Kann U20-Team bei WM guten Ruf bestätigen?

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Österreichs stärkste Eishockey-Junioren - zumindest jene, die abgestellt worden sind - stehen eine Woche lang bei der WM (9. bis 15.12.) in der internationalen Auslage. Zum Auftakt der U20-Weltmeisterschaft der Division 1A (=B-WM) wartet auf die ÖEHV-Auswahl am Montagabend (17:30 Uhr) in Minsk mit Gastgeber Weißrussland bereits ein schwerer Brocken.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller wirft vor dem Turnier in der weißrussischen Hauptstadt einen Blick auf das ÖEHV-Team, das schwerwiegende Ausfälle verkraften muss. Die Jahrgänge 2000 und 2001 gelten als die stärksten seit der Kombination 1996/97. Nicht zu vergessen ist allerdings: Im U18-Bereich scheiterte die Auswahl drei Mal am Aufstieg aus der C-Gruppe, nun bekommt sie also ein letztes Mal die Gelegenheit, ihren guten Ruf zu bestätigen.

Bei Bestbesetzung hätte ich auf eine WM im Positivbereich (mehr Siege als Niederlagen) gehofft, für Österreichs U20-Team selbst auf B-Gruppen-Niveau ohnehin eine Herkulesaufgabe.

Bei Vollzähligkeit des Kaders wohlgemerkt, die Ausfälle sind nicht zahlreich, aber gewichtig: Marco Rossi war das Draft-Hemd letztlich näher als der rot-weiß-rote Rock, mit Kilian Zündel (Salzburg, Leistenbruch) und Fabian Hochegger (zog sich im letzten QMJHL-Spiel eine Gehirnerschütterung zu) fehlen dazu ein Top-4-Defender sowie ein Spitzenstürmer.

Die weiteren Ausfälle waren eher Tiefenspieler bzw. WM-Kandidaten wie Graz-Flügel Julian Pauschenwein (langwierige Schulterverletzung) und Salzburg-Defender Philipp Wimmer (gesundheitliche Probleme).

Teamchef Marco Pewal war vor den zwei Testspielen zuversichtlich

Headcoach Marco Pewal, der wie im Vorjahr von Philipp Pinter, Philipp Lukas und Goalie-Coach Jürgen Penker unterstützt wird, zeigt sich trotz der Ausfälle zuversichtlich: "Wir wollen in jedes Spiel mit der Einstellung gehen, dass wir es gewinnen können."

Das sagte er allerdings vor den letzten Testspielen, die ernüchternd ausfielen: Ein 3:2-Zittersieg gegen Aufsteiger Slowenien, bei dem allerdings noch einige Spieler fehlten und - bereits in Minsk - ein 2:9-Debakel gegen Lettland mit voller Kapelle, aber fünf Gegentreffern in numerischer Unterlegenheit.

Auf Coach Pewal warten wichtige Entscheidungen
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Meine Erwartungen sind die gleichen wie jedes Jahr: Gegen Slowenien muss das Spiel gegen den Abstieg am letzten Spieltag gewonnen werden, mit Norwegen - stellt ein sehr junges Team - sollte ein weiterer Gegner in Reichweite liegen - in der Realität allerdings weit seltener als in der Theorie.

Gastgeber Weißrussland, Lettland und (eher als Außenseiter) A-Gruppen-Absteiger Dänemark sollten den Aufstieg unter sich ausmachen.

Für ein gutes Turnier der heimischen Junioren müssen aus einigen Fragezeichen beim ÖEHV Ausrufezeichen werden, nämlich:

Goalie-Position

Marvin Kortin (Davos) fiel früh mit einer Schulterverletzung aus, Ali Schmidt war damit automatisch gesetzt. Die letzten WM-Turniere fielen für den kleinen, aber reflexstarken Villacher allerdings eher durchwachsen aus. Überspielt kommt er sicher nicht nach Minsk: Im Wechselspiel zwischen Bundesheer, Villach und Zell/See kam er auf fünf AlpsHL-(Teil-)Einsätze.

Die Entscheidung zwischen dem Villacher Luca Egger (verfügt lediglich über EBYSL-Erfahrung und da heuer auch nur fünf Spiele) sowie dem in Skelleftea spielenden Wiener Sebastian Wraneschitz (2002 geboren) fiel erst im letzten Moment zugunsten von Egger. Eine solide, keineswegs überragende Goalie-Leistung wie im letzten Jahr von Paul Mocher wäre schon eine Errungenschaft.

Erst muss die Scheibe her, bevor sie verteilt wird

In der Defensive finden sich eine Reihe von (potentiellen) Puckmovern und Powerplay-Kräften: Thimo Nickl (Drummondville) wird in Abwesenheit von Rossi sicher die meisten Blicke der geschätzt 60 NHL-Scouts auf sich ziehen, war bei der letzten U18-WM der Capo in der Defensive und bestreitet bereits seine dritte U20-WM.

David Maier (Peterborough) ist im Powerplay ebenfalls gesetzt. Kapitän Julian Payr hat in Ambri bzw. dessen Farmteam Ticino Rockets bisher nicht die Saison, die er sich bei seinem Wechsel aus Davos vorstellte. Er wäre, wenn er sein Spiel einfach hält, aber eine sehr gute Kombination aus immenser Reichweite, gutem Defensivverhalten und brauchbaren Puckskills.

Als reine Defensiv-Verteidiger gehen am ehesten Jacob Pfeffer (Örebro) und Jakob Wetzelsberger - der sich durch seine EBEL-Einsätze in Innsbruck ins Blickfeld schob - durch. Drei sehr gute Defender und zwei Rollenspieler, entscheidend wird aber sein, wie sich die anderen drei Verteidiger schlagen.

Können der starke Skater Timo Pallierer (Capitals), Luis Lindner (schaffte den USHL-Cut nicht und spielt nun in einer niedrigen US-Juniorenliga) und der beste Defender des 2002er-Jahrgangs, Martin Urbanek (VSV), vor allem gegen Weißrussland und Lettland körperlich dagegenhalten? Als Gruppe geht die ÖEHV-Defensive sicher als gute Eisläufer und Puckmover durch, doch zuerst gilt es, die Scheibe an der Bande überhaupt zu erobern.

Finden alle Stürmer ihre Rollen?

Wie im Vorjahr wurde es nichts aus einer 1-2-Center-Kombo mit Marco Rossi und Benjamin Baumgartner. Letztgenannter hat sich in Davos mehr als nur etabliert (17 Punkte in 20 Spielen) und hat natürlich das Zeug dazu, die Offensive in Minsk anzuführen.

Weitere Center dürften Tim Harnisch (in Salzburg bald ein Kandidat für die EBEL), Paul Schmid (machte in Norwegen sehr gute Fortschritte und überzeugte beim Team), der Wiener Patrick Antal sowie der Klagenfurter Valentin Ploner sein.

Harnisch könnte dabei auch wieder auf den Flügel der Top-6 rücken. Ploner ist ein Arbeiter mit Reichweite, Antal ein kleiner, aber spielstarker Center, Schmid verfügt über gute Beine und mehr Offensive als erwartet.

Auch bei anderen Spielern sind die Rollen klar: Paul Huber (Salzburg) muss seinen Körper vor dem Tor einsetzen, Vereinskollege Maximilian Rebernig ebenfalls seine Größe und Reichweite verwenden. Benedikt Wohlfahrt (VSV) bringt Speed ins Lineup und setzte sich im Camp gegen den gleichgearteten Armin Preiser (Capitals) durch.

Wie werden Lucas Thaler und Leon Wallner eingesetzt?

Bei anderen Spielern sind die Rollen etwas verwaschener: Die 2002er Lucas Thaler und Leon Wallner (beide in Schweden tätig) sind beides talentierte Offensivspieler – können sie aber (wie Lindner oder Urbanek in der Defensive) gegen größere und ältere Spieler ihre Qualitäten ausspielen?

Thaler war jedenfalls bei seinen bisherigen Weltmeisterschaften ein positiver Faktor. Benjamin Lanzinger bestreitet heuer sein letztes Junioren-Turnier – kann er sich so vor das Tor powern, um seinen guten Schuss anzubringen? Von Villach nach Zell/See ausgeliehen, zeigte er dort heuer gute Ansätze, muss aber weiter in punkto Beinarbeit und Kraft zulegen.

Neo-Österreicher Senna Peeters besitzt Scorer-Qualitäten

Neo-Österreicher Peeters im Test gegen Slowenien
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Die größte "Wild Card" im Team: Senna Peeters. Der erst knapp vor WM-Beginn eingebürgerte Belgier, dessen Österreich-Bezug auf zwei Jahren in der Red Bull Academy basiert, hat Scorer-Qualitäten. Vor allem bei Abprallern und Pässen im Slot ist Peeters gefragt – etwas, das jedes rot-weiß-rote Nachwuchsteam wie einen Bissen Brot benötigt.

Als Quasi-Newcomer muss er sich auf und neben dem Turnier erst einfinden, zeigte aber seine Offensiv-Qualitäten bereits gegen Slowenien und engagierte sich auch defensiv. Der in der QMJHL für Halifax spielende 2002er-Jahrgang könnte für das eine oder andere (wichtige) Tor sorgen und so seine Draftchancen erhöhen. Peeters sollte dennoch nicht in übertriebene Solo-Aktionen und defensive Shortcuts verfallen.

Pewal ist optimistisch - Freimüller wäre mit Klassenerhalt zufrieden

Marco Pewal zeigte sich zu Beginn des Trainingslagers noch optimistisch. Der 41-jährige Kärntner verfügt auch nach den Ausfällen sicher über einige sehr gute Einzelkönner. Ich persönlich würde die fünf Punkte bei der WM im Vorjahr und den Klassenerhalt schon unterschreiben, zu oft haben mich gerade diese Jahrgänge bereits enttäuscht...

IIHF Weltmeisterschaft Division IA in Minsk (Weißrussland):

Montag (9.12.), 17:30 Uhr (MEZ): Weißrussland - Österreich
Dienstag (10.12.), 14:00 Uhr: Österreich - Norwegen
Donnerstag (12.12.), 14:00 Uhr: Dänemark - Österreich
Freitag (13.12.), 10:30 Uhr: Lettland - Österreich
Sonntag (15.12.), 10:30 Uhr: Österreich - Slowenien

Textquelle: © LAOLA1.at

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