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Zwerger: Als junger Bub gekommen, als Erwachsener gegangen

Nach neun Jahren bei Ambri-Piotta ist Schluss. Die Zeit hat ihm einiges gelehrt, familiäre Gründe führen ihn zur kommenden Saison nach Biel.

Zwerger: Als junger Bub gekommen, als Erwachsener gegangen Foto: © GEPA

Nach den Absagen von Marco Rossi und Marco Kasper ist Dominic Zwerger einer der größten Hoffnungsträger in Österreichs Eishockey-Nationalteam bei der Weltmeisterschaft 2026 in Zürich.

Der Vorarlberger hat sich in den letzten Jahren als Schlüsselfigur etabliert, hält mittlerweile bei 104 Länderspielen im ÖEHV-Team. Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften in Prag und Stockholm zählte der 29-Jährige jeweils zu Österreichs Topscorern.

"Ich fühle mich physisch und mental so fit wie noch nie", verrät Zwerger vor den diesjährigen Titelkämpfen im LAOLA1-Interview.

Emotionaler Abschied von Ambri

Er blickt auf eine "sehr gute" Saison in der Schweiz beim HC Ambri-Piotta zurück. "Ich bin zufrieden mit meinen Leistungen", sagt der brillante Techniker. 15 Tore und elf Assists bedeuten die beste Punkteausbeute seit der Spielzeit 2022/23.

Es war ein gebührender Abschied aus dem Tessin. Nach neun Jahren verlässt Zwerger Ambri-Piotta. Bereits im Dezember war bekannt geworden, dass er für vier Jahre beim EHC Biel unterschrieben hat. "Es war ein sehr emotionaler Abschied", sagt Zwerger.

Ich bin als junger Bub gekommen und als erwachsener Mann gegangen.

Dominic Zwerger

Er hätte in Ambri mehr Höhen als Tiefen erlebt, gründete dort eine Familie und ist zweifacher Vater. Gleichzeitig erlebte Zwerger dort seine schwerste Zeit, als ihn zwei Gehirnerschütterungen im Alltag stark beeinträchtigten.

Zwerger: "Ich bin als junger Bub gekommen und als erwachsener Mann gegangen. Ein großes Dankeschön an meine Freunde, Mitspieler und die Organisation, dass sie immer hinter mir gestanden sind. Es war eine sehr schöne Zeit, die ich immer mit mir tragen werde."

Was ihn diese Zeit am meisten gelehrt hat? "Gute Freunde erkennst du in guten und schlechten Momenten deiner Karriere", sagt der Dornbirner.

Familiäre Gründen sprachen für Biel - und Turbulenzen gegen Ambri

Die Entscheidung nach Biel zu gehen, wurde mit der Familie getroffen. "Familiäre Gründe" führt Zwerger letztlich auch als ausschlaggebenden Punkt an für den Klub aus der zehntgrößten Stadt der Schweiz.

Die Turbulenzen in Ambri hätten ebenfalls eine Rolle gespielt. Anfang Oktober sind auf einen Schlag Präsident Filippo Lombardi, Sportchef Paolo Duca und Trainer Luca Cereda gegangen. Letztere beiden waren seit 2017 schon im Amt.

Nach einen misslungen Saisonstart hatte sich Lombardi hinter dem Rücken der sportlich Verantwortlichen mit möglichen Nachfolgern Ceredas beschäftigt, mit Christian Dube sogar getroffen. Als dies über die Medien herauskam, fühlten sich Duca und Cereda hintergangen.

Wir müssen uns niemandem rechtfertigen.

Dominic Zwerger

Bei einer Pressekonferenz stellte dann auch Lombardi sein Amt zur Verfügung, Dube wurde indes nicht neuer Trainer und ist seit Jänner in Biel tätig. In Ambri übernahm Jussi Tapola schließlich die Trainerposition.

"Am Ende des Tages haben sich meine Familie und ich für Biel entschieden. Wir müssen uns niemandem rechtfertigen. Jetzt sind wir vier Jahre in Biel und sehr glücklich darüber", stellt Zwerger selbst klar.

In Biel trifft der 29-Jährige auf Landsmann Fabio Hofer, beide kennen und schätzen sich sehr. "Er ist einer meiner besten Freunde. Natürlich macht es das etwas einfacher. Er hat mir gute Infos gegeben und sehr geholfen", meint der ÖEHV-Teamspieler.

Absagen von Rossi und Kasper ändern "gar nichts"

Bevor es zum neuen Verein geht, wartet die WM in der Schweiz. Auch für Zwerger ist die Endrunde in jenem Land, das seit fast einem Jahrzehnt seine sportliche Heimat ist, eine besondere.

An Österreichs Ausgangssituation ändert sich durch die Abwesenheiten von Rossi und Kasper "gar nichts", gibt Zwerger zu verstehen. "Wir müssen umso mehr kämpfen. Sie sind natürlich zwei der besten Spieler Österreichs. Das Team muss noch mehr als Einheit agieren."

Der Fokus lag auch vor den Absagen auf dem Klassenerhalt. "Den wollen wir sichern, alles darüber hinaus ist ein Bonus. Dann kann noch viel mehr möglich sein", meint Zwerger, "aber ohne den Klassenerhalt geht gar nichts".

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