?

LAOLA1: Nein, aber womöglich eine Rückkehr nach Europa.

Ich habe klar meine Rolle: Ich bin ein Spieler für die dritte oder vierte Linie. Wenn du diese Rolle akzeptierst, hilfst du der Mannschaft, zu gewinnen. Ob ich jetzt der Liebling eines Fans bin oder nicht, trifft mich eigentlich weniger. Wenn du als Eishockey-Spieler auf die Fans hörst, bist du nicht im richtigen Sport.

Raffl über seine Flyers-Rolle

Raffl: Darüber habe ich mir nicht wirklich Sorgen gemacht. Es kommt, wie es kommt – ich bereite mich auch auf jedes Jahr gleich vor. Ich fühle mich noch nicht wirklich wie ein 30-Jähriger da draußen. Solange es mir gut geht und ich fit genug bin, Eishockey am höchsten Niveau zu spielen, tu ich das natürlich. Die Geschichte mit Europa kommt dann wieder später.

LAOLA1: Die NHL-Playoffs habt ihr mit 16 Punkten Rückstand deutlich verpasst. Wie resümierst du die Saison mit den Flyers?

Raffl: Natürlich haben wir eine bessere Mannschaft als das, was wir gezeigt haben. Aber wenn du so viel verlierst und erst einmal so weit hinten bist, wird das ganze Jahr lang. Und wenn du sieben Spiele vor dem Ende weißt, dass du nicht in den Playoffs bist – das ist eines der schlimmsten Erlebnisse, das ich als Eishockey-Spieler bislang gehabt habe. Natürlich gehst du in den letzten Spielen dann noch raus und versuchst dein Bestes, aber es ist ein anderes Gefühl dahinter, wenn du weißt, es geht um gar nichts. Das zieht sich dann schon.

LAOLA1: Wie siehst du dein Standing bei den Flyers? Bei den Reaktionen der Fans auf die Vertragsverlängerung war von sehr positiven bis sehr negativen Kommentaren die ganze Bandbreite dabei.

Raffl: Ich habe klar meine Rolle, das wurde mir vor und auch nach den Vertragsverhandlungen klar gesagt: Ich bin ein Spieler für die dritte oder vierte Linie. Das gibt es in jeder Mannschaft: In Steindorf, in Velden, beim KAC, beim VSV, beim Nationalteam – einfach bei jeder einzelnen Eishockey-Mannschaft. Wenn du diese Rolle akzeptierst, hilfst du der Mannschaft, zu gewinnen. Ob ich jetzt der Liebling eines Fans bin oder nicht, trifft mich eigentlich weniger. Wenn du als Eishockey-Spieler auf die Fans hörst, bist du nicht im richtigen Sport.

LAOLA1: Im Nationalteam erfüllst du eine andere Rolle, stehst immer im Mittelpunkt und bist auch eine Art Hoffnungsträger.

Raffl: Hoffungsträger ist bisschen ein komisches Wort für mich. Das war auch letztes Jahr am Ende überhaupt nicht der Fall. Als österreichisches Nationalteam kannst du bei so einem Turnier wie der Weltmeisterschaft sowieso nur Erfolg haben, wenn du als Mannschaft zusammenrückst und verteidigst.

LAOLA1: Damals bist du auch erst zur Mannschaft gestoßen, als das Turnier bereits im vollen Gange war.

Raffl: Das war viel schwieriger als in diesem Jahr, ich bin direkt aus Philly gekommen, hatte nur ein Training und dann ab ins Spielgeschehen. Das war auch für mich eine schwierige Erfahrung. Nach dem ersten Spiel gegen die Slowakei habe ich mir sogar überlegt, ob ich der Mannschaft so helfen kann. Aber es ist von Spiel zu Spiel bergauf gegangen. Heuer fühle ich mich gut, ausgerastet und bereit, und eine Woche vorher da zu sein, ist ein riesiger Vorteil.

LAOLA1: Center oder Flügel – im Nationalteam hast du beide Rollen schon gespielt. Wie schwierig ist das und was spielst du lieber?

Raffl: Ich spiele die Rolle, die ich vom Trainer bekomme. Die versuche ich, so gut wie möglich zu lösen. Ob ich rechter Flügel, linker Flügel, Verteidiger oder Ersatztormann bin, ist mir völlig egal.

LAOLA1: Wie schätzt du die Stärke des Nationalteams im Vergleich zu letztem Jahr ein?

Raffl: Es sind ein paar Spieler dabei, die letztes Jahr verletzungsbedingt abgesagt haben. Ich denke schon, dass wir keine schlechte Truppe sind. Das Rundherum hat sich ein bisschen geändert. Da ziehen alle an einem Strang. Es gibt Spaß in der Kabine und auch abseits von der Eishalle.

LAOLA1: Was wird es brauchen, um den Klassenerhalt zu schaffen?

Raffl: Wir sind nicht mehr der Aufsteiger, daher müssen wir uns beweisen. Egal gegen welchen Gegner. Wenn Österreich A-klassig sein will, müssen wir oben bleiben und das nicht für ein Jahr, sondern für ein paar Jahre.

LAOLA1: Was kann vom geglückten Klassenerhalt des Vorjahres mitgenommen werden?

Raffl: Das Wichtigste ist, zum richtigen Zeitpunkt bereit zu sein. Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert und unsere beste Leistung in einem Schlüsselspiel abgerufen. Wir haben auch gelernt, wie man bei einer WM spielt: Wir können nicht nur nach vorne und mit jedem mitspielen, müssen vielleicht auch mal zuerst defensiv denken. Da müssen alle an einem Strang ziehen. Das haben wir gegen Weißrussland so gut gelöst wie noch nie zuvor im Nationalteam, wenn ich dabei war. Wir haben ja auch ein gemeinsames Ziel vor Augen.

LAOLA1: Welche Spiele werden aus deiner Sicht entscheiden?

Raffl: Man kann jeden schlagen und gegen jeden verlieren. Es gibt keinen schlechten Gegner bei einer WM, und wenn man ein Team unterschätzt, wird man sich anschauen. Wir müssen auf jeden Gegner gleich vorbereitet ins Spiel gehen, egal gegen wen. Man weiß nie, was bei so einem Turnier passiert. Letztes Jahr hat niemand damit gerechnet, dass Weißrussland absteigt. Wenn man überheblich wird, ist man unten.

LAOLA1: Und was wird das spezielle Ziel gegen die absoluten Top-Nationen wie Russland und Schweden sein?

Raffl: Es ist völlig egal, gegen wen es geht. Auch, wenn du gegen die Russen eine auf den Deckel bekommst – so ein Spiel ist trotzdem ein super Erlebnis für alle. Vielleicht halten wir auch mit, ich hab bei solchen Turnieren schon viele komische Dinge gesehen. Und ob man 1:8 oder 2:3 verliert, das bringt genau gleich viele Punkte aufs Konto. Das Ergebnis ist in solchen Spielen nicht das, was für uns im Vordergrund steht – sondern wie wir uns präsentieren.

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