Abenteuer Suomi: Manuel Ganahl auf "Abwegen"

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Oliver Setzinger, Bernd Brückler, Manuel Ganahl – das sind die einzigen drei Österreicher, die ihre Schlittschuhe in der höchsten finnischen Liga geschnürt haben.

Drei in 43 Jahren!

Während sich Schweden großer Beliebtheit bei den heimischen Cracks erfreut, fristet Finnland seit jeher ein Schattendasein.

Diesem wirkt seit vergangenem Sommer der 28-jährige Vorarlberger Manuel Ganahl entgegen. Der ÖEHV-Teamstürmer wechselte trotz laufenden Vertrages von öst. Rekordmeister KAC zu den Pelicans Lahti.

Ganahls Ticket für die "Achterbahn", wie sich in den ersten Wochen der neuen Saison herausstellen sollte.

"Es ist eine Achterbahnfahrt. Dass es nicht einfach wird, habe ich von Anfang an gewusst. Es gibt Dinge, die kann man im Vorhinein nicht erahnen", erzählt der Angreifer über seinen schwierigen Start im hohen Norden.

Wechsel innerhalb der Liiga

Ganahl hat bislang nur zwölf der 18 Saison-Spiele bestritten und nur einen Assist verbuchen können. Mehr wird im Dress der Pelicans nicht mehr dazukommen, denn der ÖEHV-Legionär wechselt innerhalb der Liiga.

Rauman Lukko heißt der neue Verein des Flügelstürmers. Der Klub aus dem südwesten Finnlands rangiert momentan auf Tabellenrang 12.

"Manuel ist ein guter Spieler, der verschiedene Rollen bei uns ausfüllen kann. Er kann sowohl in Über- als auch in Unterzahl zum Einsatz kommen", lobt Lukko-Sportdirektor Kalle Sahlstedt seinen neuen Schützling in einem ersten Statement auf der Klub-Homepage.

Für den gebürtigen Bludenzer geht das Abenteuer in Finnland somit weiter. Eine rasche Rückkehr in die EBEL stand nie zur Debatte. Wie sein Agent Martin Krainz auf Anfrage von LAOLA1 bestätigte, gab es auch noch Anfragen aus der DEL und aus Schweden.

Die Vereins-Verantwortlichen in Lahti zeigten sich vor diesem Transfer sehr kooperativ. "Sie wollten nicht, dass seine Karriere einen Knacks bekommt", so Krainz.

Umstellungen auf allen Ebenen

Auf Ganahl wartet nach dem International Break nun ein neuer Klub, ein neues Umfeld. Aber vermutlich dieselben Hürden wie in Lahti.

Denn, Ganahl kam mit gewissen Erwartungen und Vorstellungen, wurde aber trotzdem überrascht. "Das Tempo ist höher. Da ging es am Anfang darum, die Erfahrungen, die man sich in Österreich über die Jahre angeeignet hat, wegzubekommen.“

Auch der defensive Spielstil der "Suomi" stellte Ganahl von Beginn weg auf eine Bewährungsprobe.

Jeder Spieler schaue in Finnland zuerst auf seine Aufgaben in der Defensive, erst dann wird an die Offensive gedacht. "Auf jeden Fall ein Unterschied zur EBEL."

"Finnen zahlen nicht besser"

Dem pflichtet auch Bernd Brückler bei. Österreichs ehemaliger Nationalteam-Goalie feierte mitunter seine größten Karriere-Erfolge in Finnland und ist mittlerweile Wahl-Finne.

Warum Finnland-Legionär so eine seltene Spezies ist? Diese Frage könne er nicht genau beantworten. Allerdings: "Die Finnen zahlen im Vergleich mit Österreich nicht viel mehr. Ein gestandener Profi wird also nicht oft dorthin gehen."

Das weiß der 37-Jährige aus erster Hand, schließlich ist er mittlerweile als Spieler-Agent tätig und hat viele Klienten in der Liiga.

Trotzdem hat der Sport in Finnland natürlich einen viel höheren Stellenwert als hierzulande. "Das sieht und spürt man einfach."

Brückler empfiehlt Ausbildung in Finnland

"Die Liga ist sehr schnell und das Eishockey viel strukturierter. In Finnland sind die Spieler von ihrer Jugend an taktisch so gut ausgebildet, dass das extrem im Vordergrund steht", beschreibt der gebürtige Grazer das Eishockey im Land der 1000 Seen.

Von dieser taktischen Ausbildung sollten seiner Meinung nach auch heimische Talente profitieren. Sie sollten den Schritt nach Finnland im Teenager-Alter wagen und früh in das System integriert werden. Wie es einst Oliver Setzinger gemacht hat. Die Schulausbildung könnte sogar an einer deutschen Schule abgeschlossen werden.

Zwei junge Österreicher – Jahrgang 2001 bzw. 2002 – spielen laut Brückler mit diesem Gedanken. Spruchreif ist allerdings noch nichts.

Wie bitte?

Den Sprung bereits gewagt hat eben Manuel Ganahl – allerdings als gestandener Profi. Das hat den Nachteil, sich an die Gegebenheiten viel schneller anpassen zu müssen.

Beispielsweise der Eishockey-untypischen Eigenheit, dass im Training und auf der Spielerbank Finnisch und nicht Englisch gesprochen wird. Alle können es, aber es ist eben nicht üblich, so Brückler.

"Ich bekomme von meinen Mitspielern vieles übersetzt, aber während eines Spiels ist es dann teilweise schwierig. Da bekommt man relativ wenig mit", erzählt Ganahl von den Sprachbarrieren.

Trotzdem sollte alles funktionieren, "wenn man weiß, welches System gespielt wird. Das ist eine Form der Anpassung und eigentlich kein Problem für mich."

"Selbstvertrauen tanken und gutes Gefühl bekommen"

Generell übt sich Ganahl in Durchhalte-Parolen und Kampf-Ansagen. Bei der ersten Talfahrt aufzugeben, sei nicht sein Ding. Vielmehr sei es wichtig, als Spieler mit den Tiefen richtig umzugehen.

Denn: "Wer über einen längeren Zeitraum Eishockey spielt, der weiß, dass es immer wieder auch Tiefen gibt."

Wie Bernd Brückler, für den eines klar ist: "Als Ausländer wird man nun einmal an Resultaten und Scorer-Punkten gemessen. Wenn man das nicht sofort zeigt, dann funktioniert es nicht."

Scorer-Punkte sammeln sich bekanntlich leichter, wenn man Selbstvertrauen hat. Das müsse sich Ganahl nun beim Nationalteam holen und in seiner Einsatzzeit in den Rhythmus wiederfinden.

Das bestätigt der 74-fache Teamspieler selbst: "Ich möchte viel Eiszeit sammeln, ein gutes Gefühl bekommen und Selbstvertrauen tanken. Das wird ganz wichtig sein."

Schnell und aggressiv

In mindestens zwei der drei Partien bei der Euro Ice Hockey Challenge in Danzig (Polen) wird er die Gelegenheit dazu haben.

Österreich trifft am Freitag um 14 Uhr auf Norwegen, am Samstag um dieselbe Uhrzeit auf Dänemark und am Sonntag geht es um 17:30 Uhr (LIVE-Stream auf LAOLA1.tv) auf Gastgeber Polen.

Was erwartet sich Ganahl von diesem Turnier? "Schnelles, intensives Eishockey mit schnellem Umschaltspiel und aggressivem Forechecking."

Dennoch wird das Ergebnis nicht ganz aus den Augen verloren. "Jeder will gewinnen. Das ist gut für die Stimmung und macht einfach mehr Spaß."

Und diesen könnte Manuel Ganahl gut gebrauchen, um nach Oliver Setzinger und Bernd Brückler die rot-weiß-rote Fahne in Finnland weiter hochzuhalten.


VIDEO: Mit solchen Szenen will Manuel Ganahl wieder in die Spur finden!


Textquelle: © LAOLA1.at

Die 15 legendärsten Sport-Interviews aller Zeiten

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare