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Makellos ins Finale: Warum die Graz99ers schwer zu stoppen sind

Die Murstädter spielen gegen den HC Pustertal um ihren ersten Meistertitel. Bernd Freimüller analysiert die einzelnen Kader-Bausteine:

Makellos ins Finale: Warum die Graz99ers schwer zu stoppen sind Foto: © GEPA

Die Graz99ers gehen als Grunddurchgangs-Champion und nach zwei makellosen Playoff-Runden in das Finale der win2day ICE Hockey League.

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Ein Blick auf die Einzelteile des Erfolgsteams:

Tor

Maxime Legace (CAN, 33)

Technisch solide, gleichzeitig geschmeidig und reflexstark, kann auch jederzeit in "Desperation Mode" gehen. Riesenunterschied zum Goaltending der letzten Saison in Graz. Konnte seine Verletzungsprobleme der letzten beiden Jahre nicht ganz ablegen - nach einer Leistenverletzung in Spiel 3 der Halbfinal-Serie könnte er erst im Laufe des Finales einsteigen. Längere Pause kommt ihm aber zugute.

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Nicolas Wieser (A, 28)

Nach schwachem Saisonbeginn bei seinen Einsätzen dann solider, zuletzt auch beim letzten Halbfinale in Ungarn. Athletik ist etwas besser geworden, lässt Schultern auch weniger hängen als zuvor. Wird keinen Geschosshagel erleben, muss aber bei möglichen engen Partien Key Saves liefern.

Abwehr

Nick Bailen (USA, 36, shoots right)

Nach mageren Jahren in Köln und einer enttäuschenden ersten Halbsaison in Graz heuer der absolute ICE-Top-Quarterback im Powerplay. Kann Scheibe zirkulieren, hat seinen harten und genauen Schuss wiedergefunden. Defensive war immer so-so, aber er stellt Offensive aus der Defensive auch bei 5-5 parat. Nächste Saison in Wien.

Frank Hora (USA, 29, SR)

Nach langwieriger Handverletzung zuletzt wieder in Form gekommen. Körperlich immens stark, steht stabil auf den Eisen, sehr gute Balance. Zwei-Weg-D, der aber durch Bailen heuer offensiv entlastet wird. Harter Schuss, nur ab und zu kleine geistige Aussetzer.

Kasper Kotkansalo (FIN, 27)

Kam während der Saison aus Schweden. Eisläuferisch stark, sehr ausgeglichener Defensiv-Defender. Bekommt in ICE mehr offensive Freiheiten als in anderen Ligen, nutzte diese zuletzt mit vermehrtem Aktivieren und Schüssen durch den Verkehr vor allem im Playoff aus.

Korbinian Holzer (D, 38, SR)

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Der Leithammel: Korbinian Holzer
Foto: ©GEPA

Körperlich starker Routinier, vor allem im PK unersetzlich. Zuletzt mit einer Lungenentzündung out, sollte aber im Finale wieder mit dabei sein. Versäumte die letzten Playoffs gänzlich, könnte heuer die letzten Spiele seiner Karriere bestreiten. Physische Präsenz tut dem Team sicher gut, sollte aber keine dummen Strafen nehmen.

Paul Stapelfeldt (A, 27)

Körperlich mächtiger Defensiv-Defender, PK-Spezialist. In seinen Beiträgen immer ausrechenbar. Gemeinsam mit Holzer ein Hauptgrund für weniger Verkehr vor dem jeweiligen Goalie. Eisläuferische Nachteile spielen weder in Liga noch im Nationalteam eine große Rolle, verwendet Reichweite und langen Stock vorbildlich.

Anders Koch (DEN, 28)

Eisläuferisch top, leichtfüßig und mit schnellen Drehungen. Kaum physische Komponente in seinem Spiel und im PP, wo er anfangs gesetzt war, mit nicht genug Impact. Nach Blinddarmoperation wieder auf dem Eis und für das Finale verfügbar, könnte aber auch zum Healthy Scratch werden. Studium stand für ihn lange im Vordergrund, erst in Finnland Richtung Profi abgebogen.

Nico Brunner (A, 33)

Eisläuferisch immer noch stark, verteidigt mit Beinen und Stock. Tiefenverteidiger, der zuletzt bei Personalnot stark spielte.

Kilian Zündel (A, 25, SR)

Mit Auf und Abs in Graz. Stabil auf den Eisen, guter Stock, aber doch immer wieder kleine Aussetzer und körperlich Durchschnitt. Allerdings während Verletzungsserien immer fit und zuletzt wieder solider.

Paul Reiner (A, 19, SR)

Auf Leihe in Zell/See mit viel Eiszeit, vor allem auch im PP. Bei Bedarf in Graz sehr solide, vor allem sein Defensivspiel hat sich verbessert. Größe - oder Mangel daran - ist offensichtlich, hat aber sogar Potential zum PP-Spieler in der ICE. Sehr erfreuliche Entwicklung.

Angriff

Paul Huber (A, 25, LW)

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Hat sich zu einem absoluten Schlüsselspieler entwickelt: Paul Huber
Foto: ©GEPA

In Salzburg mehr geduldet denn gefördert, mit großem Leistungsausbruch in Graz. Hat Spiel vom reinen Net-Front-Player auf höheres Niveau gestelllt, trifft jetzt auch aus anderen Variationen. Eine körperliche Wucht mit guten Beinen, absoluter Schlüsselspieler.

Lukas Haudum (A, 28, C)

Nicht nur punktemäßig mit seiner besten Saison heuer. Weniger Kringel und mehr direkte Aktionen. Kann mit samtenen Händen seine Mitspieler einsetzen, Pässe oft wie an Schnur gezogen, dazu starke Puckbehauptung. Schuss kann auch jederzeit eine Waffe sein. Heuer durchwegs als Center eingesetzt.

Nick Swaney (USA, 28, RW, SR)

Kam wie erwartet - giftig, dynamisch, gute Skills, aber auch verletzungsanfällig (zwei Pausen im Grunddurchgang). In den Playoffs fit und ein Scorer. Einer jener Spieler, die gegenüber Pustertal Tempovorteile ausmachen können.

Kevin Roy (CAN, 32, LW)

Brillante Hände, starker Passgeber, aber ab und zu zu kompliziert. Eigentlich in ICE Punktegarant, kann aber auch mitunter wenig auffallen. Hielt sich aber die ganze Zeit im Lineup, eigentlich nie verletzt.

Josh Currie (CAN, 33, C/RW, SR)

Wechselte zwischen W und C. Smarter Zwei-Weg-Spieler, Beine nicht so gut wie beim Rest des Teams. Verfügt über eine der besten Backhands der Liga, erzielt so viele Treffer. Bevorzugter Move - "between the legs". Auch im PK sehr wichtig.

Kevin Conley (USA, 29, W)

Sehr wichtige Nachverpflichtung. Brauchte keinerlei Anlaufzeit, kann im Lineup beliebig eingesetzt werden und in den Playoffs auch ein wichtiger Scorer. Starke Beine, stellt Motor nie ab, gibt Gegner wenig Zeit zum Verschnaufen.

Manuel Ganahl (A, 35, LW)

Packte im Gegensatz zur Vorsaison noch mal eine Stufe drauf. Vor allem im PK wie immer eine Konstante. Alter ist ihm nicht anzumerken, ein Comeback im Nationalteam würde nicht überraschen.

Michael Schiechl (A, 37, C)

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Wie guter Wein: Michael Schiechl wird mit dem Alter immer besser
Foto: ©GEPA

Un-ver-wüst-lich. Wird mit dem Alter eher besser denn schwächer, erzwang mit starken Leistungen eine große Rolle neben seiner PK-Tätigkeit. Auch immer wieder für wichtige Tore gut. Bei knappen Führungen ein Muss auf dem Eis.

Chris Collins (CAN, 33, C/W)

Speed war nicht ganz der Faktor, den man sich erwartet hat, sein Antritt ist aber weiter eine Waffe, wenn er ihn verwendet. Ab und zu in der Kritik, die er aber immer wieder mit Toren (21 im Grunddurchgang) beantwortet. Überraschend mehr am Flügel als in der Mitte eingesetzt.

Marcus Vela (CAN, 29, C-SR)

Kleiner Leistungsrückgang gegenüber der Vorsaison, zuletzt auch kränklich. Neben Huber aber der beste Net-Front-Player der 99ers, dort und an der Bande eine körperliche Macht. Schuss kann auch hart und ansatzlos kommen.

Tim Harnisch (A, 24, W)

Körperlich gegenüber der Vorsaison verbessert, dadurch auch fast durchgehend im Lineup. Beinarbeit macht ihn zu aufsässigem Spieler, besserer Motor als früher. Scorertechnischer Ausbruch gelang ihm aber nicht.

Lenz Moosbrugger (A, 21, LW/C)

Setzte sich nach Debütsaison im Vorjahr heuer fest, überraschend oft auch als Center. Sehr gute Beinarbeit, immer unterwegs und viele Passwege zustellend. Auch im Nachwuchs keine Scoring-Waffe, Jagd nach erstem Ligatreffer dauert schon länger.

Nico Feldner (A, 27, RW, SR)

Konnte sich zu keiner Zeit für höhere Linien aufdrängen, aber dafür mit mehr körperlicher Präsenz als in Linz. Im Gegensatz zu Vela oder Huber bringt er seine Wucht vor dem Tor zu wenig ein.

Lukas Kainz (A, 30, C/LW)

Versatiler Angreifer, kann im Lineup rauf und runter und als Center oder Winger spielen. Wäre auch im PK gesetzt. Durch Beinverletzung aber out. Nächste Saison eine von drei ligainternen Sturmverpflichtungen in Linz.

Jakob Lippitsch (A, 22, LW)

Während der Saison zwischen Kitzbühel und Graz pendelnd. Beine auf besserem Niveau als im Nachwuchs. Fügte sich als Rollenspieler gut ein, hat aber auch etwas Scoring-Potential. Nachrücker bei Verletzungen, als U24-Spieler jederzeit am Kaderblatt zu verwenden.

Powerplay-Formationen:

Conley

Vela

Collins-Currie-Haudum

Ganahl-Huber-Swaney(Roy)

Bailen

Hora

Penalty-Killing-Paare:

Schiechl-Ganahl 

Stapelfeldt-Holzer

Swaney-Currie   

Hora-Brunner

Vela-Conley   

Kotkansalo-Zündel

(Feldner)

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