Julian Payr: Es kommt nicht auf die Größe an

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Ein Blick genügt, um Julian Payr im Training zu erspähen.

Mit seinen 1,93 Metern stellt er seine Teamkollegen im ÖEHV-Nationalteam in den Schatten.

Einzig Brian Lebler kann ihm beim ersten Lehrgang der neuen Saison annähernd das Wasser reichen, für seine Verteidigerkollegen bleibt eine Begegnung auf Augenhöhe ein Wunschgedanke.

"Die Größe alleine hilft mir nicht", stellt der seit Juli erst 18-Jährige gegenüber LAOLA1 allerdings klar.

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"Fokus aus spielerisch starken und beweglichen Verteidigern"

Das moderne Eishockey verlange andere Attribute – auch für einen Abwehrmann. "Wenn ich ein hölzerner Verteidiger wäre, wäre ich wahrscheinlich nicht dabei. Dann würden die spielerisch starken bevorzugt werden."

Mit dieser Einschätzung liegt der gebürtige Feldkircher wohl richtig, wie sich im Gespräch mit Teamchef Roger Bader herausstellt. "Es ist eine Entwicklung erkennbar, dass der Fokus mehr und mehr auf spielerisch starken und beweglichen Verteidigern liegt."

Diese Fähigkeiten bringt Payr trotz seiner Größe mit. Darum hat ihn der Schweizer auch ins Team geholt. "Julian ist ein intelligenter Verteidiger, der das Spiel gut lesen kann. Er ist läuferisch gut und hat auch feine Hände."

Payr verringert Defizit

In naher Zukunft gelte es nun, den Einsatz dieser "Waffen" voranzutreiben und zu perfektionieren.

Dennoch muss auch Bader gestehen: "Größe hilft immer!" - vor allem in der österreichischen Hintermannschaft, der es traditionell an Reichweite mangelt.

Die neun rot-weiß-roten Verteidiger bei der Weltmeisterschaft in Dänemark 2018 brachten es gemeinsam auf eine durchschnittliche Größe von 1,83m. Zum Vergleich: Die deutsche Abwehrreihe war im Schnitt um fünf Zentimeter größer.

Payr wird in Zukunft wohl regelmäßig dafür sorgen, dass sich dieses Defizit etwas verringert. Seine Vita liest sich stark, er misst sich bereits jetzt mit einigen der besten europäischen Cracks.

In Davos hochgearbeitet

Bereits im zarten Alter von 14 Jahren wagte der Vorarlberger den Schritt ins über eine Stunde entfernte Davos. Im ersten Jahr in der U15 noch als Pendler. "Eine harte Zeit", wie der Linksschütze zugibt. Gelohnt hat sich Aufwand jedoch, Payr arbeitete sich über die Nachwuchsteams hoch in die erste Mannschaft.

Payr zählt als Eishockeyschweizer und damit nicht gegen das Legionärskontingent. Bereits zehn Spiele absolvierte er in dieser Saison für den HC Davos. Vergangenes Wochenende verbuchte er beim 4:1-Sieg gegen die SCL Tigers seinen ersten Assist, bei über zwölf Minuten Eiszeit.

Kultcoach als perfekter Förderer

"Arno Del Curto ist genau der richtige Trainer, um mein Potenzial voll auszuschöpfen", lobt Payr seinen Head Coach im Verein. Die Kultfigur des HC Davos gilt als bekennender Jugendförderer, wie auch Roger Bader weiß:

"Arno ist ein Coach, der junge Spieler ins kalte Wasser wirft, um ihnen das Schwimmen beizubringen. Er gibt ihnen die Eiszeit, die sie brauchen."

Sollte diese wirklich einmal zu kurz ausfallen, oder Payr Einsatzzeit im Powerplay benötigen, wird er zur U20 in die Elite Jr. A geschickt. "Das ist okay für mich, weil ich dann viel mehr spiele", streicht er den das Positive hervor. Das war in der aktuellen Spielzeit allerdings erst sechs Mal der Fall.

"Befinden uns in einem Loch"

Viel eher setzt man in Davos mehr und mehr in der Ersten auf seine Dienste. Für die läuft es momentan nicht optimal. Das hat zur Folge, dass Del Curtos Denkmal in der Graubündner Alpenstadt etwas zu bröckeln begann.

Die Davoser starteten schwach in die Saison, nach 16 Spieltagen liegt man mit lediglich 14 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz der National League – viel zu wenig für die Ansprüche des Schweizer Rekordmeisters (31).

"Als Klub befinden wir uns momentan in einem klassischen Loch. Wir müssen schauen, das wir uns wieder zurückkämpfen", fordert Payr.

Dass sich der erste Trainerwechsel in Davos seit 22 Jahren anbahnt, davon hätte das ÖEHV-Talent nichts vernommen.

Doppelt hält besser

Payr kann beim HCD nicht nur auf das Vertrauen des Head Coaches bauen, sondern auch auf die Unterstützung seines Landsmannes Benjamin Baumgartner.

Der gleichaltrige Center schnürt ebenfalls seit 2014 seine Schlittschuhe für Davos und verbuchte ebenfalls gegen die SCL Tigers seinen ersten NL-Assist. Und nun stehen die beiden Youngsters zusammen das erste Mal für das ÖEHV-Team am Eis.

"Wenn man zu zweit ist, fällt einem alles leichter. Man kann miteinander reden und Meinungen austauschen, was man besser machen kann", erklärt Baumgartner.

Für seinen Freund und langjährigen Wegbegleiter hat der flinke Angreifer nur lobende Worte übrig: "Abseits des Eises nimmt Julian viel mit Humor. Am Eis ist er aber ein Kämpfer, gibt niemals auf."

Wenig Checks, viel Schlägerarbeit

Sicherlich eine Tugend, ohne der es als Nachwuchscrack in einer Top-Liga nicht funktionieren kann.

Payrs kämpferische Seite offenbart sich jedoch nicht in übermäßig hartem Eishockey. "Ich verteile nicht viele Checks, arbeite defensiv eher mit meinem Schläger", erläutert er.

Das wird er im rot-weiß-roten Dress erstmals am Sonntag gegen Polen (17:30 Uhr im LIVE-Stream auf LAOLA1.tv) richtig beweisen können.

Sein eigentliches Debüt gegen Norwegen fand nach einem Drittel ein jähes Ende (Hier geht’s zu den Infos>>>), gegen Dänemark musste er aussetzen.

"Bei den ersten Spielen wird sicher etwas Nervosität dabei sein, das ist ganz normal. Ich freue mich aber darauf", verriet er vor der Abreise zu seinem Debüt-Turnier noch, wie seine Gefühlslage aussieht.

"Riesen-Potenzial für große Karriere"

Trotz der Nervosität will Payr in Danzing aber natürlich mit seiner "Leistung und Spielweise überzeugen". Damit er eine Option für die Weltmeisterschaft im Mai in Bratislava bleibt. "Das große Ziel in dieser Saison ist sicher die A-WM."

Ob Julian Payr dieser Wunsch bereits in der aktuellen Saison erfüllt wird, wird die Zeit weisen. Bader ist auf jeden Fall überzeugt von den Fähigkeiten seines Schützlings: "Julian hat ein Riesen-Potenzial für eine große Karriere."

Eine möglicherweise große Karriere, des neuen großen Mannes im österreichischen Nationalteam.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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